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[Main-Donau-Kanal]

Der Main-Donau-Kanal

Das jüngste und zugleich älteste Kanalbauprojekt Deutschlands

Im trüben Wetter lassen wir Regensburg hinter uns und mit der Stadt auch die Front, die wir gerade passiert haben. Das Fahrwasser vor uns teilt sich und wir nehmen die steuerbordige Abbiegung. Tschüss, Donau, der letzte Flusskilometer der Donau ist geschafft und schon beruhigt sich die Strömung gegen uns. Wir sind bei km 171 angekommen, der Main-Donau-Kanal liegt vor uns. Es geht in der erste Schleuse nach oben: Kelheim befördert uns 8,6m ins Oberwasser und entlässt uns in den Kanal. Unerwartet schön ist es hier. Sanft breitet sich das Land mit seinen saftigen Wiesen aus. Auf den steinernen Hügeln tronen Burgen und Schlösser. Immer wieder fahren wir an erhaltenen Teilen des Ludwig-Donau-Main-Kanals vorbei.

Denn dieser Kanal, der die Verbindung von Nordsee zum Schwarzen Meer herstellt, hat eine lange und reiche Geschichte. Karl der Große bemühte sich bereits 793 im Bau einer Verbindungsstrecke bis Regensburg, um seine Kriegsflotte an beiden Seiten seines Reiches einsetzen zu können. Obwohl ein derartiges Projekt zur damaligen Zeit fast unüberwindbare Probleme mit sich brachte, so wurde dennoch mit der Vermessung und dem Bau der "Fossa Carolina" - dem Karlsgraben - begonnen. Zu Beginn schien der Erfolg auf der Seite von Karl dem Großen zu sein: seine Ingenieure fanden wirklich die Stelle, an der die Wasserscheide zwischen Main und Donau nur ganze zehn Meter über der schönen Altmühl liegt und wo die - in den Main fließende - Rezat keine ganze vier Kilometer entfernt war. In Spätsommer 793 schlug schließlich Karl der Große sein Lager an der Altmühl auf und die Grabungsarbeiten begannen. Über 6000 Mann schufteten, um hier eine zehn Meter tiefe und dreißig Meter breite Rinne auszugraben. Doch der nasse Herbst, der feste Lehmboden und der Aufwand der Versorgung arbeitete gegen sie. Im Dezember wurde schließlich das Bauvorhaben abgebrochen, die Schiffe Karl des Großen wurden durch die begonnene Rinne zum Wasser geschliffen und die Grabungsarbeiten wurden nie mehr aufgenommen.

Die Idee des Kanals blieb jedoch über Jahrhunderte bestehen und 1654 griff Johann Eberhart Wasserberg den Gedanken als Erster neu auf. Viele sollten ihm folgen. Zur Zeit Wasserbergs - nach Ende des Dreißigjährigen Krieges - war die wirtschaftliche Lage Deutschlands geschwächt und der Bau des Kanals hätte eine Chance für den Handel mit den Türken gebracht, welche gerade den Balkan besetzten. Auch Frankreich, Holland und England arbeiteten an ihren Wasserstraßen, selbst die Schweden hatten mit dem Bau ihres Götakanals begonnen. Doch Deutschland war geteilt in unsagbar viele Fürstentümer, Grafschaften, Abteien und Herzogtümer, welche sich nur um ihre eigenen Vorteile bemühten. Genauso wie Wasserberg scheiterten die Verfechter des Kanalbaus nach ihm. 1667 träumte Dr. Johann Joachim Becher von der Flussverbindung, 1726 Georg Zacharias Haas und selbst der große Napoleon konnte sich 1800 für die Idee des Main-Donau-Kanals begeistern ohne sie während seiner Herrschaft umsetzen zu können.

Es dauerte noch, bis endlich König Ludwig I den Ludwig-Donau-Main-Kanal umsetzte. Nach nur neun Jahren Bauzeit und teilweiser Finanzierung aus privater Hand wurde der Kanal 1846 eröffnet. Doch zu dieser Zeit fuhr bereits die Eisenbahn diese Strecke und der Kanal konnte lange Jahre seine enormen Baukosten nicht abdecken. Nur wenige Jahre nach seiner Eröffnung erlebte der Kanal eine Hochblüte, später erzielte sogar die Ernte der Obstbäume entlang seiner Ufer höhere Erträge. Der 2. Weltkrieg schließlich beendete die Kanalmisere, der Kanal war derart zerstört, dass eine neuerliche Instandsätzung nicht zur Debatte stand.

Doch schon lange vor seiner technischen Zerstörung durch den Krieg wurde eine neue Kanalmöglichkeit diskutiert, da bereits König Ludwig III einsehen musste, dass der Kanal nur wirtschaftlichen Erfolg bringen kann, wenn sowohl die Einmündung in die Donau als auch in den unruhigen Main neu reguliert wird. Die folgende Planungs- und Umsetzungszeit dauerte wiederum 100 Jahre, bis schließlich der heutige Main-Donau-Kanal von der Rhein-Main-Donau AG gebaut und eröffnet werden konnte.

Dieser neue Kanal, der 1992 eröffnet wurde, umfasst 16 Schleusen und verbindet über 171 Flusskilometer den Main über die Regnitz und die Altmühl mit der Donau. Im Zuge der Bauarbeiten wurde viel über den Umweltschutz gestritten. Zwanzig Prozent der Baukosten wurden in den Naturschutz investiert und so entstanden gerade im Bereich der Altmühl viele Naturprojekte und Altarme des Gewässers, was auch den Tourismus erfreut und gerade diesen Teil des Kanals zum beeindruckend schönen Abschnitt macht.

Die Schiffe werden über Sparschleusen auf 409 Meter über die Nordsee gehoben und wieder Richtung Main gesenkt, so durchfährt man in eine Richtung beide Varianten: zu Berg und zu Tal. Im Kanal gelten zu den üblichen Schfffahrtsregeln auch zusätzliche Bestimmungen, so ist zum Beispiel der Einsatz des eigenen Ankers grundsätzlich verboten, die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt zwischen 11 und 13km/h. Auch das unbemannte Stillligen von Sportbooten ist nicht erlaubt, Segeln ist im gesamten Kanal verboten. Viele Altarme und Flachwasserzonen werden als Brut- und Nistplätze geschützt, weshalb sie nur berudert werden dürfen. Viele Wehren sind jedoch mit Bootsschleppen ausgestattet und das Befahren mit einem Paddelboot ist sicherlich ein herrliches Erlebnis.

La Belle Epoque allerdings ist mit ihrer knappen 4m Breite, ihren Masten an Deck und ihren 2m Tiefgang nicht mehr in der Größe der gängigen Freizeitboote und so passen wir weder in die eigens für Sportboote gebauten Bootsschleusen, noch in die vielen Yachthäfen, welche meist nur Boote bis 10m Länge und weniger Tiefgang aufnehmen können. Die Schleusenwärter hier kennen jedoch die Probleme der durchreisenden Segelboote und so werden wir ohne Aufsehen mit den Frachtschiffen geschleust und bekommen stehts ein Plätzchen an einer Mauer oder an den Dalben zugewiesen.

Die Schleusen selbst sind als Sparschleusen gebaut, sie benötigen so 60 Prozent weniger Wasser pro Durchschleusung und pumpen einen Großteil des Schleusenwassers in eigene Wasserbecken. Die modernen Anlagen sind sehr hoch gebaut, eine Fallhöhe von knapp 25 Meter ist keine Seltenheit. Zum Glück sind sie mit Schwimmpollern ausgestattet, teilweise drückt das ansteigende Wasser derart auf La Belle Epoques Kiel, dass sie nicht durch Muskelkraft gehalten werden könnte und das umhängen der Trossen beim steigen des Wassers nahezu unmöglich macht. Phu, wie schön habens da die kiellosen Motorboote, die locker die Leinen halten und über unsere Anstrengung staunen. Na ja, man sieht halt nicht, dass unser Langkiel zwei Meter unter uns reicht!

Anfänglich haben wir genug Zeit die Gegend zu besichtigen, denn für Tage ist der Kanal gesperrt. Ein Unfall hat eine Schleuse derart beschädigt, dass ihre Reparatur etliche Zeit in Anspruch nimmt. Uns jedoch störts nicht viel. Wir werden jeden zweiten Tag wieder eine Schleuse weiter gebracht, so sehen wir immer neue Ortschaften, nutzen unsere Fahrräder, gönnen uns einen Eisbecher auf den einen oder anderen Hauptplatz von den Dörfern, die uns glatt in die Zeit zurückversetzen, in der die Gräfe und Fürsten, Abte und Bischöfe über den Bau eines Kanals stritten.

Bald genug ändert sich die Situation. Was mit gemächlichen Schlägen von Dorf zu Dorf begonnen hat, endet mit arbeitsreichen Tagen, um durch die vielen, hohen Schleusen zu kommen. Nach kleinen Hoppalas vor und in den Schleusen sind wir schon bald halbe Profis und die vielen Schleusenkammern vor uns ändern nichts mehr an unserer Herzfrequenz...

Nachdem wir die Altmühl hinter uns gelassen haben, wird sowohl der Kanal als auch das Wetter triest. Bei bewölkten Himmel und Regenschauern hüpfen wir wie knallrote Michelinmännchen an Deck, wenns wieder in eine Schleuse geht. Viele Strecken gehen entlang der Autobahn und wir merken, dass unser Empfinden gegen Lärm bereits sehr stark gestiegen ist.

Bamberg ist ein krönender Abschluss. Wir vertreten uns die Füße ausgiebig in der sehenswerten Stadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern und stoßen bei einem Glas des hier typischen Rauchbiers das Ende der anstrengenden Kanalfahrt an. Resümee: die Menschen hier in Bamberg trinken Speck ;-)

 

Die Reise durch den Kanal war arbeitsreich, die Städte und die Dörfer allerdings wunderschön. Wir freuen uns dennoch, in den Main zu kommen: einen natürlichen Flussverlauf vor uns zu haben, mit kleinen Ankerbuchten und weniger anstrengenden Schleusen!

an der Altmühl

Schlösser und Burgen

...und viel Natur

Am Logbuch...

...während Jürgen uns am Gegenverkehr vorbeisteuert!

das Wetter ändert sich

Sonnenuntergang am schönen Liegeplätzen

In Bayern wird sogar die Schifffahrt auf Wirtshäuser hingewiesen!

Viel Verkehr...

...und hohe Schleusen

Alles streng in christlicher Hand.

... och, nicht schon wieder!

 

 

 

 

 

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