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[Ostseeinseln]

 

Inselhüpfen

„Nachdem Gott Skandinavien geschaffen hatte, war von dem schönen Naturbausteinen des Nordens noch eine bunte Mischung übrig geblieben. Er nahm diese in die Hand und warf sie in die Ostsee, sodass Bornholm entstand“ lese ich bei noch immer drückenden 30 Grad Celsius am Ankerplatz vor Glowe auf Rügen. Whow, dass klingt ja vielversprechend, da müssen wir hin! Auch wenn wir uns eigentlich beide noch kein richtiges Bild darüber machen können, wie wir uns die Schönheit der skandinavischen Länder überhaupt vorstellen sollen, es scheint doch so, als wäre diese Insel, diese „Perle der Ostsee“, wie sie auch liebevoll von den Wissenden genannt wird, ein lohnender Beginn für unsere Reise in den Norden.

Noch schnell wechsle ich unser Bettzeug auf die dünnen Sommerdecken, denn heute Nacht sollten wir besonders gut schlafen, immerhin klingelt uns der Wecker schon um 4 Uhr morgens raus, wir wollen schon am Nachmittag in Bornholm ankommen und vor uns liegen über 60 Seemeilen.

Und schon geht's den Sonnenaufgang entgegen, bei Halbwind und mit allen Segeln gesetzt jagt La Belle Epoque mit 7,5 bis 8 Knoten Fahrt durch die Ostsee. Es herrscht Hochstimmung an Bord, die Sonne verwandelt die Wasserwelt um uns in ein funkelndes und glitzerndes Lichtmeer, es gurgelt und schäumt an unserer Bordwand und die Segel sind prallgefüllt mit der Kraft des Windes. Aus unseren Boxen dröhnt Musik von den Ärzten und lachend halten wir uns im schiefen Cockpit fest. Schade nur, dass die Ostsee so wenig Leben in sich verbirgt, es würde so gut zu unsrem Tag und der tollen Stimmung passen, wenn auch noch Delfine in unserer Bugwelle springen würden.

„Kling, kling, kling!“ ertönt unsere Schiffsglocke: „LAAANNNDDD IINN SSIIICHTTT!!!“ Jürgen ist für heute der bessere Ausguck. Bornholm voraus. Der Wind hat zugenommen und die See um uns ist bereits bedeckt mit kleinen weißen Gischtkronen. Doch La Belle segelt schön und ausgeglichen, ´drum lassen wir noch alle Segel oben, während die Insel immer deutlicher Gestallt annimmt. „Eigenartig, dort drüben, liegt der Frachter vielleicht auf Grund, kann das denn sein?“ Jürgen wundert sich und macht mich auf den Kümo (Küstenmotorschiff) knapp vor Land aufmerksam. „Nee, da drüben ist doch die Stadt Roenne, der Frachter liegt doch sicher dort vor Reede und die zwei Boote um ihn löschen einfach nur seine Ladung.“ Darüber bin ich mir fast sicher, aber, obwohl... irgendwie sieht das alles doch etwas eigenartig aus, deutet der Bug des Schiffes doch ganz klar Richtung Insel, bei dem Wind müsste der doch eigentlich anders vor Anker liegen, hmmm.

Na egal, wir halten gut Abstand und schon geht's weiter zur kleinen Bucht von Hammerhavn, dort, an der Nordspitze und unter der größten Burgruine Nordeuropas wollen wir nämlich unseren Anker schmeißen. Erst viel später sollen wir erfahren, dass der Frachter vor Roenne wirklich auf Grund gesessen ist: “Der besoffene Steuermann hat sich ganz einfach dazu entschieden, seinen Rausch am Ausguck auszuschlafen!“ Erzählte uns Knud, ein deutscher Segler, als wir gemeinsam in Schweden ein Glas Wein am Ankerplatz trinken.

Die kleine Bucht von Hammerhavn ist noch viel kleiner, als wir erwarten und zu allem Überfluss zeigt die elektronische Seekarte an, dass sie total versandet sein sollte, nur 1m Wassertiefe hinter dem Wellenbrecher. Zum Glück verlassen wir uns nicht auf die elektronische Navigationshilfen, die Papierkarte gibt grünes Licht, überall 2,5 bis 3 Meter Wassertiefe. Na, mal sehen und schon steuere ich La Belle Epoque mit Vollgas durch die enge Einfahrt, während Jürgen am Bug steht und mich hinein dirigiert. Denn die Einfahrt ist schmal und der Schwell steht schon recht hoch hier draußen, um unbeschadet in den kleinen Hafen zu kommen, müssen wir flink sein. Drinnen angelangt, stoppe ich sofort ab, jetzt heißt´s mal langsam vortasten. Doch unsere Papierkarten haben recht, überall tiefes Wasser und wir haben auch nahe am Land noch über einen Meter Wasser unterm Kiel (also 3 Meter Wassertiefe...).

Der schmucke Ankerplatz innerhalb der Hafenmole ist so klein, dass wir befürchten, hier nicht ungehindert vor Anker schwojen zu können und so vertauen wir La Belles Heck an einem Dalben, nachdem wir den Buganker eingefahren haben. So können wir unser schwimmendes Zuhause unbekümmert alleine lassen und uns ganz auf die Landgänge der wundersamen Insel konzentrieren, doch heute nicht mehr, wenn's auch erst drei Uhr nachmittags ist, heute wollen wir baden und bis zum Abend nur noch faul sein!

Wie schön, direkt am Ankerplatz führt ein Wanderweg vorbei. Und was für einer! Bewaffnet mit Hollersaft, Müsliriegel, Äpfel und Fotoapparat geht's durch den Wald und über die Klippen zur Hammerhus Slotruin, der alten Burgruine auf den Klippen Bornholms. Na, auch wenn sie uns Oberösterreicher aus dem Donaubecken nicht wirklich in ihrer Größe beeindrucken kann – die Schaumburg, die grad mal wenige Kilometer durch den Wald von unsrem Haus aus liegt, ist größer und besser erhalten als die Hammerhus Slotruin - die Lage der Burgruine ist allemal atemberaubend. Erfreut stelle ich fest, als wir auf der Burgmauer sitzend die Ostsee überblicken, die 72m unter uns gegen die Felsen schlägt: „Vom Meer werde ich mich nie absehen, soviel ist klar!“

Quer über Schafweiden, durch eine beinahe verlassene Ferienanlage entlang der Klippen und durch den Schatten spendenden Laubwald wandern wir weiter. Vor uns liegt der Opalsee, ein künstlich erschaffener See. Denn hier ist einst der Granit zum Bau des Nord-Ostsee-Kanals abgebaut worden. Und, auch wenn ich erst dachte, ich kann keine Steinbrüche mehr sehen (ich habe Jahrelang in einem Schotterwerk gearbeitet) – atemberaubend und beinahe mystisch wirkt der Platz, an dem sich die Natur das von Menschenhand verursachte Loch wieder zurückerobert und mit ihrer Pracht ausgefüllt hat. Hoch über uns, an den Steinklippen kreischen die Möwen, die hier einen Platz zum Nisten gefunden haben, während zehn Meter unter uns der blaue See in der Sonne glitzert.

Wir baden im Hammersee, laufen nach Solvig, bestaunen den Leuchtturm Hammerodde Fyr und kühlen uns in der Ostsee ab. Wieder durchqueren wir Schafweiden und kommen schließlich zur Ruine der Salomons Kapelle, wandern keuchend die steilen Wege zum zweiten Leuchtturm der Küste hinauf und finden uns irgendwann hoch oben auf den Klippen über den Opalsee wieder. Auf den steilen Felsen bläst uns der Wind um die Ohren und wir können nur ahnen, wie herrlich sich die Möwen um uns fühlen müssen, die in diesem Höhenwind gleiten, ohne einmal mit den Flügeln schlagen zu müssen.

Erschöpft erreichen wir La Belle Epoque im Hafen, unsere Köpfe sind gefüllt mit Eindrücken, unsre Kehlen brennen vor Durst und verschwitzt springen wir noch einmal in die Ostsee und schwimmen zum Boot - das Dingi mit unsren Kleidern und dem Rucksack im Schlepp. Für den Abend packen wir den Einweggrill, Würste, Salat und Bier in den Rucksack und lassen die mystische Umgebung des Opalsees noch einmal auf uns wirken – diesesmal bei Sonnenuntergang und ohne Touristen, die schon lange wieder zu ihren Hotels, Ferienhütten oder Booten zurückgewandert sind. Nur die Möwen beobachen uns – und vor allem unsere Würstl– genau.

Unverständlich bleibt uns jedoch, weshalb selbst in einem Land wie Dänemark, an dem an allen Ecken und in immer bequemer Reichweite Mülltonnen aufgestellt wurden, so herrliche Fleckchen Natur nicht sauber hinterlassen werden. Denn im See unter uns schwimmen ein Paar Turnschuhe (wer lässt allen ernstes seine Turnschuhe im See????), am Felsen neben uns leuchtet eine Aludose im Abendlicht und selbst am Weg hier her lag hie und da Müll herum. Sehr schade, ist doch wirklich nichts dabei, den Müll wieder mitzunehmen!

Den nächsten Morgen beginnen wir am Amateurfunkgerät. Dieses kleine Wunderding offenbart nach und nach seine vielen Fähigkeiten und ich bin froh, noch in Österreich die Zeit gefunden zu haben, den Kurs und die Prüfung zum Amateurfunker zu machen (mein Call: OE5YCL). Wenn auch der Kurs alleine freilich nur einen Einblick gibt in die vielschichtige Welt des Amateurfunks. So starte ich den Laptop und das Programm „Airmail“, mit dem ich über Winlink die neuesten Wetterdaten und die Mails der engsten Freunde und Familie herunterlade. Eine Angelegenheit, die mittlerweile zur Routine geworden ist.

Und nicht nur mit exakten Wind- und Wetterkarte werden wir versorgt (bisher haben die Gripfiles, die Windkarten, kein einziges mal falsch gelegen!), wir freuen uns ganz besonders, wenn Airmail eine ganz bestimmte Adresse am Bildschirm anzeigt: Mail von Eltern Fuchsmeier, Roseville Farms! Denn, uns war beim Kauf der Anlage nicht bewusst, wie toll es sein würde, ständig und überall Kontakt mit Zuhause bekommen zu können. Nicht nur, dass wir mit Eltern und Freunde klönen können, nein, meine Mum hat sich zu der tollsten Reisebegleiterin herausgestellt. Ab sofort haben wir alle nötigen Reisedaten zur Hand, alles, was das Internet so hergibt: denn Mutti durchforstet Wikipedia und Co, stellt Interessantes und Sehenswürdigkeiten unserer einzelnen Destinationen zusammen, schaut auf Google Earth rein und berichtet von den schönen Plätzen, die sie – interaktiv – entdeckt hat. Tja, so wird unsere Reise fast eine kleine Familienreise, es fühlt sich großartig an, zu spühren, dass sich auch die Familien über unsere Reise freuen und mit Interesse unser weiterkommen verfolgen. Und ja, da sitze ich am Rechner und lese in Mums mail über die Nordostküste Bornholms, über den weiten Klippenwanderweg und die schönen Buchten von Helligdomsklipperne und Gudhjem.

Nach einem Tag Entspannung beim Jazzfestival in Allinge brechen wir auch schon wieder auf. Mit dem Bus geht's bis Helligdom, wo wir zu Fuß über den Klippenpfad wandern und auch dem Schild zum „höchsten Wasserfall Dänemarks“ folgen. Landeinwärts maschieren wir durch den Wald, genießen den Duft des reichlich wachsenden Bärlauchs zu beiden seiten des Wanderwegs und den Schatten der Laubbäume.

Auch wenn wir uns nichts besonderes punkto Wasserfall erwarten – wir haben das Bächlein an seiner Mündung ins Meer gesehen und wissen, wie klein es ist – müssen wir lachen, als wir den „Wasserfall“ endlich entdecken: er ist so klein, dass wir zwei deutsche Touristen fragen, ob´s denn das hier sei. Die Antwort: „Ja, das hier ist der Wasserfall auf Dänisch, für Alpenländer natürlich eher lachhaft!“

 

Noch am selben Abend verabschieden wir uns von einer der schönsten Inseln unserer bisherigen Reise, wer weiß, vielleicht kommen wir ja eines Tages hierher zurück! Jetzt aber arbeitet sich La Belle Epoque, hoch am Wind und schwer Lage schiebend, in den Norden, Ziel: Gotland, Schweden. Denn nach der „Perle der Ostsee“ wollen wir noch eine Insel besuchen: das „Mallorca des Nordens“!

Wie gehabt leben wir unterwegs unseren „Dreistunden-Rhythmus“. Nur, dass es hier im Norden zunehmend schwieriger wird, wer hätte das gedacht. Eigentlich sollten die wenigen Stunden Dunkelheit (hier ist es nur noch drei Stunden pro Nacht dunkel) eine Erleichterung der Wache bringen, doch weit gefehlt: das Einschlafen der Freiwache wird fast unmöglich und betäubende Übermüdung macht sich an Bord breit. Mit Decken und Handtüchern dunkeln wir die Lucken der Koje ab, nur mit dem Erfolg, stickige Luft im Schiffsbauch zu finden! Zu allem Überdruss schwappt plötzlich noch Diesel in der Bilge herum und verbreitet unangenehmen Gestank im Schifferl. Die Zuleitung zum Tagestank hat sich gelockert und so verbringt Jürgen eine Zeit im „Verlies“ – immerhin hasst er nichts mehr, als einen dreckigen Motorraum! Schon bald ist der Schlamassel in einem alten Kanister aufgefangen, die Leitung fixiert und die Bilge wieder pico-bello geputzt.

Nach 42 Stunden endlich liegt La Belle Epoque sicher verholt an einer beeindruckenden schwedischen Stahlyacht im Hafen von Visby und wir „knotzen“ todmüde und beinahe an einem Hitzekoller dahinscheidend im Cockpit. Nur schwer können wir uns aufraffen, endlich wieder auf Schwung zu kommen und die alte Hansestadt auf der schwedischen Insel abzulaufen. Denn der Hafen hier kostet 30 Euro die Nacht, zu viel für uns und unser Segelbudget, um länger hier zu verweilen. Leider jedoch lässt der derzeitige Wind kein Ankern vor Visbys Badestrand zu...

Nach einer kleinen Mittagsrast brechen wir auf und bestaunen die alte Stadt. Beeindruckend wirken gleich mal die Schweden auf uns. Denn jeder hier spricht Englisch und wirklich keiner zeigt Scheu, sich mit einem Fremden zu unterhalten. Wie schön, wenn man sich mit den Menschen unterhalten kann. Noch im Hafen tratschen wir mit den Eignern der roten Stahlslup neben uns, eifrig bereiten sie das schwere Schiff für ihren Urlaubstörn vor, der morgen losgehen soll, wohin? Na, Bornholm!

Visby beeindruckt. Die bunten Häuser drängen sich dicht aneinander den Hügel hinauf, umgeben von der alten Stadtmauer, die zum Großteil noch erhalten ist. Die Stadt der Rosen und Ruinen zeigt stolz ihre vielen Kirchenruinen, die an die reiche Geschichte unter der Führung der Hanse erinnern und in den vielen Kämpfen um die begehrte Insel dran glauben mussten. Als erstklassige Urlaubsinsel der Schweden quillt die Stadt beinahe über vor Leben, die Straßen sind gefüllt mit Cafés und Bars, Diskotheken und Ramschgeschäften. Und der Yachthafen tobt vor Leben. Gerade heute hat sich ein großer Club aus glänzenden Motoryachten in den Hafen breit gemacht und es wird lautstark gefeiert. Ausgelassen tanzen die Schweden über die Stege, während eine grottenschlechte Liveband alte Haudegen-Rocklieder zum Besten gibt und verstimmt Bruce Springsteen und Co über die Bucht jodelt. Au, ich bin froh, als der falsche Musiker endlich seine Klappe hält und die Musik im Hafen nur noch aus den Lautsprechern verschiedener Powerboot-Boxen brüllt. Bei so viel Treiben im Hafen wollen auch wir nicht in einer Bar für unsere Drinks zahlen und so setzten wir uns, ausgestattet mit Flaschenbier aus Deutschland, an den Steg und genießen den Trubel.

Noch rechtzeitig vor der Gewitterfront laufen wir am folgenden Tag aus dem Hafen. Wir wollen keine weiteren Tage bezahlen und so nehmen wir lieber ein weinig unbequemes Wetter in Kauf. Denn der Wind sollte nach der Front auf Nordwest drehen und tagelang ein Auslaufen verhindern, und was sind schon ein wenig Böen für La Belle Epoque? Und wirklich, nicht lange und schon jagt uns die Front mit ihren schwarzen Himmel hinterher. Die Ostsee füllt sich mit weißen Kronen hinter uns und nur kurz flaut der Wind ab. „Zeit zum Reffen, denn gleich kommt's dick!“ Und Jürgen hat recht, er hat den optimalen Zeitpunkt zum Reffen ausgewählt, denn sobald die Segelfläche verkleinert ist, geht's auch schon los. Schließlich schmeißen wir alle Segel runter und tuckern bequem unter Motor und vom Steuerhaus aus, durch die Regenfront und über die glattgefegte Ostsee. Oh, so macht Schlechtwetter beinahe Spaß!

Vor Bläse versuchen wir zu ankern, doch im festen Schottergrund will der Anker per du nicht halten. Ein weiteres unnützes Ankermanöver leid, beschließen wir, an die Pier des alten Kalkwerks zu gehen. Kaum festgebunden zieht erneut eine bedrohliche Böenwalze am Himmel auf. Plötzlich geht's richtig los, La Belle Epoque zerrt an ihren Trossen und die Blitze jagen über den Himmel. Glück gehabt, dass wir nicht länger zu Ankern versucht haben, jetzt hätten wir unsere liebe Mühe! So sitzen wir im Steuerhaus und beobachten das Wetterspektakel um uns.

Am folgenden Morgen liegen wir noch in der Koje, als ein Hubschrauber neben uns runtergeht. Ich jage aus den Federn und bin erschrocken: „Was will der Seenotrettungshubschrauber blos hier?“ Nicht wissend, was um uns los ist, springen wir in unsere Kleidung und krabbeln auf den Pier. Schon deutet Jürgen auf einen Masten hinterm Pier: „Da ist eine Yacht in der Einfahrt aufgelaufen, die sitzen im Sand!“ Noch kurz wundern wir uns, weshalb der Hubschrauber zu so einer Lappalie gerufen wird, wir hätten die Yacht mit La Belle leicht runterschleppen können. Da bemerke ich den Sanitäter, der, gemeinsam mit den Seenotrettern, am Pier wartet. „Nein, die haben einen Verletzten an Bord, schau, da liegt ein Kind im Cockpit!“ Jetzt wird auch klar, warum die Eltern so hektisch und unkoordiniert an den Segeln reißen. Wir bieten dem Seenotretter an, mit La Belle die Yacht von der Sandbank zu ziehen oder auch ihnen unser Beiboot zu leihen, damit der Arzt endlich zu dem verletzten Kind kommt.

Der Teamleiter überlegt kurz die Möglichkeiten, da kommt die Yacht auch schon von alleine frei und wir werden angewiesen, dabei zu helfen, die Yacht sicher hinter La Belle Epoque zu vertauen. Schon wird der Sohn der Familie zum Hubschrauber getragen und, gemeinsam mit der geschockten Mutter wird der Junge nach Stockholm geflogen. Kreidebleich erzählt uns der Vater, dass sich der Traveller der Großschot (=Schiene für Flaschenzug, der das Hauptsegel hält) gelöst hatte. Die Talje (=Flaschenzug) sauste mit einer Wucht quer durch das Cockpit, wo der Junge saß. Mit der ganzen Kraft des Windes (und es blies noch immer in 5 bis 6 Windstärken) flog der schwere Block gegen den Kopf des Jungen und quetschte ihn zwischen Cockpitsüll (=Wand der Cockpitwanne) und Großschot ein. Eine gefühlte Ewigkeit lag der Junge bewusstlos im Cockpit „Wir dachten, er ist tot!“ so erzählte der geschockte Vater zitternd. Das kleine Mädchen im Cockpit ist kreidebleich und mucksmäuschenstill, selbst der Hund wirkte niedergeschlagen. Und der Horror der Familie sollte noch nicht zu Ende sein. Eine knappe Stunde später kommt der Vater noch mal zu La Belle und bringt einen Sack voll Lebensmittel: was als schöner Familienausflug begonnen hatte war mit akuter Lebensgefahr geendet: der Sohn lag mit schwerer Gehirnblutung in der Intensivstation und als der Rest der Familie mit dem Taxi aufbricht, ist der Zustand des Jungen noch immer kritisch. Hilflos können wir nichts weiter machen, als dem Vater unsere besten Wünsche mit auf dem Weg zu geben!

Auch wenn man nicht selbst betroffen ist, bleiben die Gedanken an den Unfall und der Schock der Familie an uns hängen und noch lange kreisen meine Gedanken um das Unglück, während wir über die kahle Insel marschieren und einen hübschen See im inneren finden.

Unter gerefften Segeln geht's schon bald weiter zur Insel Farö an der Norsspitze Gotlands, wo in einer herrlichen Sandbucht unser Anker fällt. Hier wollen wir ein paar Tage bleiben, denn wir planen, die Fahrräder an Land zu schaffen und die kleine Insel unsicher zu machen.

Doch dass ist leichter gesagt als getan, denn zum ersten Mal seit dem Start unserer Reise sehen wir uns in ernsthaften Navigationsproblemen! Denn ein Straßennetz wie hier auf Farö haben wir doch noch nie erlebt. Straßen enden ohne Vorwarnung in Waldwege, hinter der nächsten Kurve stehen wir plötzlich vor der Einfahrt zu einem Haus, Straßenschilder führen auf Rinderkoppeln und auf einmal stehen wir wieder einmal mitten im Wald wo nirgends mehr ein Weg weitergeht. Wir enden auf Wegen, die offensichtlich die Schafe ausgetreten haben und stehen plötzlich wieder in einer Bucht vor einem Steg voll Fischerbooten. Keine Ahnung, wie die Eigner der Boote hier her kommen, finden wir doch nur Schafwege. Doch jede Koppel hier ist unverschlossen und eigens gezimmerte Holztreppen helfen, über die Zäune zu gelangen. Irgendwann stehen wir schließlich auch vor den Raukas, den bizarren Kalksteinsäulen, die von der Ostsee geformt wurden. Ein beeindruckender Anblick.

Im ganzen aber macht die kleine Insel einen drückenden Eindruck auf uns. Die kahlen Steinböden machen es der Vegetation schwer, sich hier auszubreiten und das Land wirkt mit seinen grau geputzten Häusern eher farblos. Am Weg durch den Wald entdecken wir ganze Heiden an Heidelbeeren und am Abend duften frisch gebackene Blueberry-Muffins über die ganze Bucht!

Bei wenig Wind verlassen wir die schöne Ankerbucht und drehen La Belle Epoques Nase Richtung schwedisches Festland – oder besser gesagt: in Richtung Schärengarten! Und wir freuen uns schon riesig auf die vielversprechende Welt der vielen vorgelagerten Inseln und Felsbrocken der schwedischen Küste: die Schären.

Bald stirbt der Wind endgültig und so machen wir unsere erste Bekanntschaft mit dem herrlichen Küstenstreifen unter Dieselkraft. Glücklich, hier angekommen zu sein und staunend über die wunderschöne Welt um uns lassen wir den Anker in einer kleinen Bucht der Insel Ranö fallen.

Felsspalten auf Bornholm

Wandern über den Küstenwanderweg

Leuchtturm Hammerodde Fyr

Die Wanderwege führen durch Schafkoppeln

noch ein Leuchtturm auf Bornholm

Ankern unter der imposanten Kulisse

einfach schöne Kirchenbaukunst

chillen am Jazz-Festival

Die Klippen von Helligdom

wir haben Gudhjem erreicht

...und sind begeistert!

Baggersee auf Gotland, Schweden

Das ehemalige Kalkwerk auf Bläse, Gotland ist heute ein Museum

Die glücklose "Fortuna"

Parkplatz...

und keine Spur von überfüllten Stränden!

Die Zeit der Fischer ist längst vorbei!

Unser brafes Dingi.

Unterwegs auf Gotland

Die beeindruckenden Raukas.

Kalkgestein, so weit das Auge reicht.

Stille genießen...

Land-Fortbewegungsmittel Nummer 1

 

 

 

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