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Am Ostseebad
Zwar machen wir gewöhnlich, was uns gerade Spaß mach, aber manchmal muss man sich auch ein wenig an Pläne halten, um weiter zu kommen. Und so verlassen wir mit gedämpfter Stimmung an Bord die uns lieb gewordene „Dänische Südsee“ und richten La Belle Epoques Bug wieder in Richtung Deutschland. Und, fast als wollte uns die Ostsee nicht weiterlassen, stirbt auch noch der Wind und wir müssen, zu allen Überdruss, auch noch den Diesel starten. Lautstart tuckern wir in die Flensburger Förde, wo uns doch noch ein herrlicher Segelnachmittag erwartet. Denn in der Förde angekommen, kommt Wind auf und die vielen Yachten um uns versprechen einen aufregenden und abwechslungsreichen Nachmittag. Vor den Stadtmauern, am Ostseebad, fällt schließlich der Anker und schon bald darauf kann man beobachten, wie die Segel fein säuberlich abdecket und verstaut werden, das Deck aufgeklart wird und das Dingi mit einem Platsch ins Wasser fällt. Im schmutzigen Ostseewasser frisch gewaschen und landfein gemacht, düsen wir kurz darauf in den beeindruckenden Hafen.
Was für eine Begrüßung. Wir sind halb benommen von dem Trubel um uns. Verständlich, kommen wir doch vom ruhigen Dänemark, wo keiner grölt oder schreit, keiner feiert oder beschwipst herumfällt, finden wir uns, plötzlich und ohne Vorwarnung, mitten in einer Stadt wieder, die gerade Fußball feiert. Denn heute hat Deutschland ein anscheinend wichtiges Spiel gewonnen, auf den Straßen wird gefeiert und gelärmt, schwarz-rot-gold geschmückte Menschen toben lachend durch die Straßen und die Gastgärten in der Altstadt bärsten beinahe vor singenden Fans aller Altersgruppen.
Ohne recht zu wissen, wo wir eigentlich hinwollen – Richtung Schweden, soviel steht fest – setzen wir erneut die Segel und segeln bei 6 Windstärken (40 bis 50km/h Windgeschwindigkeit) aus der Förde. Eine rasante Fahrt, werden wir doch von einer schönen Slup verfolgt und segeln unter Vollzeug vor dem Wind dahin. Konzentriert stehe ich am Steuer, jetzt bloß kein Fehler! Doch zu blöd, die rasante Fahrt kostet uns unser schönes triradiales Vorsegel. Das Foliensegel fängt an, sich aufzulösen und so fällt am Ausgang der Förde, wieder an der dänischen Seite, erneut der Anker.
Auch La Belle gönnen wir volle Tanks, im Yachthafen wird Diesel und Wasser gebunkert. Noch schnell ein wenig Backfisch mampfen und schon herrscht Aufbruchstimmung!
Ratsch, ratsch, ratsch, pumpt Jürgen die Ankerkette mit der manuell getriebenen Winde aus dem Wasser und mit quälender Langsamkeit passieren wir die Brücke zwischen Fehmarn und dem deutschen Festland. Zu schade, dass wir auf der Insel keine ansprechenden Ankerplätze gefunden haben, denn die Insel der eigensinnigen Bauern hat uns doch neugierig gemacht. Immerhin blickt Fehmarn auf eine doch sehr eigenwillige Vergangenheit zurück, eine Vergangenheit ohne Adel, aber reich an Seeräuberei und Piraterie. Denn die Schifffahrt war schon immer auf die Leuchtfeuer der Insel angewiesen und konnten sich dennoch nicht darauf verlassen. Mit Hilfe von Irrfeuern wurden viele Schiffe direkt auf den Strand geleitet, wo sie, nach der nächtlichen Strandung, abgewrackt und ihre Seeleute erschlagen wurden. Zumindest hört man noch heute derartige Geschichten über das Volk der Fehmarner, die Manns genug waren, dass sie auch keinen Adel unter sich duldeten und als freie Bauern ihr Land bestellten.
Unser nächster Stop allerdings soll Rügen sein, mal sehen, ob wir auch noch einen Abstecher nach Greifswald machen würden. Doch Rügen enttäuscht. Oder besser gesagt, der von uns gewählte Ankerplatz zeigt Rügen von seiner uninteressantesten Seite. Nichts als Hitze, Badestrand und Eisbuden! Zwar ist das Wasser hier schön klar und wir Schnorcheln unterm Schifferl herum, doch das Land bietet nichts. Kein schönes Dorf, keine anmutende Landschaft, nur Strand und in der Sonne gebratene Touristen. Zwar sind wir uns sicher, dass nicht ganz Rügen so aussehen kann, doch ist unser Ankerplatz vor Glowe ein so schöner Ausgangspunkt nach Bornholm, alle Schapps am Schifferl sind gefüllt und alle Tanks voll. Selbst Vernunft hätte uns nicht weiter halten können, doch noch hier zu bleiben und so segelt La Belle schon bald im goldenen Licht des Sonnenaufganges und bei Halbwind, mit zwei verschlafenen Alpenländer an Bord, auf die Ostsee hinaus!
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