home
la belle epoque
wir
unterwegs
navigation und nautic
seemannschaft
leben anbord
bordtechnik
publikationen
seglergeschichten und seemannsgarn
kontakt
surfside

[aufbruch]

Dann sind wir mal weg...

"A river seems a magic thing. A magic moving, living part of the earth itself" - Laura Gilpin

Angenehm ruhig schnurrt der Diesel unter uns, und - als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt - La Belle Epoque gleitet durch das nasse Grün der Donau.

Ja, wir sind draußen. Draußen aus dem gemütlichen Donauhafen, der uns das letzte Jahr beheimatete. Draußen aus dem Alltag des Landlebens, draußen aus der Welt der Autos, Telefone und Sonderangebote. Es ist kaum zu glauben, hier, mitten in Europa, mit geschäftigem Treiben an beiden Uferseiten, hat sich uns eine andere Welt aufgemacht. Geduldig leitet die Donau ihr Wasser Richtung Schwarzes Meer und umgibt uns mit ihrer gleichmütigen Ruhe. Schnell begreifen wir, dass sie mehr als nur eine Wasserstraße und - reguliert oder nicht - immer noch eine Quelle des Lebens ist.

Langsam erst setzt sich eine tiefe Ruhe und Befriedigung in unsere Herzen und wir begreifen, dass wir wieder dort unser Leben aufgenommen haben, wo es am lebenswertesten für uns scheint. Ausgiebig durften wir Abschied feiern. Wir flogen nahezu von einer Einladung zur nächsten, unsere kleine Abschiedsfeier am Fluss wurde zum schönen, großen Fest und unsere Freunde füllten La Belle Epoque fast zum Bersten mit g´schmakigen Andenken aus unserem Geburtsland.

Mit der schnellen Hilfe von James wurde La Belle Epoque schließlich reisefertig gemacht und ihrer stehenden Masten beraubt. Unter schwerer Last - weil bis unter die Aufbauten vollgestaut - nahm sie ihren Weg auf. Die fröhliche Santa Roberta begleitete uns schnell entschlossen das erste Wegstück mit einem verrückten Haufen uns lieb gewordener Freunde an Bord. Auch auf La Belle Epoque war die Stimmung heiter, unsere Familie war gekommen und auf der ersten kurzen Etappe durch die herrliche Schlögener Schlinge genossen wir gemeinsam bei Stelze und Bier die überraschend leichtfüßig laufende La Belle. Bereitwillig wurden wir in Aschach geschleust und mit einem herzlichen Gruß auf unseren Weg geschickt. In Schlögen noch ein letzter Abschied, von nun an würden wir alleine weiterreisen. Und so verkrochen wir uns in unsere Koje, am folgenden Tag wollten wir zeitig aufbrechen.

Fast, als wollte uns die Welt zeigen, unserem Vorhaben wohlwollend gegenüber zu stehen, wurden wir auch diesen Morgen wieder mit strahlendem Sonnenschein empfangen, der uns durch das schöne Land begleitet. Schon kamen wir zu unserer ersten Schleuse, die wir alleine an Bord durchfahren würden, und auch hier erlebten wir nur Freundlichkeit. Sofort wurde uns eine Schleusenkammer vorbereitet und nur kurze Zeit später ging´s gleich nach oben. Großartig, freundlich und unkompliziert wurden wir alleine ohne weiterem Schiff in die Höhe befördert, als hätte die Schleuse nur auf uns gewartet. Und, damit wir das Land am Strome auch wirklich frohen Mutes verlassen konnten, stoppte auch das Boot der Schifffahrtsaufsicht im Grenzgebiet ihren Motor um uns eine schöne Reise zu wünschen und uns zu verabschieden.

Und schon flattert die deutsche Flagge an unserem Bug und langsam geht unsere Reise in den Norden!

Doch früher als geplant legen wir den ersten Stop ein. Die Schleuse Kachlet bei Passau meldet uns Sperre bis Samstag Mittag. Ach so, jetzt wird klar, weshalb wir so wenig Gegenverkehr hatten. Wir dürfen gerne bis Samstag an ihrem eigenen Werkanleger gehen, so der freundliche Gruß. Was, zwei Meter Tiefgang, na, dann wohl doch besser nicht an unseren Anleger, für 2m können wir hier nicht garantieren!

Na gut, also alles klar zur Wende! Wir sollten doch mal im Hafen Racklau nachfragen, vielleicht hätten die ein Plätzchen für uns frei. Wir drehen eine Runde, nee du, danke, hier wird Kohle geladen. Danke, aber lieber wieder raus aus den Hafen und vor Anker, mit Schiffsverkehr ist ja ohnehin nicht zu rechnen - ´drum auch nicht mit Wellen und Geschaukel. Hinter den beiden schönen Holländern am Ankerplatz fällt auch schon der Anker von La Belle Epoque.

So, erst mal ein Bier auf Deck und beobachten, ob der Anker in dieser Strömung auch wirklich hält. Da schlafen wir doch beide glatt in der Sonne ein, anstelle der geplanten Ankerwache... aber der hält ohnehin ganz gut.

Am Freitag wird erst einmal "Landfein" gemacht, das Dingi geht baden und wir düsen zurück nach Passau. Was für eine schöne Stadt. Laut, aber schön. Wir schlendern durch die Gassen und entlang des Inns, genießen ein Löwenbräu in der Fußgängerzone und beobachten die Schiffe, denn immer mehr von ihnen legen an, um zu warten.

Samstag morgen: oh Schreck: die Holländer sind weg! Phu, gut, dass die wissen, wie man Schiffe fährt, wir lagen ja doch sehr knapp hinter ihnen und da schleichen die sich einfach so davon...aber Gott sei Dank ohne dabei an uns anzustreifen! Also mal ran an die Funke und verschlafen die Schleuse anfragen. Prompt kommt auch schon die Antwort. Hängt euch ran, die Jana Maria steuert gerade in Richtung Schleusenvorhafen. So heißt´s rein in den Pullover und an die Arbeit. Jürgen springt aufs Vordeck und lichtet den Anker, während ich schon Fahrt aufnehme und rechtzeitig hinter der Jana Maria gehts in die Schleuse. Der Schlaf ist verflogen und die Sonne kämpft gegen die kalten Finger, das Schleusentor schließt sich und "unser" Holländer wünscht einen guten Morgen. Da schau her, die Jana Maria kennen wir! Der Kapitän erzählt uns, dass der Wasserstand in Vilshofen zweieinhalb Meter beträgt. JA - wir können weiter! Sie selbst können nur mit einem Schiff weiter, der Frachter seines Vaters hat 2,4m Tiefgang, da geht leider gar nichts. Schönes Schifferl haben wir, meint er. Sie selbst haben ein Segelboot in der Türkei liegen, sind es die letzten Urlaube von Holland runter nach Gibraltar und weiter ins Mittelmeer gesegelt. Lustig, schmunzle ich, da lebt diese Familie am Wasser, und was machen sie im Urlaub: na, segeln, was denn sonst!

Nach der Schleuse Kachlet hieven wir noch schnell unser Dingi an Bord und langsam arbeiten wir uns gegen den starken Strom. Viele Kilometer lang bleibt ein deutscher Frachter hinter uns, wir machen Platz und haben ihn für den restlichen Tag vor uns. Hier kann keiner Gas geben, denn die Strecke ist eng, seicht und mit viel Strömung gegen uns. Dafür ist es schön hier. Anfänglich verzaubert das Land noch mit sanften Hügeln und satten Weiden. Allmählich wird es flach und Laubbäume zieren das Ufer. Viele Menschen genießen diesen schönen Landstrich und zu beiden Uferseiten tummeln sich Camper, Fischer und Radfahrer. Kinder und Hunde spielen am Ufer und Griller werden aufgebaut. Wir fahren mitten durch und erlauben uns die erste Kaltwasser-Eimer-Dusche in diesem Jahr. HUSCHIIII.......!

Ich könnte den ganzen Tag über Deck tanzen! La Belle Epoque arbeitet wunderbar unter uns und die Sonne vertreibt schnell die Kälte von der Donaudusche. Wir verwöhnen uns mit Kekse von der Abschiedsfeier und wechseln uns am Steuer ab. Die teilweise doch sehr starke Strömung und das enge Fahrwasser fordert die gesamte Aufmerksamkeit des Steuermanns. Man kann dennoch verstehen, warum die Deutschen so bedacht sind auf diese Strecke Natur. Denn hier teilen sich ja bekanntlich die Meinungen. Naturliebhaber und Umweltschützer umkämpfen das Gebiet gegen den Ausbau der Wasserstraße, Handelsleute und Schiffer stoßt das ganze Thema sauer auf. Klar, wenn man bedenkt, dass sie nur mit weniger Ladung durch das seichte Gebiet finden, bergauf ein vielfaches an Diesel brauchen um gegen die starke Strömung, die durch die Verengung des Fahrwassers künstlich erzeugt wurde, anzukommen und obendrein mit der Gefahr leben, bei einem kleinsten Steuerfehler oder einfach nur einem Stein, der ins Fahrwasser gerollt ist, Schiff und Landung zu riskieren.

Da schleicht sich doch fast die Überlegung ein, ob die deutschen Umweltschützer die Problematik nicht doch ein wenig tollpatschig gelöst haben. Immerhin wird die Schifffahrt und das Transportwesen in absehbarer Zeit kaum weniger, mit dem Tourismus am Wasser nimmt die Schifffahrt eher zu. Was nicht heißen soll, dass die Nist- und Brutplätze entlang der Donauufern weichen sollten. Nein, auf keinen Fall. Doch würde man die Fahrrinne ausbaggern, könnten nicht nur die Fische mehr Ruhe in der Tiefe finden, die Schifffahrt könnte sich Tonnen an Diesel sparen und bei Niedrigwasser müsste die beförderte Fracht nicht auf LKWs umgeladen werden, Lkws, die die Straßen verstopfen und ungleich mehr Energie pro Tonne Transportgut benötigen. Und mal ehrlich: für mich ist es eigentlich nur schwer vorstellbar, dass sich Fische dort wohlfühlen können, wo 30cm über Grund Frachtschiffe darüberdampfen und ihre Schrauben den Grund aufwühlen...Dennoch finden wir es gut, dass den Vögel und Fischen Platz gemacht wird und so motoren wir mit viel Kraftaufwand der Nordsee entgegen.

Wir finden einen schönen Ankerplatz in Irlach hinter einer kleinen Insel, wo obendrein der Anker hervorragen im Schlamm hält. Hier werden wir eine ruhige Nacht haben, doch zuerst gibts noch leckere Krautrouladen mit Speck und dazu ein gutes Fläschchen Weißwein, natürlich aus dem Burgenland. Der Laptop wird im Cockpit aufgebaut und wir genießen beim Fotoschauen noch einmal die Eindrücke der letzten Tage. Die Sterne funkeln über uns und einige Fledermäuse jagen Insekten rund ums Schifferl.

Zeitig in der Früh geht´s weiter und nach der Schleuse Straubing zeigt sich auch die Donau wieder von ihrer besten Seite: breit, schön und mit moderater Strömung. Wir braten in der Sonne und viel zu schnell liegt auch schon die nächste Schleuse vor uns: Greisling. Überrumpelt entern wir die Schleusenkammer und...alles geht schief! Unser Anlegemanöver ist zum Davonlaufen, das Heck macht was es will. Doch bald ist La Belle Epoque wieder eingefangen und während es nach oben geht, geht der Puls wieder nach unten! Danke, heute keine Schleusen mehr!

Unser Ziel für den Tag: Walhalla. Wir ankern am Fuß des großen Bauwerkes und nach dem wohlverdienten Essen gehen wir erst einmal baden: ungewohnte Geräusche von der Schraube haben uns den Nachmittag begleitet und Jürgen befreit sie von meterweise Angelschnur. Whow, der Stahlrumpf überträgt aber auch alle Geräusche!

Noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang erklimmen wir Walhalla und stehen etwas verdutzt vor dem für diese Gegen doch sehr eigenartig anmutendem Bauwerk. Irgendwie passt hier nichts so recht zusammen, denkt man, das Bauwerk steht mitten in einer Baustelle und an seinem Fuß weiden die Schafe. Keine Blumen zieren den Weg, kein Schild hilft uns weiter, ein bisschen Information über das Gebäude zu erfahren. Wir laufen eine Runde umher und lassen uns schließlich auf der Marmortreppe nieder, wo wir bei einer Dose Bier die Aussicht auf uns wirken lassen. Schön ist es hier und stolz blicken wir auf das kleine grüne Boot in der Donau, dass unser zuhause ist!

Dichte Regenwolken und böiger Wind empfangen uns am nächsten Morgen und schon tuckern wir Regensburg entgegen. Nein, bei diesem Sauwetter wollen wir die Stadt nicht besichtigen, drum geht es weiter, auch wenn uns die vielen Segelboote entlang der Ufer neugirig auf die Regensburger gemacht haben. Problemlos werden wir geschleust und schon geht es weiter Richtung Main-Donau-Kanal. In der Marina Saal tanken wir La Belle nochmal voll. Toll: 150l Diesel auf 37 Motorstunden! La Belle überrascht uns immer wieder mit ihrem Können!

Wieder unterwegs geht´s vorbei am Flusskilometer 2411: und hier endet für uns die Donau. Wir haben den Kanal zum Main erreicht! Tschüss Donau, schön war´s auf dir, du bleibst uns in sehr guter Erinnerung!

[zum seitenanfang]

 

 

[kontakt] [impressum]