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fortgeblasen und angeschwemmt

Unser Leben unter Segel

von Claudia Kirchberger

 

 

Für Jürgen, ich freue mich

auf jede weitere Seemeile,

die wir gemeinsam erleben werden

 

Vorwort

Mit nur 24 und 20 Jahren sind Jürgen und ich zu unserer wahrscheinlich richtungsweisensten Reise aufgebrochen, die uns auf Meer hinausgetrieben hat und unser Weltbild für immer verändert hat. Auf sicherlich unkonventionelle Weise begannen wir unsre Seereise an Bord einer kleinen Segelyacht und lernten unterwegs, mit den neuen Aufgaben und Eindrücken umzugehen.

Unsere Reise rund Zentralamerika war geprägt von wunderbaren Tagen und spannenden Erlebnissen, doch haben wir bei dieser Reise auch gelernt, stets Respekt vor der Natur zu haben und ihre Sanftheit und Brutalität gleichsam zu verstehen. Neben Segelreisen im herrlichsten Wetter erlebten wir auch einen Seenotfall, der uns die Gewalt unserer Ozeane spüren ließ und uns forderte, schnellstmöglich wieder auf die Beine zu kommen.

Aufgrund der vielen Anregungen, unsere Geschichte zu Papier zu bringen ist dieses Buch entstanden, und ich möchte mich vor allem bei Jürgen bedanken, der mit Geduld meine zahlreichen Überarbeitungen durchgelesen hat und mir stets Mut machte, daran weiterzuarbeiten.

Weiterer Dank gilt an unsere Eltern. Ich freue mich, dass ihr versucht, unseren Lebensweg zu akzeptieren und unsre Weltanschauung zu verstehen.

Außerdem möchte ich mich bei Fritz, Herbert, Rosa und Andi bedanken, für die Zeit die ihr euch genommen habt, um dieses Buch vorab zu lesen und mir mit ihrer ehrlichen Rückmeldung geholfen habt, das Buch zu verbessern.

 

 

Prolog

Auch bei stockdunkler Nacht war der Anblick des Wassers ein Grund aufzuatmen. Erst ein paar Wochen waren vergangen, seit wir dem Atlantik unsere Rücken gekehrt hatten. Hier, auf einer Brücke über der großen Bucht in North Carolina, dem Albermarl Sound, wirkten die vergangenen Tage wie ein fiebriger Traum. Ein Traum, der jede Sekunde zu einer Ewigkeit werden ließ und doch so schnell wieder verdrängt und vergessen war.

Das Wasser schien eine Bestätigung zu sein, dass die Zeit der Heimatlosigkeit hinter uns lag und wir bald wieder auf unserer IRISH MIST leben könnten. Der Albermarl Sound war ein Vorbote des Atlantiks, an dessen Küste unser kleines Schiffchen, in Sicherheit gebracht, wartete.

Seit drei Tagen waren wir nun ununterbrochen in einem alten, grauen Van unterwegs, den wir vor kurzem in Washington D.C. für wenig Geld gekauft hatten. Sobald sich unerträgliche Müdigkeit beim Fahrer des Autos einschlich, wurden die Plätze gewechselt, und die einzigen Fahrpausen verschaffte uns JoJo, unser quirliger schwarzer Labrador-Bordercollie-Mischling, der seine gewohnten, langen Spaziergänge vermisste. Auf den Freeways von Manitoba, Kanada nach North Carolina, USA nahmen wir uns jedoch nicht viel Zeit für JoJo, und so musste er sich mit kurze Stops auf Autobahnrastplätzen begnügen. Wir waren in Eile. Zwar hätte es keinen Unterschied gemacht, wenn Jürgen und ich ein paar Tage länger unterwegs gewesen wären, aber wir trieben uns gegenseitig vorwärts. Wir freuten uns, wieder aufs Schiff zu kommen, auf ein Schiff, das ein Zuhause, eine Vergangenheit und eine Zukunft für uns versprach, egal, in welchem Zustand es sich auch befinden würde.

Die letzten zwei Wochen hatten eine halbe Ewigkeit gedauert und waren auch schon wieder unvorstellbar lange her. Jetzt erst wussten wir, was es heißt, heimatlos und besitzlos zu sein. Unser materielles Vermögen bestand nur noch aus dem alten Van und den Kleidern, die wir trugen. Ein wenig Geld lag noch auf dem Konto, eine Zeit lang mussten wir aber auch ohne diesem auskommen.

Viel wichtiger war aber, dass wir gelernt hatten, auch mit schwierigen Situationen umzugehen. Wir hatten erfahren, dass wir auch in aussichtslosen Zeiten nicht unsre Köpfe hängen ließen und immer mit Freude auf unsre Zukunft blickten, um bald wieder neue Pläne zu schmieden.

Jetzt, fast am Ziel unserer Reise mit dem alten Bus, musste ich an den Tag in Kanada denken, an dem wir zu dieser Tempofahrt Richtung Süden aufgebrochen waren. Eigentlich wollte ich im Internetcafe in Kanada nur ein paar Mails schreiben. Mails an Freunde in Österreich und auf den sieben Weltmeeren um ihnen mitzuteilen, dass wir gesund und munter waren, davongekommen mit einem sprichwörtlichen blauen Auge. Ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich die Nachricht von Outer Banks Seatow las: „Das Segelboot IRISH MIST wurde verlassen und stark beschädigt ca. 10 Seemeilen vor der Küste gefunden. Wir haben es in den Hafen geschleppt, herausgehoben und ausgepumpt. Kennt ihr die Besitzer des Boots?“ Eine Telefonnummer für Rückrufe war angegeben. Ungläubig und doch mit neuem Wind in den Segeln ließ ich mir über Telefon erklären, wo denn unser geplagtes Segelboot an Land auf uns wartete.

Die letzten Meilen auf dieser kleinen Insel Roanock in North Caroliner schleppten sich nun. Der Charme dieser verschlafenen Insel war dennoch zu spüren. Manteo und Wanchese gefielen uns schon in dieser Nacht, und eine Gewissheit schlich sich in unsere Köpfe, dass hier eine schöne Zeit vor uns lag.

Endlich kamen wir an der Südspitze der Insel an, wo das kleine Dorf Wanchese, bestehend aus wenigen Häusern, Fischereihäfen und Trockendocks, lag. Noch dauerte es, bis wir die Docks von Outerbanks Marine Maintnance fanden, an dessen südlichstem Streifen Land IRISH MIST stand - traurig gehüllt in die übrig gebliebenen Fetzen aus Segeltuch und aufgebahrt auf einen Platz zwischen sturmgeprüften oder vergessenen Yachten und Booten.

Sie war tatsächlich noch im ähnlichen Zustand wie vor rund zwei Wochen, als wir sie im „Memorial Day Storm“ ihrem Schicksal überlassen mussten. Mein Herz hüpfte Saltos und ein Anflug von Stolz mischte sich in das Hoch der Wiedersehensfreude - Stolz auf das Schiff, das sich auch unter miesen Bedingungen und alleine gelassen nicht von der wütenden See in die Tiefe reißen ließ. Selbst die US Coast Guard hatte uns prophezeit, IRISH wäre mit großer Wahrscheinlichkeit gesunken und doch stand sie da. Alles hing in Fetzen herunter, sie stank bestialisch und noch immer war die Bilge mit schmutzigem, dickflüssigem Wasser überschwemmt. Viele Dinge waren für immer hinaus gespült worden, die Innenausstattung war verwüstet. Eine Unzahl von Fliegen und Mücken hatte sich im Schiff angesiedelt. Dennoch gab es Grund zum Jubeln. Wir fühlten uns, als stünde ein Jackpot vor uns. Nur ein Blick war nötig um zu wissen, dass wir selbst alles wieder reparieren konnten, und wir träumten von ihrem neuen Glanz, in dem sie nach getaner Arbeit erstrahlen würde.

Wir parkten unseren Van neben dem Boot und fingen an, Pläne zu schmieden - fast wie vor drei Jahren, als wir zum ersten mal IRISH MIST sahen, um mit ihr auf diese Reise zu gehen.

 

Kapitel 1

Der Anfang

Genau genommen war es ein Zufall, dem wir das Boot IRISH MIST verdanken. Die Suche nach einem kleinen Segler, der uns in den Süden bringen soll, hatte bereits begonnen, doch zur Zeit verbrachten zwei Freunde aus der Heimat ihren Urlaub bei uns, weshalb wir eine Tour durch die Nationalparks des amerikanischen Südwestens unternahmen.

Seit über einem halben Jahr war unser altes, ausgebleichtes Wohnmobil unser zuhause, indem wir quer durch Nordamerika gebraust waren. Nun stand unser Beschluss fest, wir wollten die Straßen gegen das Meer auszutauschen und mit einem Segelboot weiterreisen, denn wir liebten es zu reisen, und das Wasser übte eine besondere Faszination auf uns aus. Oft, während unserer Fahrten entlang der amerikanischen Pazifikküste standen wir an Stränden und die kleinen, weißen Dreiecke am Horizont nahmen unsre Gedanken und Träume mit sich. Wie frei mussten sich die Leute da draußen fühlen. Die Tatsache, dass wir eigentlich Landratten waren, Jürgen und ich, geboren und aufgewachsen in einem Binnenland, konnte kein unüberwindbares Hindernis sein. Kindheitserinnerungen an die Adria waren bis vor nicht allzu langer Zeit die einzige Verbindung zum Meer, Kindheitserinnerungen an Minigolf und Sonnenbrand, an Wellenreiten und Sandburgen, in denen die Jachthäfen mit ihren mehr oder weniger in der Sonne glänzenden Booten nur in Vergessenheit rückende Besichtigungs-ausflüge darstellten. Einzig meine Schulsportwoche am Kärntner Millstättersee ließ mich die Schönheit des Segelns erahnen.

Doch immer, wenn wir unsre Picknickpausen irgendwo an einem schönen Strand hielten, während wir mit unsrem alten Dodge Wohnmobil von Mexiko bis Alaska gepilgert waren, träumten wir von der Möglichkeit, die so ein Boot mit weißen Segeln bieten musste. Ein Segelboot war die vollkommene Art zu Reisen und noch mehr als das, es musste die schönste Art zu leben sein. Leicht fiel die Entscheidung.

Als Vorbereitung leisteten wir uns einen einwöchigen Segelkurs. Wir mussten die Grundlagen des Segelns lernen. Der kleine, finanzielle Polster, den wir in Österreich erarbeitet hatten, würde reichen, ein Schiff zu bezahlen und noch etwas für die Reise übrig zu haben, solange wir sparsam damit umgingen. Vor allem verbrachten wir aber viel Zeit damit, alle Bücher übers Segeln und Blauwassersegeln zu lesen, die den Weg in unsre Hände fanden. Schließlich konnten wir uns ja zumindest theoretisch vorbereiten und über Bücher viel lernen. Wir lasen Bücher von Seglern mit kleinem Budget bis zu Segelberühmtheiten, die anscheinend keine vergleichbaren Finanzprobleme hatten. Wir strickten uns eine Einstellung zwischen Annie Hills „Segeln mit kleinem Einkommen“ und Bobby Schenks „Blauwassersegeln“ zusammen.

Der Autor Bobby Schenk schrieb viel tolles Wissen und viele Erfahrungen nieder, die aber leider in vielerlei Hinsicht nicht mit unserem Ersparten zu kombinieren waren und manchmal auch etwas von unseren Anschauungen abwich. Annie Hill hingegen segelte mit einfachen Materialien und einem schlichten, selbstge-bauten Schiff, was aber auf mich zu spartanisch ausgestattet wirkte. Wir wussten, eine gute Kombination beider Anschauungen konnte uns die Reise mit dem eigenen Segelboot er-möglichen.

Nach kurzem Aufenthalt in Österreich zurück in den Vereinigten Staaten, wo ich dieses mal als Greencard-Besitzerin einreisen konnte, war unser Doge unser Zuhause. Jürgen hatte ein Touristenvisum für drei Monate erhalten, die amerikanische Einwanderungsbehörde wollte ihm nicht noch einmal ein Visum für ein halbes Jahr geben. Unser Ziel war, innerhalb dieser drei Monate ein geeignetes Schiff zu finden, zu kaufen und damit in Richtung Süden zu segeln.

Natürlich war es nicht leicht, die richtige Wahl zu treffen. Wir mussten ein Boot finden, das billig aber dennoch stark gebaut war. Es sollte groß genug für zwei sein, aber nicht zu groß, um keine unnötigen Kosten zu erzeugen. Welche Segeleigenschaften es haben sollte, konnten wir nicht so genau sagen, es musste aber auch auf alle Fälle für eine einzelne Person zu bedienen sein, schließlich würden wir nächtelang durchsegeln und bei einer kleinen Crew von zwei Personen war klar, dass jederzeit einer aufgrund von Krankheit ausfallen konnte. Gelesen hatten wir ja so einiges über Rumpf- und Kielformen, über Segeltakelungen, Ruderformen und Ruderaufhängungen.

Eine Slup, die nicht zu langsam, aber auch kein typisches Regattaboot war, wurde als Zielobjekt auserkoren. Wie viele Menschen war auch ich immer begeistert von klassischen Designs, die so romantisch über die Meere glitten. Die Klassiker schienen aber immer zu teuer oder zu reparaturbedürftig zu sein. Auch das Bootsbaumaterial gab uns einiges zu lernen und zu denken. Logisch schien ein Metallboot. Als gelernter Werkzeugmacher hatte Jürgen viel Erfahrung mit Metall, und außerdem kam es unseren Vorstellungen von Sicherheit am nächsten. Fieberglas hatte doch sehr den Beigeschmack eines „Joghurtbechers“ und wurde von uns sehr skeptisch betrachtet. Ein kalifornischer Segler setzte mir außerdem noch den Floh ins Ohr, dass „echte Segler“ auf Holzboote schwören würden. Alles andere sei charakterlos und konnte uns nie das völlige, echte Gefühl vom Segeln geben, meinte er. Dabei wiederum waren hier am amerikanischen Markt so gut wie keine Sperrholzschiffe zu finden, denen ich unser Leben anvertrauen wollte, und alle Vollholzboote unserer Preisklasse drohten zu sinken. Aber herrlich schön waren sie anzusehen.

Vom Ferrozement war in Kalifornien nicht die Rede und so hatten wir keine Gelegenheit, uns länger mit diesem Rumpfmaterial zu beschäftigen. Das aber war kein Problem, da wir uns ohnehin nicht für Ferrozement entschieden hätten.

Jeder Segler, mit dem wir über das Bootsbaumaterial sprachen, war zu einhundert Prozent vom jeweiligen Baumaterial seines Schiffes überzeugt. Das half nicht wirklich viel weiter. Wir entschlossen uns, nach einem Stahl- oder Aluminiumboot zu suchen und als zweite Wahl nach einem GFK Boot aus den Sechziger Jahren Ausschau zu halten, denn zu dieser Zeit wussten die Bootswerften noch nicht viel über dieses Material und bauten zur Sicherheit sehr starke Boote.

Jürgen lernte schnell die einzelnen Designs zu unterscheiden, die Vor- und Nachteile der einzelnen Bootsformen sowie deren Stärken und Schwächen einzuschätzen. Er beobachtete leiden-schaftlich die Schiffe, die in den Häfen ein- und ausliefen. Gierig nahm er alle Infos, die er erlangen konnte, auf und abends bei einem Bier im Wohnmobil oder auf einem schönen, ruhigen Plätz-chen berichtete er mir stundenlang seine neuen Beobachtungen.

Schnell lernten wir, dass sich jeder Segler und Bootsbesitzer absolut von seiner Wahl überzeugt gab und so jedes Boot seine Vorzüge hatte. Wir wussten, dass wir gut wählen mussten, aber auch unserem Gefühl Platz lassen konnten, da wir ja von unserem zukünftigen Zuhause sprachen.

Nun aber waren wir mit unsren Freunden unterwegs durch die Naturparks im Süden und Westen der USA. Als Abschluss wollten die beiden „Sea World“ in San Diego besuchen. Ich wurde eingeladen, den Tag mit ihnen zu verbringen. Jürgen hatte keine Lust, sich diesen Zoo mit Showprogramm anzusehen, und so brachte er uns zum Eingang und fuhr anschließend in die Yachthäfen der Stadt.

Als er uns abends wieder am Haupteingang abholte, hatte er tolle Neuigkeiten für mich. Jürgen hatte ein Boot gefunden, das für uns in Frage kommen könnte.

Begeisterung machte sich in mir breit, als ich vor der 34 Fuß lange Coronado stand, die 1968 in San Diego gebaut worden war. Aus GFK gefertigt, mit Flossenkiel und frei aufgehenktem Ruder war sie zwar nicht perfekt, aber ein kompromissloses Schiff zu finden hatten wir nicht in Aussicht. IRISH MIST war eine Slup mit sportlicher und doch traditioneller Linie. Sie hatte ein überdurchschnittlich großes Cockpit und eine schöne Innen-aufteilung. Der Rumpf war sehr solide gebaut, wie in den Sechzigern üblich, Rigg und Segel machten einen guten Eindruck. Ihr Zustand war ehrlich, aber natürlich dem Baujahr entsprechend, eben passend zu unsrem Ersparten.

Durch ihre Motorprobleme konnten wir einen guten Preis aushandeln, aus dem Wasser gehoben wurde sie vor der Kaufent-scheidung von einem Gutachter bewertet. Alles in allem erklärte uns dieser, dass wir mit dem Schiff zu diesem Preis einen sehr guten Kauf machen würden und so stand die Entscheidung fest. Unsre Freunde waren mittlerweile abgereist, wir kauften die kleine Segelyacht und stürzten uns in unser „neues“ Leben.

Vom ersten Tag an gab es tausend Dinge zu erledigen. Am Trockendock verpassten wir ihr eine neue Unterwasserfarbe und pinselten bei dieser Gelegenheit den weißen Rumpf gleich neu. Den alten Namen schrieben wir mit schwarze Buchstaben auf ihr Heck und brachten am Bug die neuen Registriernummern an. Noch schnell ein paar Fotos und ab zurück ins Wasser.

Da die Maschine Motorschaden hatte - ein Mechaniker hatte den Kopf der alten Maschine beim Versuch, ihn abzunehmen gebrochen - konnten wir mit dem hilfsbereiten Händler vereinbaren, am Verkaufssteg liegen bleiben zu dürfen. Wir waren glücklich mit dieser Lösung, zwar konnten wir ohne Motor das Schiffchen problemlos manövrieren, aber der Platz am Verkaufssteg war um ein Viertel billiger als im restlichen Hafen.

Der Händler war bemüht, uns einen bequemen Liegeplatz zu geben und überließ uns den ersten Slip unter Land. So wurden mehr und mehr Menschen auf uns aufmerksam. Nicht nur, dass unser Eigentum richtig schön in ihrem neuen Anstrich glänzte, unser Tatendrang und Optimismus war rundum zu spüren und die Menschen um uns bemerkten, dass hier eine Reise in der Luft lag.

Im Nu war der erste Monat vergangen, in den kommenden zwei Monaten, die uns laut Jürgens Visum blieben, legal in den USA zu sein, galt es, Listen an Erledigungen und Vorbereitungen abzuarbeiten. Wir hatten Glück gehabt, für dieses Vorhaben genau im richtigen Winkel der USA angespült worden zu sein, denn hier, rund um die Mission Bay, der großen Hafenbucht von San Diego in der wir lagen, waren die Straßen gesäumt von Yachtzubehörläden und Gebrauchtmärkten.

Zuerst kümmerte ich mich um die Innenausstattung, während Jürgen die Arbeit des Mechanikers am Motor überwachte und einen Windgenerator und neue Batterien zur Stromversorgung installierte. Ich nähte neue Polstermöbel, besserte das Teakholz aus, reinigte das Schiff und räumte nach und nach unser Hab und Gut vom Wohnmobil ins Boot, um endlich umzusiedeln.

Gemeinsam kauften wir Dinge ein, die wir für sehr wichtig empfanden. Immer wieder sah man uns frühmorgens das Schiff verlassen, um gegen Mittag mit scheren Einkaufstüten, vollgestopft mit neuer oder gebrauchter Ausrüstung, zurückzukommen. Sogleich wurden der unverzichtbare Neuerwerb am Steg auf-bereitet, um nach kurzer Rast beim Mittagessen die friedliche Bucht mit unseren Montagearbeiten aus ihrer Ruhe zu zwingen. So rüsteten wir das Schiff mit Dingi und Davits auf, kauften verschiedene Anker mit Ketten und Trossen, erwarben GPS und Radar sowie Seekarten und Kurslineale zur Navigation, und krönten unsere Zuladung mit neuer Standardsicherheitsausrüstung, also Schwimmwesten, Munition für unsere Signalpistole, Sicherheitsgurte und ein Horn.

Natürlich übten wir, so oft wir konnten, mit unserer IRISH zu segeln. Fast täglich segelten wir zumindest für wenige Stunden aus dem Hafen und versuchten unsere erste Übernachtung am Ankerplatz. Auch nachdem der Mechaniker unsre Maschine wieder in einem Stück gebracht hatte, übten wir so viel wie möglich unter Segel zu manövrieren. Wir legten unter Segel an, ankerten unter Segel und achteten auf Tiden, um auch auf engen Plätzen keinen Motor zu benötigen. Unsre Coronado war wirklich ein kleiner Flitzer. Wir mochten ihre Eigenschaft bei wenig Wind gut zu segeln, sie lief ausgeglichen am Ruder, und die Segelflächen waren gut aufeinander abgestimmt. Wir fühlten uns wohl, draußen am Meer zu sein, unsere neue Zukunft lag vielversprechend vor uns.

Segeln bei etwas stärkere Winde wurde ausprobiert und so sah man uns auch bei „Small Craft Advisery“ ablegen, Tage, an denen es ganz still war im Yachthafen. Es war sogar lustig, gegen die Wellen zu stampfen und dabei klitschnass zu werden. Anschauungen, die sich später noch sehr stark ändern würden. Auch wenn das Segeln bei dreißig Knoten Wind Spaß machte, machte ich mir Anfangs Sorgen, wie wir auch ohne Motor wieder zurück in den Hafen segeln würden. Wie es sich aber in Zukunft immer wieder mal der Fall sein sollte, war Jürgen nie einzuschüchtern durch meine Bedenken und konnte immer wieder auch meinen Mut aktivieren. So steuerten wir gemeinsam sicher dorthin, wo wir hin wollten.

Jürgen hatte erste Anzeichen von Übelkeit, und das Boot zeigte, wie nass es segeln konnte. Natürlich war auch unser ganzes Hab und Gut nach einem aufregenden Segelnachmittag quer durch die Pantry geflogen und ich hatte die Aufgabe, alles neu zu organisieren. Von meinen Erfahrungen mit dem Wohnmobil hatte ich eben doch nicht gelernt, wie man seine sieben Sachen segelklar verstaut. In unserer Bilge endete mehr als einmal ein Gemisch von Trinkwasser, Salzwasser, Saft, Gewürzen, Essig, Öl, Nudeln, Magazine und Lektüren.

Als letzte kleine Tour mit dem Wohnmobil unternahmen wir einen dreitägigen Ausflug nach Las Vegas, Nevada, wo wir die Gelegenheit nutzten und uns das Ja-Wort gaben. Eine kleine, weiße Hochzeitskapelle mit einem riesigen, pinken Neonherz genügte unseren Anforderungen für eine schöne private Hochzeit. Nachdem ein schwules Pärchen geheiratet hatte, wurden wir getraut. Wir verbrachten einen schönen Abend auf dem Strip und in den Casinos und feierten so Abschied von unserem Leben auf den Highways.

Zurück im Hafen genossen wir unsere letzten Tage in den USA. Bevor wir das Wohnmobil verkauften, wurde es noch von Pam und ihrem Sohn für kurze Zeit bewohnt. Als Frau eines Liveabords hatte sie eine vorübergehende Krise in ihrer Partnerschaft. Aufgebrachte Gemüter beruhigten sich bald wieder, Pam zog zurück aufs Boot und als Dankeschön für die spontane Ausweichmöglichkeit wurde das Wohnmobil vor Sauberkeit glänzend an uns zurückgegeben. Mit ein paar gemeinsamen Segelausflügen wurde die glückliche Wiedervereinigung der beiden gefeiert. Der Abschied rückte jedoch in Meilenschritte näher, das treue Wohnmobil ging an seine neuen Besitzer über und die letzten Tage vergingen mit Abschiedsfeiern von unseren neuen Freunden, an deren un-komplizierte Anwesenheit wir uns so schnell gewöhnt hatten.

Die Uhr tickte, die Zeit, die wir in den USA verbringen konnten, lief aus. Die vorhergesagten 30 Knoten Wind konnten uns nicht bremsen, die IRISH MIST Crew klarierte aus und das kleine, weiße Schiff richtete ohne großes Aufsehen still und heimlich ihren Bug Richtung Mexiko. Doch die Fahrt blieb nur bis zum letzten Felsen der schützenden Hafenmauer still und freundlich. Nie mehr seit diesem Törn kann ich mich an so einen halsbrecherischen Ritt erinnern. Bedenkenlos setzten wir unser größtes Segel, der einhundertfünfzig Prozent Genua und das volle Groß, um bei raumen Wind dahin zu jagen.

Wenn ich später über diese erste große Segeletappe nachdachte, musste ich immer wieder lachen, wie stürmisch wir uns in unsere neue Reise stürzten. IRISH MIST schoss wie vom Teufel gejagt dahin, trotz raumen Wind kränkte das Boot bis zu 40 Grad und schöpfte über das Cockpitsült Wasser.

Die Navigation an Bord ließ sehr zu Wünschen übrig. Nicht, weil wir allzu leichtsinnig waren, vielmehr, weil es uns durch aufkommende Übelkeit schier unmöglich war, ins Innere des Bootes zu klettern. Tage vor dem endgültigen Aufbruch hatten wir uns bereits die Karten eingeprägt, im Geiste konnte ich jede Ausbuchtung der Küstenlinie vor mir sehen und beruhigend war das Wissen, dass hier keine gefährlichen Untiefen lauerten. Das Leuchten des Vollmondes verschaffte uns auch während der Nacht Sicht auf Land. Neben den pechschwarzen langen Schatten der sich aus dem Wasser erhebenden Landmasse rauschte das kleine Schiff in voller Fahrt durchs schäumende Meer.

Schon längst hatte sich Jürgens sonnen gebräuntes Gesicht zu einer undurchdringlichen grauen Maske verzogen, die üblen Bewegungen des gar nicht so Stillen Ozeans forderten ihre Opfer und während mein frischgebackener Gatte am hinteren Ende des Cockpits saß und mehrere Male seinen Mageninhalt über die Kante beförderte, versuchte ich, so lange wie möglich ohne Pause zu steuern. Unterstützt von einer starken Partnerin mit im Mondlicht scheinenden Segeln wurde meine Anstrengung und die immer schwerer zu verdrängende Müdigkeit mit großartigen, neuen Erfahrungen belohnt. Unser Schiff wurde zu meiner geheimen Vertrauten, die sich tapfer hielt und die den Wind durch ihre Wanten zu einem Lied erstimmen ließ. Flink wie ein Wiesel reagierte sie auf meine Vorgaben an der Pinne und immer merklicher machte sich das Gefühl breit, dass unsere alte Dame auf einen so zügellosen Ritt still und heimlich gewartet hatte. Energiegeladen schien sie sich die kleinen Gebrechen des Alters aus den Knochen geschüttelt zu haben, um wie in alten Tagen ihren schlanken Bauch zu seiner vollen Wirkung einzusetzen. Vergessen waren die müßigen Tage der letzten Jahre, während der sie, angekettet im Hafenbecken, auf neue Besitzer und neue Abenteuer gewartet hatte. Als gäbe es kein Morgen, teilte die kleine weiße Yacht die Wassermassen unter ihrem Bug, um weiß schäumende und phosphorisierend leuchtende Kronen entlang ihrer Breitseite in die Welt hinter uns zu verbannen..

In San Diego hatten erfahrene Mexikosegler erzählt, dass zirka zwanzig Stunden Segelzeit für die Strecke bis Ensenada einzurechnen waren. Auch die Bücher mit ihren angegebenen Cruising-Geschindigkeiten um die vier Knoten bestätigten diese berechnete Zeit. So hatten wir San Diego nachmittags verlassen, um in den ersten fremden Hafen, Ensenada bei Tageslicht einlaufen zu können.

Der Morgen dämmerte und alles rund ums Schiff leuchtete in strahlendem Blau. Der immer noch starke Wind blies weiße Kronen über die Pazifikdünung, und nur langsam konnte die aufsteigende Sonne die klamme Kälte aus meinen Knochen vertreiben. Es war an der Zeit, endlich unsere Navigation ernster zu nehmen und unsere Position in die Karte einzutragen. Schließlich fühlte sich Jürgen soweit gesund, ins Innere des Bootes zu steigen. Vierzehn Stunden waren vergangen, seit wir San Diego hinter uns am Horizont liegen gelassen hatten, und die Müdigkeit war kaum mehr abzuschütteln, nachdem ich die meisten der aufregenden Nachtstunden hier an der Pinne verbracht hatte. Ich glaubte endgültig in eine Welt der Träume ab getaucht zu sein, als Jürgen seinen Kopf aus der Kajüte reckte, um mir zu sagen, dass Ensenada fünfzehn Seemeilen hinter uns lag. Geschlagen von unsrer eigenen Naivität wendeten wir das Boot und unter Flüchen versprachen wir uns selbst, zukünftig auch bei miesen Bedingungen etwas mehr für die Navigation zu tun, unter Gepolter liefen wir hoch am Wind unsrem Ziel entgegen.

Geschlaucht, aber glücklich segelten wir in den Hafen von Ensenada, stolz, es geschafft zu haben. Im voll besetzten Hafenbecken konnten wir einen kleinen Fleck freien Raum neben einer ankernden Yacht für uns entdecken. Pflichtbewusst steuerten wir jedoch erst mal den Steg an, um uns dort beim Hafenkapitän zu melden. Freundlich wurden wir empfangen, in gebrochenem Englisch gab uns der Mexikaner zu verstehen, dass es nicht nötig war, seinen Steg zu belegen, er wollte das Boot ohnehin nicht inspizieren.

Noch bevor wir unsre Leinen einholten, um den Steg gegen einen ruhigen Platz vor Anker zu tauschen, kam auch schon ein Dingi von dieser grünen Yacht neben unserem auserkorenen Platz heran gebraust. Ich hatte nicht damit gerechnet, von anderen Seglern herzlich begrüßt zu werden, doch Jack lud uns für den Abend auf sein Boot zu seiner Familie ein. Sie waren aus Vancouver gekommen und freuten sich immer über Gäste. Von unserer Reisezeit mit dem Wohnmobil kannten wir diese freundschaftliche Beziehung zu Fremden nicht. Nie hatten sich andere Reisende für uns interessiert, und Einheimische, vor deren Siedlungen wir unser Wohnmobil geparkt hatten, um eine Pause einzulegen oder die Nacht dort zu verbringen, hielten uns aller höchstens für merkwürdig oder bedrohlich. Aber zuhause auf einem Segelboot sollte alles etwas anders laufen.

Doch nicht nur die Freundlichkeit zwischen den Seglern und die Gastfreundschaft, die uns noch viele Einheimische entgegen bringen würden, war ein bemerkenswerter Unterschied zwischen Reisen über Straßen und Reisen unter Segel. Denn im Gegensatz zu allen Fahrten, die wir bis jetzt unternommen hatten, war Segeln einfach mehr, als sich nur fort zu bewegen, um an einen neuen Ort zu gelangen. Segeln war eine wunderschöne Art zu Leben. Wir genossen die Tage, abends saßen wir immer wieder lange im Cockpit und philosophierten. Es war, als könnten wir zum ersten Mal richtig tief durchatmen. Wir atmeten die Natur rund um uns aber auch die schönen und anstrengenden Segelstunden mit vollen Zügen ein. Unsre Sinne wurden geschärft, und die Welt um uns wurde entdeckt und genossen. Wir wussten bald, dass es sich hier für uns nicht um ein weiteres Abenteuer handelte, sondern viel mehr um eine einmalige Chance herauszufinden, was uns im Leben wichtig war. Hier ging es nicht um Geld und Besitztümer, Arbeit und Stress wurde nicht mit Kapital belohnt. Hier mussten wir arbeiten, um vorwärts zu kommen, und wir wurden mit Ausgeglichenheit und Freude belohnt. Neues Wissen wurde täglich ergänzt, und neues zu Lernen war wie ein ständiges Geschenk, dass unsere geistigen Horizonte erweitern ließ und unser Verständnis für die Welt und ihren Lauf immer wieder aufs Neue beflügelte.

Unseren ersten Tag in Mexiko verbrachten wir aber mit einem Großputz, denn im Schiffchen sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Abends genossen wir Tee auf KIKIMO, der kanadischen Yacht neben uns. Wir lernten Freunde kennen, mit denen wir uns die nächste Zeit den Weg teilen würden. Sie zeigten uns während der kommenden Tage Ensenada.

Gemeinsam mit einer weiteren kanadischen Yacht, MOON HUNTER, unternahmen wir eine Spritztour zu der kleinen Insel Totos Santo. Wir erforschten die Insel und ihre kleinen Meeresbewohner und gingen mit den Seelöwen baden. Das Wasser war eiskalt, doch konnte es uns nicht von dem Spaß abhalten, mit den jungen Tieren verstecken zu spielen. Natürlich wagten wir nicht, ihnen zu nahe zu kommen, denn die aufmerksamen Blicke der älteren Seelöwen waren stets auf uns gerichtet. Die jungen und verspielten Tiere wurden immer mutiger und kamen bis zu 2 Meter an uns heran.

Die kleine Insel war felsig und karg, so wie sich die gesamte Landzunge Bahia Kaliforniens uns präsentieren würde. Das Gestein war durchzogen mit kleinen Höhlen, die das Wasser des Pazifiks durch jahrhundertelange Arbeit ausgewaschen hatte. Neben den Seelöwen und den vielen kleinen Weichtieren, die in jeder Salzwasserpfütze auf den niedrig gelegenen Teilen der Insel zu finden waren, gehörte die Insel den Vögel. Überall zeugten verlassene Nester von dem entstandenen neuen Leben und in respektablem Abstand kreisten Möwen und Tölpler um uns. Wie es aussah, warteten die Tiere, ob wir nicht doch auch zu den Fischern gehörten, die diese Insel als Sammelstation benützten.

Wir waren aber gar nicht lange interessiert, unsere Zeit mit Angelversuchen zu verbringen, denn wir hatten schon genug Nahrungsmittel gefunden, die den abendlichen Tisch decken würden. Denise war schon an Bord verschwunden, um die Spezialitäten mit frisch gebackenen Brötchen zu krönen, während wir Miesmuscheln und Kakteen sammelten. Wir nahmen Kakteenblätter von einer Art, die wir schon auf dem Markt gesehen hatten und die hier in Mexiko offensichtlich als Gemüse verwendet wurden. Gemeinsam wollten wir auf KIKIMO zu Abend essen.

Da gab es jedoch ein kleines Problem. Am Markt angebotene Kakteenblätter waren bereits unschädlich gemacht, indem auf eine geheimnisvolle Weise die Stacheln restlos entfernt waren. Keiner von uns wusste genauer, wie die Einheimischen diese Stacheln entfernen, kreative Köpfe waren wir jedoch allemal, und es scheiterte nicht an Ideen. Wir versuchten die Stacheln zu ziehen, was aber nur zu einer fluchenden Bande an Seeleuten führte. Die großen, harten Stacheln konnten wir auf diese Weise ziehen, aber immer noch blieben die feinen Stacheln, nicht dicker als Haare und nur ein paar Millimeter lang. Jack holte einen Bunsenbrenner und seine Idee, lästige Härchen einfach abzubrennen, klang ganz gut. Ich dachte an meine praktischen Künste in der Küche und versuchte es mit heißem Wasser. Wie auch bei anderem Gemüse waren die Kakteenblätter leicht zu häuten, nachdem sie erst einmal kurz in kochendem Wasser schwammen. Zufrieden mit dem Ergebnis brachten wir schließlich die Ernte Denise, die sich sogleich übers Kochen der nun bereits wenig appetitlich aussehenden Frucht den Kopf zerbrach. Auch die Muscheln waren mittlerweile im Kochtopf gelandet, und bei Sonnenuntergang verschlangen wir mit Heißhunger das leckere Fleisch der Miesmuscheln zu Denises ankerplatzberühmten, ofenwarmen Brötchen. Die Kakteenblätter hatten nun nach ihrem Wasserbad den letzten Rest ihres einstigen, schönen Aussehens verloren und Denise legte die schleimigen, grünen Überreste auf ein Teller. Und auch wenn die Blätter bald über die Seite gehen würden, sie bescherten uns immerhin, oder besser gesagt, den meisten von uns, einen lustigen Abend. Denn Jack verkostete sie und seine Mimiken in den darauf folgenden Minuten, kombiniert mit dem Rum, mit dem wir die Muscheln hinunter gespült hatten, ließen uns alle in lautes Gelächter einstimmen. Nicht nur, dass der Geschmack nicht für sich überzeugen konnte, die feinen Stacheln hatten sämtliche Versuche, sie ab zu bekommen, überstanden und bohrten sich nun tief in Jacks Zahnfleisch. Mit reichlich Rum wurde jedoch der Schmerz erst mal vergessen, auch wenn Denise noch weitere drei Tage lang Stacheln aus Jacks Mund ziehen musste.

Gemeinsam mit MOON HUNTER durchkreuzten wir die Bucht vor Ensenada. KIKIMO war bereits aufgebrochen auf ihren Weg in den Süden. Langsam wollten wir uns Richtung Süden bewegen, mit vollen Zügen die neue und fremde Welt Mexikos um uns erleben, nichts konnte uns in Eile bringen und so war es ein besonderes Vergnügen, kleine Flecken auf der Karte genauer unter die Lupe zu nehmen, besondere und historische Fleckchen der Erde zu finden und in der Nähe von kleinen Dörfern halt zu machen, um dort die Lebensgewohnheiten und die Geselligkeit einheimischer Menschen zu erfahren.

Hier in der Bucht von Ensenada lockte der Vermerk im Küstenhandbuch von einer ehemaligen Walstation, von der aber doch nichts wirklich übrig geblieben war. Doch wir trafen Einheimische, die an unserer Seite festmachten, um uns einen verloren gegangenen Fender zurückzubringen und uns einzuladen, die Austernfarm an der Dorfküste zu besichtigen. Wir genossen Stunden voll Muße am kleinen Strand, der über und über bedeckt war mit verschiedensten Muscheln, und wir philosophierten abends an Bord von MOON HUNTER über seegängige Yachten und deren Ausstattung.

Zurück in Ensenada war es Zeit, Wasser und Vorräte zu bunkern und IRISH MIST klar für die Weiterfahrt zu machen. Neu und spannend waren die Überlegungen über die Lebens-mittelbevorratung für mich, und es galt zu lernen, wie man Lebensmittel an Bord staute und welche Nahrung wir unterwegs benötigten. Es war eine neue Situation, ohne Kühlmöglichkeit zu reisen und immer genügend Lebensmittel, auch für Notfälle oder längere Aufenthalte in einer besonders schönen Bucht, ein zu berechnen.

Zwar führten wir die meisten Arbeiten gemeinsam aus, und so auch den Einkauf der Lebensmittel, trotzdem teilten sich die Aufgaben wie von alleine unter uns auf, ganz nach den Interessen und Fähigkeiten jedes einzelnen. Auf eine genaue Einteilung oder gar ein Skipper-Crew-Verhältnis hatten wir absichtlich vom ersten Gedanken der Segelreise an Abstand genommen. Schon früher ergänzten sich unsere Charaktere und Fähigkeiten harmonisch, und ohne Benachteiligungen und nur auf diese Weise konnten wir eine feste und sichere Mannschaft werden.

Für die Ernährung am Schiff wurde ganz nach meinem Interesse eindeutig ich zuständig. Denn nun konnte ich das Wissen aus meiner Schulzeit ins Praktische ummünzen, da ich zuhause in Österreich mein Abitur in Ernährungswissenschaft gemacht hatte. Fasziniert von dem Thema der gesunden Küche in den erschwerten Umständen auf See und unter Segel begann ich, verschiedene Lebensmittel einzulagern und deren Haltbarkeit am Schiff zu beobachten.

Wie gewöhnlich zu dieser Jahreszeit und in diesem Fahrgebiet blies der Wind konstant aus dem Norden und IRISH MIST flatterte unter Vollzeug aus der Hafenbucht. Draußen erlebten wir unsere erste „Beinah-Flaute“. Wir rührten uns für drei Tage kaum vom Fleck. Nur ein Hauch einer Brise war zu spüren und hielt die Segel davon ab, nervtötend herumzuschlagen. Jürgen nutzte die Pause, wieder einmal unsere alte Maschine anzusehen, denn wir benützten sie kaum und so war es auch kein Wunder, dass durch Schmutz, Rost und Salz das Kühlsystem ständig geöffnet und geputzt werden musste. Alte Schiffe wie unsere IRISH MIST hatten leider keinen Wärmetauscher oder eine andere Form von Zweikreiskühlung und so strich das Meerwasser zur Kühlung direkt durch den Motorblock. Ein System, auf das man sich leider nie richtig verlassen konnte.

Ich ließ mich in der Zwischenzeit in der Sonne braten und genoss mein Dasein. Es war schon ein herrliches Gefühl, sich hier treiben zu lassen. Zwar hielt ich stets das Ende der Pinne in meiner Hand, dennoch verfrachteten mich meine Gedanken weit weg vom Steuerstand, und ich legte nur wenig Aufmerksamkeit auf Kurs und Segelstand. Es war ohnehin beinahe windstill und so forderte IRISH MIST einfach nicht mehr meiner Aufmerksamkeit. Ich dachte an die Unterschiede zwischen unseren bisherigen Reiseerfahrungen mit dem Dodge und den neuen Eindrücken auf dem Segelboot.

An beiden Arten genoss ich, immer unser Zuhause mit im Gepäck zu haben. Schon das Wohnmobil war eine Art Zuhause gewesen, IRISH MIST hatte da sogar noch mehr zu bieten, durch das Cockpit und das Deck hatten wir immerhin sogar eine eigene Terrasse mit.

Ich liebte es zu reisen, doch zu segeln schien wirklich die schönste Variante zu sein. Hier gab es keinen Stress der Straße, keine Verkehrsstaus und keinen ständigen Motorlärm. Im Cockpit sitzend war jede Regung der Natur um uns hautnah zu spüren. Wir reisten langsam, und so wurde auch unser Lebensrhythmus zunehmend ruhiger. Erst nach einiger Zeit am Segelboot wurde bewusst, dass wir im normalen, westlichen Alltag eigentlich viel zu schnell unterwegs gewesen waren. Denn nicht nur die Uhr und der Terminkalender erzeugten Stress, es begann ja schon mit der Geschwindigkeit, mit der wir uns täglich fortbewegten.

Selbst mit dem Wohnmobil waren wir durch die Gegend gerast, auch wenn wir absichtlich darauf verzichtet hatten, die großen Freeways zu befahren. Kleinere Highways waren die bevorzugte Reiseroute, um nicht quer durchs Land zu jagen wie so viele Reisende vor uns, von einem Nationalpark zum nächsten Touristenhöhepunkt. Die meisten Nationalparks und Monumente entlang den Straßen wurden ohnehin nicht von uns besucht, die Städte, Dörfer und Landstriche um die Highways waren der wahre Höhepunkt unser Zeit in Nordamerika.

Jetzt auf IRISH MIST lag die Zeit des Wohnmobils jedoch schon wieder fern. Nun reisten wir wirklich mit „Windgeschwindigkeit“, wir fühlten, wie wir uns in den Rhythmus der Natur eingliederten. Abends konnten wir an den schönsten Plätzen der Welt einschlafen, denn fast jeder Ankerplatz wurde zu einem bemerkenswerten Erlebnis, ganz im Gegenteil zu den Übernachtungen im Wohnmobil. Speziell in Städten war es schwierig gewesen, gute Plätze zum Übernachten zu finden, das schwindende Budget erlaubte es uns nicht, jeden Abend einen Campingplatz aufzusuchen, und aus Angst vor Landstreichern wurden wir an vielen Orten von der Polizei vertrieben. Anscheinend hatten die Menschen ein mulmiges Gefühl bei der Vorstellung, dass jemand Fremder in der Nähe seine Nacht verbringt, so lächerlich das auch sein mochte, da die Menschen in diesen Städten ohnehin in Anonymität lebten und ihre eigenen Nachbarn kaum kannten.

Außerhalb der Städte, wo wir in Wäldern, an verträumten Bächen und an schönen Wiesen Halt machten, war es einfacher, ruhige Nächte zu verbringen. Manchmal sammelten wir etwas Holz, um den Tag am Lagerfeuer ausklingen zu lassen. Selbst die Besitzer des jeweiligen Landes, auf dem wir kampierten, die Ranger und die Farmer hatten kein Problem mit uns und ließen uns die Freude, an diesen ruhigen, selbsternannten Campingplätzen in der Natur einfach zu leben. Oft wusch ich ein paar Pullover in einem Fluss, wo wir auch noch gleich selbst badeten, was während unsrer Reise im Oktober nach Alaska zu einer echten Herausforderung wurde. Mit unseren Sportbögen hatten wir Spaß, abends noch ein paar Pfeile zu verschießen, ich bezweifelte aber, gut genug zu sein um den Bogen auf einen Hasen richten zu können. Da ich schließlich kein Tier quälen wollten, stellte der stets gefüllte Kühlschrank im Wohnmobil die tägliche Kost sicher.

Der Nachteil an diesen einsamen Campingplätzen in der Natur war allerdings, dass wir nur selten die Gelegenheit hatten, fremde Menschen kennen zu lernen und es war praktisch unmöglich, Gleichgesinnte zu treffen. Ein-heimische waren in der Regel nicht an uns interessiert und unternahmen somit gar nicht erst den Versuch, mit uns in ein Gespräch zu kommen. Wir kamen und gingen wie nie da gewesene Schatten, welche die Menschen in den Dörfern nicht einmal bemerkten.

Hier am Boot war das ganz anders. Segler lebten in einer lockeren Gemeinschaft, die uns erlaubte, unter Menschen zu sein und dennoch, wann immer wir wollten, für uns alleine Ruhe zu genießen. Sehnte man sich nach Gesellschaft, ankerte man einfach in einer gut besuchten Bucht und ruderte hinüber zu einer anderen, vor Anker liegenden Yacht. Fast immer gab es interessante Menschen kennen zu lernen, um bei Tee, Dinner oder beim Bier die Gesellschaft anderer Seenomaden zu genießen. Dennoch fehlte niemandem das Feingefühl zu erkennen, wenn sich eine Crew nach Ruhe sehnte. Auch die Möglichkeit, sich in eine der vielen kleinen und manchmal unbewohnten Buchten, die nicht so häufig von den vielen Segelschiffen besucht wurden, zurückzuziehen, wurde von der Crew der IRISH MIST manchmal genutzt.

Jede neue Begegnung brachte auch den Abschied mit sich, und so war eigentlich keine Zeit für unnötige Höflichkeiten wie Smalltalk. Die gemeinsame Zeit mit anderen Yachties wurde genutzt, um Ideen auszutauschen, Erfahrungen zu schildern und voneinander zu lernen. Tauschhandel wurde betrieben, gute Einkaufsmöglichkeiten wurden weitergegeben, und man lud sich gegenseitig aufs eigene Schiff ein. Natürlich vergaß man auch nicht, Seemannsgarn zu spinnen und manchmal bestimmte die Menge an Tequila des jeweiligen Abends das Ausmaß der Geschichten.

Unter den Bootsfrauen galt die richtige Verproviantierung und die durchdachte Ernährung als eines der großen Themen, Tipps zur Haltbarmachung einzelner Lebensmittel, gute Einkaufsmöglichkeiten und Rezepte mit fremdartigen Zutaten waren meist gern gehört. Einer Landratte wie mir alles über Fisch beizubringen erwies sich als besonders amüsant, und so sah man immer öfter das kleine Holzdingi der IRISH MIST samt Crew zu einer ankernden Yacht rudern, sobald ein Fisch an deren Angel gegangen war. Kaum war der Fisch ins Trockene gezogen, wurden wir auch schon eingeladen, die Beute mit zu essen und zu erfahren, welche Meeresbewohner wir verspeisen durften und wie ich sie zubereiten konnte. Denise, eine Asiatin aus Hawaii, lernte mir Sushi und Trockenfisch zu bereiten und so war kein Fisch zu groß um nicht restlos verwertet zu werden.

Wir lernte jeden Tag neues, auch in Wetterkunde hatten wir viel gelesen und konnten nach und nach verschiedene Wettersituationen kennen lernen, auch wenn die Pazifikküste Mexikos uns zu dieser Zeit noch mit konstanten Winden und herrlicher Dünung das Leben versüßte.

Nachdem wir drei Tage lang am Meer herumgetrieben waren, setzte der Wind wieder ein, die weißen Segel bäumten sich auf und, anfangs noch sehr schüchtern und leise, mischte sich das Rauschen und Blubbern der Bugwelle wieder in unsren Alltag am Wasser. Fröhlich schob sich IRISH ihrem nächsten Ankerplatz entgegen. Zielbucht Punto Colnett, eigentlich ein schlechter Ankerplatz hinter einem Kap an einer Steilküste, aber es war ja auch kein schlechtes Wetter in Aussicht. Delfine begleiteten uns das letzte Stück dieser Reise, spielten in der Bugwelle und tanzten vor dem Fotoapparat, und meine Aufmerksamkeit gehörte mehr den Delfinen als den Segeln.

Plötzlich verstärkte sich der Wind ohne Vorwarnung um ein mehrfaches. Zu allem Übel war die Ebbe gerade in vollem Gang und IRISH MIST kämpfte mit viel zu viel Segelfläche gegen Wind und Strömung. Nur unter Anstrengung konnte ich die Genua bergen, obwohl Jürgen IRISH MIST immer wieder in den Wind drehte, um mir die Arbeit zu erleichtern. Sobald sich das Segel mit Wind füllte, wurde es mir wieder und wieder aus den Händen gerissen. Hinter mir schnalzte es, am Großsegel hatte sich ein Mastrutscher lautstark verabschiedet. Ohne Vorsegel wurde zwar der Druck etwas leichter, doch der Wind schob IRISH nun breitseits vor sich hin, wir waren manövrierunfähig. Jürgen warf den Motor an, während ich ein kleineres Vorsegel zum Bug zerrte. Mit Hilfe des stählernen Judas im Schiffsbauch konnte Jürgen das Boot hoch am Wind halten, bis alle Arbeit am Bug erledigt war. Endlich schafften wir es in die Bucht. So unverhofft der ganze Spuk gekommen war, so schlagartig war er auch wieder vorbei. Der Ankerplatz zeigte sich ruhig und nur eine leichte Brise kämpfte gegen die trockene Hitze an Bord. Doch so geisterhaft und unerklärlich war uns die Situation gar nicht gewesen, wir hatten Bekanntschaft mit einem sehr klassischen und lehrbuchmäßigen Kapeffekt gemacht. Da die Strömung gegen uns hinaus auf das offene Meer lief und auch der Wind ablandig blies, hatten wir die ganze Zeit keine gefährliche Situation, dennoch hatten wir Wind und Strom unterschätzt.

Kaum lag der Anker auf Grund, wurde im Cockpit auch schon Kriegsrat einberufen. Wo lagen unsere Schwächen, hätten wir diesen verstärkten Wind schon in Vorhinein erahnen müssen, wie ungeschickt waren wir gewesen, in eine fremde Ankerbucht einzulaufen, während wir unsere Aufmerksamkeit den Delfinen widmeten. Doch die größte und wichtigste Frage, die wir uns stellten, betraf das Reff. Das Verkleinern des Großsegels hatte viel zu lange gedauert, die Leinen hatten sich verfangen, der Hohlepunkt lag an der falschen Stelle und fehlte für das zweite Reff vollständig und obendrein waren alle Bewegungen unsererseits ungeübt, denn auch wenn Jürgen über die Reihenfolge der nötigen Handgriffe Bescheid wusste, wir hatten bis jetzt eine Übung am Segel stets verschoben. Wir nutzten die Zeit vor Anker, um eine effektive Möglichkeit des Reffens zu finden und auszuprobieren. Gemeinsam reparierten wir das Großsegel.

So lernten wir in jeder Ankerbucht mit neuen Bedingungen umzugehen. Wir segelten problemlos bei stockdunkler Nacht in Ankerplätze ein, beachteten nun Meeresströmungen und rechneten mit Windveränderungen. Langsam tasteten wir uns die Küste Bahia Kaliforniens Richtung Süden, wobei wir keine Eile hatten und fast täglich den Anker in einer der vielen Buchten ins Wasser rasseln ließen. An der Insel Cedros entdeckten wir Felsen knapp unter der Wasseroberfläche, die nicht in der Seekarte eingezeichnet waren, durch guten Ausschau und Vorsicht hatten wir damit aber kein Problem.

Wir lasen von einem uns neuen Ankermanöver, von dem wir schon wenige Male gehört hatten und auf das einige der eher puristisch eingestellten Segler schwören. Dazu musste das Schiff einfach an die gewünschte Ankerstelle platt vor den Lacken laufen, während ein Crewmitglied den Anker ausrauschen ließ, in voller Fahrt also. Das Schiff würde noch weiter segeln bis sich der Anker in den Grund fest gegraben hatte und, sobald die Kette spannte, daraufhin mit Schwung um 180° herumdrehen und in den Wind schießen um darauf zu warten, dass die im Wind flatternden Segeln geborgen werden. Die Theorie dieses Ankermanövers gefiel uns, da sich durch die Fahrt im Schiff der Anker fest in den Grund graben würde und ein weiteres Einfahren unter Motor unnötig machte. Falls unsere Maschine einmal ganz aufgeben sollte, war es ja nicht schlecht, auch solche, alternative Ankermanöver zu kennen.

In Turtle Bay lagen zwar unzählig viele Yachten vor Anker, aber der Platz war groß und mit Ausnahme unserer Freunde von KIKIMO, deren grüner Rumpf in der Sonne strahlte, während die Familie bereits auf Deck stand und uns zuwinkte, schien uns keiner wirklich Beachtung zu schenken. Die Gelegenheit also, dieses „neue“ Ankermanöver auszuprobieren. Ganz nach Vorschrift vollführten wir unser Ankermanöver, verstauten die Segel und schon wurden wir von Jacks rotem Dingi zum Landgang abgeholt.

Groß war das „Hallo“, da wir nicht gedacht hatten, die Drei je wieder zu sehen, nachdem sie doch geplant hatten, schneller als wir zu reisen. Gemeinsam tollten sie mit uns an Land herum, wir beobachteten Mexikanerinnen beim Backen von Tortillas, welche anschließend, noch ofenwarm, sofort von uns verschlungen wurden, wir kauften einen schönen Fisch und etwas Tequila fürs Abendessen und schlenderten im Dorf herum. Am niedrigen Hügel über der Bucht stand eine schöne, typisch mexikanische Kirche, ganz in blau und weiß gehalten. Dort angekommen, bewunderten wir nicht nur das Bauwerk, das vom tiefen katholischen Glauben der Einwohner zeugte, vielmehr genossen wir die Aussicht, die dieser ruhige Platz über der Bucht bot. Wie von einem Künstler gemalt, glitzerte die Bucht in der Sonne, eingesäumt vom gelben Sand der Küste und, in der Ferne, übergehend in die Weite des tiefblauen Ozeans. Kein Wölkchen stand am Himmel. Die Yachten in der Bucht, hoben sich in edlem Weiß von den fröhlich-bunten Fischerbooten und Pangas, die entlang der Sandstrände zu sehen waren. Alle starrten im Gedanken versunken hinaus in die Bucht, als plötzlich Denise zu überlegen anfing, wo denn plötzlich IRISH MIST lag. Nur unweit östlich von KIKIMO, lautete meine prompte Antwort und schon wollte ich ihr mit der ausgestreckten Hand zeigen, wo denn unsere kleine Yacht lag. Doch Denise hatte recht, wo war IRISH? Vergeblich suchte ich den Platz ab, an dem unser Anker ins Wasser gefallen war. Doch ich fand nur gähnende Leere.

Alle Augen suchten mittlerweile nach dem kleinen Schiff, doch von dem Platz aus, an dem wir standen, konnten wir nicht die ganze Bucht überblicken und in dem Teil, den wir sahen, war keine Spur von IRISH MIST. Umso schneller marschierten wir zurück zu Jacks Dingi, um uns auf die Suche zu begeben, während sich mein Magen zusammen krampfte. Als wir nun den Ankerplatz absuchten, entdeckten wir sie friedlich vor Anker hinter einem größeren Tunfischfänger, der ein ganzes Stück hinter uns verankert gelegen war. Wie durch Geisterhand hatte IRISH MIST es geschafft, quer durch das dicht belegte Ankerfeld zu treiben. Am Ende dürfte ein aufmerksamer Segler den Alleingang bemerkt haben und stoppte sie, indem er an Bord kletterte und mehr Kette steckte. Noch mal mit blauem Auge davongekommen, strichen wir von nun an diese anscheinend erprobte Ankermanöver und achteten wieder darauf, den Anker mit Hilfe unseres Motors gut einzufahren.

Bei unserem Einlaufen in der Bucht von Turtle Bay hatten wir an der Südküste ein Schiffswrack entdeckt, von dem nun auch Jack sprach. Da er ohnehin unsere kleine Yacht unter Segel erleben wollte, packten wir kaltes Bier und frische Tortillas fürs Picknick zusammen und unternahmen einen Nachmittagssegeltrip zu diesem Wrack, das hoch und trocken vor sich dahin rostete. Jack genoss es, am Steuer eines kleinen wendigen Bootes zu sitzen und lobte IRISH für ihre guten Segeleigenschaften. Im drei Meter tiefen Wasser ließ Jürgen den Anker ausrauschen und nach einem Bier im Cockpit sah man uns in unsrem, hilflos überfüllten, Dingi an Land rudern. Während Jack Muscheln suchte und Ashley sich wieder einmal ganz der niedrigen Tierwelt der Küste hingab, kletterten Jürgen und ich auf den alten Rumpf des gestrandeten Schleppers. Alles brauchbaren Kleinteile war bereits abmontiert worden und dienten nun unumstritten auf den verschiedenen Fischerbooten, oder war an andere Seeleute verkauft worden. Das Schiff machte eigentlich einen schadlosen Eindruck, nichts deutete darauf hin, dass es eine Zeit unter Wasser gelegen hatte, was vermuten ließ, dass es einfach nur gestrandet war und von der Flut richtig weit aufs Land gebracht wurde. Beide Motoren waren noch im Schiff und sahen nach wie vor brauchbar aus. Es war verwunderlich, dass sich offensichtlich noch niemand daran gemacht hatte, diese Motoren auszubauen, denn falls sie noch zu verwenden waren, hatten sie sicher einen hohen Wert. Auch wenn dieser Rumpf nicht von einer menschlichen Tragödie zu erzählen schien, liefen mir einzelne kalte Schauer über den Rücken, als wir uns endlich im Inneren des Wracks befanden und ich war froh, als das Schiff wieder in unserem Kielwasser verschwand.

Wieder alleine unterwegs, blieben wir drei Tage am offenen Meer, da Wind und Wetter nachließen und die Stimmung am Boot so angenehm war, das wir einfach kein Bedürfnis hatten, in die nächste Bucht zu segeln. Wie gewöhnlich wechselten wir uns Nachts alle drei Stunden ab um das Schiff auf Kurs zu halten und den Horizont um uns auf Schiffe abzusuchen, während der zweite seine Freiwache mit Entspannung und Schlaf genießen konnte. In dieser Nacht geschah es, das ich während meiner Wache eine unheimliche Begegnung erlebte.

Nur ein Hauch Wind war zu spüren, der IRISH MIST langsam über den sanften Pazifik dümpeln ließ. Die Nacht war atemberaubend schön und das friedliche Meer glitzerte im Licht der Sterne. Im Schein der Petroleumlampe versuchte ich, wieder ein Paar Zeilen in meinem Buch zu lesen und dabei zwischendurch immer wieder die Lampe wegzustellen, um das Meer rund um uns auf andere Schiffe oder sonstige Hindernisse abzusuchen. Fern am Horizont war ein weißes Licht zu erkennen, sicherlich ein Segelboot das, so wie auch wir, Strom sparte, indem es keine Positionslichter zeigte. Eine Angewohnheit, gegen die ich zwar immer protestierte, wir aber auch so handhaben mussten, da wir mit unserem Windgenerator nicht genug Elektrizität erzeugten, um die ganze Nacht unsere Beleuchtung zu füttern. Bei diesen Wind-verhältnissen konnte es Stunden dauern, bis wir diesem Segler am Horizont näher kommen würden, weshalb ich dem Licht keine weitere Beachtung mehr schenkte, dennoch vorsorglich unsre Positionslichter einschaltete und meine Konzentration wieder ganz der spannenden Lektüre von Björn Larsson widmete.

Meine Gedanken aber schweiften immer wieder zu dem schlecht beleuchteten Schiff am Horizont und ich begann, nervös zu werden. Weshalb ich schon nach wenigen Minuten und nicht erst nach dem gewöhnten Rhythmus von zehn Minuten, meine Petroleumlampe am Cockpitboden stellte, um erneut das kleine weiße Licht am Horizont zu suchen. Das Licht kam näher. Das Boot war zu schnell. Wie um alles in der Welt konnte dieser Segler so schnelle Fahrt machen, während wir uns fast nicht vom Fleck rührten. Selbst unter Motor zweifelte ich diese Geschwindigkeit an. Obwohl das Licht noch in relativer Entfernung zu sein schien, wurde ich neugierig und schaltete das Radargerät ein, um zumindest die Route des Schiffes genauer bestimmen zu können. Immer noch zeigte es keine Positionsbeleuchtung und so war es mir unmöglich anzunehmen, in welche Richtung sich das Schiff bewegte. Aber es kam näher, soviel war doch sicher. Zu meinem Erstaunen zeigte es auf dem Bildschirm einen großen Fleck, genau auf Kollisionskurs, wie ich schon nach kurzer Zeit sehr deutlich sagen konnte, da ich die hohe Geschwindigkeit des anscheinend großen Schiffes sogar am Radarbildschirm beobachten konnte. Was konnte das bedeuten? Wenn dieses Schiff nicht bald seinen Kurs ändern würde wird es uns in kurzer Zeit unter seinem Bug auf immer begraben. Unsere Positionslichter brannten, zusätzlich schaltete ich die Deckbeleuchtung ein und ein Radarreflektor war an unsren Wanten befestigt, um ihm ein klares Echo auf seinem Radarschirm zu zeigen. Dennoch machte das Schiff keine Anstalten, seinen Kurs zu ändern. Es sah es beinahe so aus, als würde uns die dienst habende Wache diese Schiffs nicht sehen.

Nervös startete ich die Maschine und schickte eine Dankeshymne an Jürgen, durch dessen viele Arbeit der alte Benziner problemlos aufheulte und sich sogleich mit aller Kraft gegen die Wellen arbeitete um dem großen Schiff zu entkommen. In voller Fahrt rauschte der unbeleuchtete Ozeanriese keine dreihundert Meter zu Steuerbord an uns vorbei. Wie zum Hohn schaltete er plötzlich seine Festbeleuchtung ein. Nun wurde klar, weshalb sich das Schiff so schnell bewegte. Neben uns rauschte ein Kriegsschiff vorbei, das offen-sichtlich schon längst von unsrer Anwesenheit gewusst hat und dessen Offiziere wahrscheinlich aufmerksam auf uns wurden, nachdem ich nicht von Anfang an unsre Positionsbeleuchtung zeigte und mich im Finstren der Nacht versteckte. Es war so dicht an uns heran manövriert, dass ich unter der plötzlichen guten Beleuchtung Menschen an Deck sehen konnte. Mein Herz schlug mir bis in den Hals. Bis heute weiß ich nicht, ob uns die Crew des Schiffes wirklich von Anfang an beobachtet hatte oder ob es meiner Reaktion zu verdanken war, dass wir noch am Leben waren. Unfassbar war für mich, weshalb ein solcher Koloss ohne ordentlicher Beleuchtung unterwegs war. Ich war froh, endlich die Nachtwache Jürgen übergeben zu können, um erschöpft in drei Stunden traumlosen Schlaf zu fallen.

Das Meer faszinierte täglich aufs Neue. Mantarochen versuchten, so hoch wie möglich in die Luft zu springen, um mit ihren Flügel zu schlagen, als seien sie Vögel, und hie und da zeigten sich Grauwale bei ihrer Reise in den Süden. Sogar zwei Killerwale waren zu sehen. Delfine wurden öfter unsere munteren Begleiter, sie spielten oft lange in IRISH MISTs Bugwelle und verbreiteten mit ihren lustigen Pfiffen und ihren Wasserblasen eine ausgelassene Stimmung an Bord, selbst nachts waren sie ein einmaliges Schauspiel, wenn sie ihre Route mit unsrer teilten. Wie Sternschnuppen unter Wasser sah man Delfine nachts unterm Boot durch tauchen, das Meer glitzerte und leuchtete um ihre Körper.

Auf den Ankerplätzen wurden stets frische Fische und Meeresfrüchte von einheimischen Fischern angeboten und gerne gingen sie auf diverse Tauschgeschäfte ein, da sie selbst nur wenig Geld verdienten und die Versorgung in vielen Teilen Bahia Kaliforniens nur schlecht funktioniert. So verlangte einmal ein Fischer nach Marmelade und tauschte ein großes Glas Marmelade und eine Großpackung Kekse gegen drei schöne, lebende Hummer.

Für zwei Nächte hatten wir Ashley bei uns am Schiff, um ihr etwas Auszeit von ihren Eltern auf KIKIMO zu verschaffen. Sie war wie ein Fisch und konnte den ganzen Nachmittag am Ankerplatz im Wasser herum tollen. Durch Ashleys unbeschwerte Art konnte ich mich endlich überwinden, unter Boote zu tauchen und auch ohne offenem Wasser über mir kein mulmiges Gefühl im Bauch zu bekommen. Obwohl ich das Meer liebte, hatte ich immer noch Probleme mit meinen früheren, schlechten Schwimmkünsten und so hatte ich es nie länger gewagt zu tauchen, ohne jederzeit zur frischen Luft auftauchen zu können. Alles war eben neu für mich und ich hatte genug Respekt den Elementen gegenüber, mich nicht überall Hals über Kopf hinein zu stürzen. Jürgen gab mir immer genügend Zeit, mein eigenes Tempo zu gehen, auch wen er bei weitem mutiger war als ich.

Die Zeit war wie im Flug vergangen und es wurde Zeit, unseren Weg in den Süden fortzusetzen und das nächste größere Ziel zu erreichen, Cabo San Lucas, eine boomende Touristenstadt an der Südspitze Bahia Kaliforniens, mit all ihren Hotelanlagen, Bars und Restaurants, ihren Trubel auf den Straßen und ihren hunderten Yachten vor Anker und im Hafen. Unbegreiflich, aber je näher wir der bunten Stadt kamen, desto mehr stellte sich eine regelrechte Urlaubsstimmung bei uns ein, auch wenn wir weder vom stressigen Arbeitsalltag kamen noch jemals in solch einer „Alles Inklusive Stadt“ mit riesigen Hotelkomplexen, weiß eingesäumten Swimmingpools, überteuerten Bars und mit Plastikkakteen geschmückten Restaurants Urlaub machen wollten. Doch gerade weil wir Mexiko mit seinen freundlichen Leuten und ihrem gemütlichen Lebensstil bereits ins Herz geschlossen hatten, war es amüsant, zumindest für kurze Zeit, in die schimmernde Welt der Touristen einzutauchen und das Mexiko kennen zu lernen, das viele Touristen in ihren Erinnerungen mit nach Hause nehmen würden.

Zwar konnten wir es uns nicht leisten, hier Geld auszugeben, da alles drei mal so teuer war wie im restlichen Land, aber wir hatten das Glück, in Begleitung anderer Bootsfrauen einen Servicemanager eines Hotels kennen zu lernen, der selbst, wie er uns erzählte, vor kurzem zu segeln gelernt hatte und davon sehr begeistert war. Er lud uns ein, die Hotelanlage zu nutzen und so genossen wir nach einer ausführlichen Dusche Getränke aufs Haus, die uns direkt an den Swimmingpool serviert wurden. Bequem auf einen der Liegestühle rund um den Pool lungernd und mit einer Cola, die, dank der vielen Eiswürfel, wie nach amerikanischen Brauch stark nach Chlor roch und schmeckte, bewaffnet, beobachtete ich das Treiben um mich herum und schmunzelte über die Unterschiede zwischen uns und den restlichen Touristen. Verglichen mit denen aller anderen Badegästen waren unsere Badesachen bereits abgenützt und ausgebleicht, unsre Flipflops zeigten ernste Auflösungserscheinungen und unsre Haare waren zu einem von Wind und Sonne strapazierter Wuschelkopf geworden, ohne modernen Haarschnitt oder stylische Sonnenbrillen als Kopfschmuck. Doch die Bräune unserer Haut war unschlagbar und die Bootsdamen rund um mich tratschten zufrieden und scherzten ausgelassen herum. Lachend wunderten wir uns, weshalb wir in chlorverseuchtes Poolwasser baden gingen, wenn doch ein schöner Meeresstrand vor der Nase lag. Als Dankeschön für den amüsanten Nachmittag im Hotel wurde Josephe, der Servicemanager, zu unserem ganz besonderen Thanks Giving Dinner eingeladen, dass er aber dann doch nur kurz und eher aus Höflichkeit besuchte. Anscheinend waren ihm da doch zu viele Seeleute auf einem Haufen und ihr kleines Festmahl war ihm zu fremdartig.

Während die amerikanischen Touristen in Cabo San Lucas in den feinsten Restaurants ihr Erntedankfest feierten, wurde am Sandstrand unser Beiboot umgedreht um daraus eine „Festtagstafel“ mit vielen verschiedenen Leckereien zu gestalten. Jeder anwesende Segler brachte ein schmackhaftes Gericht seines Landes mit und die amerikanischen Segler bereiteten gemeinsam einen riesigen Truthahn vor. Bereits den ganzen Tag war KIKIMO zum Küchenschiff umgeformt, von dem aus ein herrlicher Duft quer über das Ankerfeld wehte und geschäftige Bordfrauen mit ihren Dingis kamen und gingen, ganz versunken in ihren letzten Vorbereitungen und Besorgungen fürs große Festmahl. Im Sand sitzend, versammelt um unser reich gedecktes Beiboot, feierten wir bis tief in die Nacht, und erst als der letzte Tropfen französischer Tetrapack-Wein ausgetrunken war verabschiedete sich langsam eine Crew nach der anderen.

IRISH MIST lag weit draußen an diesem schlechten und tiefen Ankerplatz in Cabo um nicht zu sehr ins Gedränge der unzähligen Yachten zu geraten, falls ein rascher, wetterbedingter Aufbruch nötig sein sollte. Es war ja genügend Ankergeschirr an Bord und so stellte das tiefe Wasser kein Problem dar. So geschah es auch, dass an einem unserer Cabo-Tage zwei Grauwale direkt auf das ankernde Schiff zuhielten und erst kurz vor unsrem Rumpf abtauchten. Mir blieb für kurze Zeit das Herz stehen aus Angst, die majestätischen Tiere würden unseren Kiel rammen. Nachdem es aber auch nach einigen Minuten nicht rumpelte, entspannte ich mich wieder. Ich sah sie nicht mehr auftauchen, sie mussten gedreht und wieder aus der Bucht geschwommen sein, ohne auch nur eine Trosse zu berühren.

Zu der kleinen Schar an Seglern, die wir bisher kannten, kamen hier in Cabo viele neue Gesichter dazu. Die Bahia-HaHa war angekommen. Ein große Regatta für Cruiser, die gemeinsam von San Diego starteten, um Nonstop nach Cabo San Lucas zu segeln. Über einhundert Boote waren heuer im Zuge der Bahia-HaHa aufgebrochen und diese Tage hier angekommen, weshalb die Stimmung am Ankerplatz fröhlich und ausgelassen war. Immer wieder luden sich die Segler gegenseitig auf ihr Boot ein und erzählten von ihren kleinen Abenteuern, die sie während der Regatta erlebt hatten.

Wir verbrachten unseren Aufenthalt mit Ausflügen, teilweise begleitet von anderen Seglern. Per Dingis fuhren wir zu verschiedenen Stränden, mit Ashley gingen wir schnorcheln. Abends versammelten wir uns meistens auf einem der Boote und erzählten und lauschten Geschichten bei einem Glas Tee oder Tequila. Cabo war wirklich eine Stadt der Gesellschaft. Es wirkte so, als ob die Seglerkommune hier ein klein wenig näher zusammenrückte, denn hier hatte man die erste Strecke geschafft, aus vielen Wochenendseglern waren Fahrtensegler geworden und Cabo San Lucas war ein Wendepunkt für die meisten Yachten. Viele Segler planten einige Zeit in der ruhigen und seglerfreundlichen Sea of Cortez zu verbringen, andere würden hier abspringen, um den weiten Weg über den Pazifik zu beginnen, manche drehten um, da hier die Endstation der Regatta war und versuchten, an der Küste oder über Hawaii zurück nach Hause zu segeln. Einige schlugen den Weg entlang der Küste ein, Richtung Süden und damit Richtung Panama. Unser nächstes Ziel hieß La Paz und die Zeit war bald reif, unser erstes richtiges Kap zu umrunden.

 

Kapitel 2

Aus Landratten werden Seebären

Ich genoss es, abends im Cockpit zu sitzen und im schwachen Licht der verrußten Petroleumlampe Jürgen zu beobachteten, wie er eine Tasse Tee trinkt und mit seinen Gedanken immer weiter schweift. Seine schwarzen Haare waren gewachsen und hingen ihm mittlerweile bis zu den Schultern, was ihm, in Verbindung mit den unrasierten Bartstoppeln, ein wildes Aussehen gab. Selbst im Schein der Lampe leuchteten seine Augen im hellen Grün. Jetzt saßen wir nur da und dachten über dies und jenes nach. IRISH MIST wog sich gemächlich in den Bewegungen des Wassers und der Wind sang sein Lied in unsren Fallen hoch oben am Mast. Hier in Cabo war das Meer nie ganz ruhig, dazu war die Ankerbucht zu ungeschützt. Auch in den Hotelanlagen an der Küste wurde es allmählich still, bis hier draußen drangen die Geräusche der Touristenstadt nur gedämpft durch.

Später würden wir wieder angeregt diskutieren. Viele Abende vor Anker saßen wir im Cockpit und empfingen die Nacht. Obwohl wir den ganzen Tag zusammen verbrachten und alles gemeinsam erlebten, ging uns der Gesprächsstoff nie aus. Es hatte sich eine Art Alltag im Schiff eingestellt, auch wenn wir fast täglich Neues erlebten, worüber wir abends redeten.

Nicht nur über die Tage am Schiff gab es viel zu tratschen, auch über vergangene Erlebnisse, Menschen, die wir kennen gelernt hatten oder die uns früher einmal begegnet waren, Bücher, die wir gelesen hatten, oder einfach nur Dinge, die uns interessierten. Manchmal kamen dabei tiefgreifende Gespräche und Philosophien heraus, andermal genossen wir einfach den Sternenhimmel über uns. Doch es gab nie langweilige Zeiten und die Gespräche trieben nie in seichten Smalltalk ab.

Nicht nur die ruhige Nacht und die friedlichen Geräusche rund um uns erzeugten diese schöne Abendstimmung, tief in mir fühlte ich mich zutiefst geborgen und verstanden. Ich musste daran denken, welche Wege wir nun von Bahia Kalifornien aus einschlagen würden. Auch wenn wir uns noch nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht hatten, wo uns die Reise hinführen sollte, ich wollte noch einige Zeit in Mexiko verbringen.

Viele Segler hatten uns von dem schönen Segelrevier in der Sea of Cortez erzählt, deren Eingang nun direkt vor uns lag. Dennoch war ich eigentlich nicht in der Stimmung, noch länger Bahia Kalifornien zu erobern.

Was würde ich davon halten, von La Paz aus die Sea of Cortez zu überqueren und zum Festland aufzubrechen, meinte plötzlich Jürgen. Wie so oft, wenn ich im Gedanken versunken war, fing Jürgen an, meine Gedanken auszusprechen. Zuvor hatten wir noch über ganz andere Dinge gesprochen und plötzlich drifteten unsere Überlegungen in die selbe Richtung ab. Noch oft würde ich diesen Zufall beobachten.

So machten wir unseren Plan in dieser Nacht und wir freuten uns auf La Paz, die Seglerhauptstadt schlechthin, von wo aus wir dann die Halbinsel hinter uns lassen würden.

Ich dachte nach über die Veränderungen, die wir in dieser kurzen Segeletappe erfahren hatten. Wir wurden allmählich zu kleinen Salzbuckeln. Jürgen kletterte in den Schiffsbauch um frisches Teewasser aufzusetzen, während ich mich tief im Gedanken versunken im Cockpit streckte.

Im Licht der Petroleumlampe sah ich mit Zufriedenheit, dass sich auch mein Äußeres gewandelt hatte. Meine Haut war ockerbraun gefärbt und zeigte sich nur wenig empfindlich auf die starken Sonnenstrahlen. Meine Haare hellten sich zum blonden Sommerpelz auf. Mein Körper war beweglicher geworden und meine Muskel straffer. Doch die körperlichen Veränderungen waren nur ein kleiner Teil verglichen damit, wie wir uns innerlich weiterentwickelt hatten.

Wir hatten einiges dazugelernt, unser Leben war ausgeglichen und naturbezogen, wir hatten unsere Melodie gefunden und dem Rhythmus der Natur angeglichen. Vieles, was am Anfang schwer war und Energie und Überwindung kostete, ging plötzlich wie von alleine.

So zum Beispiel hatte ich meine anfänglichen Bedenken vor dem Tauchen abgelegt. Sorgen über eventuelle Untiere im unendlichen Blau rund um mich gab es nicht mehr. Wahrscheinlich vom Fernsehen heraufbeschworen, war da natürlich das große Thema Haie gewesen. Schon in San Diego hatten wir schöne Exemplare dieser Tiere im Hafenbecken gesichtet. Mittlerweile waren meine Bedenken und Ängste der Freude am Wasser gewichen, auch wenn ich bis heute großen Respekt vor diesen Tieren habe.

Ich fand es schön dass mich Jürgen nie dazu gedrängt hatte, Unsicherheiten abzulegen, denn, nur ohne auferlegten Druck, konnte ich solche Schritte ernsthaft gehen.

Jürgen selbst hatte längst die Seekrankheit, die ihn anfänglich geplagt hatte, überwunden und auch in der Kabine konnten wir nun beide stundenlang lesen. Am Boot bewegten wir uns ohne Probleme, egal ob die Dünung des Pazifik auf uns zurollte und IRISH MIST hin und her warf.

Nun, während er den Tee aufgoss schilderte er mir, wie unbarmherzig die Seekrankheit war. Ich hatte nie vergleichbare Probleme gehabt und konnte nur erahnen, wie schlecht es ihm dabei gegangen war. Zwar war auch ich nicht ganz davon verschont geblieben was sich darin zeigte, dass ich, anfangs in San Diego, nicht längere Zeit durchs Fernglas sehen, oder in die Kabine gehen konnte, ohne dabei ein mulmiges Gefühl zu bekommen, nie aber ging es mir wirklich schlecht.

Langsam bekam ich die Pantry unter Kontrolle. Ich lernte, wie ich die Lebensmittel behandeln musste um sie länger haltbar zu machen und wo ich alles verzurrte, dass selbst nach einem ruppigen Segeltörn noch alles an seinem Platz stand. Es machte mir Spaß, mich mit unserer täglichen Ernährung auseinander zu setzen und theoretisch erlernte Fakten in die Praxis umzusetzen. Ich testete verschiedene Haltbarkeitsmöglichkeiten, kreierte neue Gerichte und sammelte Tipps verschiedener Bordfrauen.

Das Essen selbst war anfangs eines unserer größten Probleme, nicht gewöhnt an die einfache und fleischlose Kost schlug sie auf Nerven und Laune, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Ich versuchte, schmackhafte Gerichte aus Reis und Nudel zu zaubern, dennoch dauerte es, bis wir uns endlich wieder mit Genuss die Bäuche voll schlugen. Eine unserer größten Freuden war das viele frische Obst und Gemüse, dass es hier nicht nur billig und frisch auf den Märkten oder bei Bauern zu kaufen gab, es schmeckte obendrein traumhaft, da es in der Sonne gereift war.

Unsere finanzielle Lage verwies uns, sparsam zu sein, die monatlichen Ausgaben pendelten sich nach und nach für unser Verhältnis akzeptabel ein. Wir hatten kein Einkommen, nur ein Budget aus Ersparten, je sparsamer wir damit umgehen würden, umso länger konnten wir das Leben unter Segel genießen. So einfach lautete die Rechnung. Dennoch war es mühsam, eine selbst auferlegte Grenze zwischen Geldverschwendung und nötige Ausgaben zu ziehen. Einen Monat lag testeten wir, mit einem absoluten Minimum an Ausgaben zu leben. Dabei wurde auf alles verzichtet, was nicht für Bauch oder Boot notwendig war, und während andere Segler einheimische Leckereien im Restaurant genossen, gab's an Bord IRISH MISTs wieder einmal Bohnen, Reis und einen frische Früchte zum Nachtisch.

Es machte jedoch keinen Spaß, mit den anderen kein Bier am Strand zu trinken oder lieber keine Busfahrt ins Landesinnere zu genießen, nur um keinerlei verschwenderische Ausgaben zu haben. So versuchten wir, nun sorgsam mit unseren Ersparnissen umzugehen, ohne dabei auf alle „Extras“ zu verzichten. Es viel leicht, auf schönes Gewand oder in Werbungen angepriesene Luxusgüter zu verzichten, denn wir wussten bereits, wir hatten keine Verwendung für teuren Klimbim. Unsere Freiheit wuchs, und damit auch die Freiheit, auf vieles Verzichten zu können. Was zählte waren die Stunden, Tage und Monate, die wir auf unserem schwimmenden Zuhause, irgendwo in der Weltgeschichte, verbringen konnten.

Es war bereits spät, aber die Überlegungen und Gespräche im Cockpit hielten uns wach. Jürgen dachte an die Zeit in Österreich zurück, dazumal, bevor wir uns auf den Weg gemacht hatten. Obwohl wir auch dort unser Leben genossen hatten, lagen diese Tage schon lange hinter uns. Vorübergehend hatten wir uns eine kleine Wohnung in Linz gemietet, ich musste noch die Schule abschließen. Gemeinsam mit seinen damals besten Freund führte Jürgen eine kleine Bar, die gute Umsätze brachte, wir hatten verschwenderisch und im Überfluss gelebt.

Obwohl es uns an nichts fehlte, waren wir damals auf der Suche nach einer anderen Art zu leben. Dazu hatten wir uns verschiedene kleine Bauernhöfe angesehen, mit dem Gedanken, einen zu kaufen. Zuvor wollten wir aber noch etwas Reisen. Ich wollte unbedingt in die USA und nach Kanada, ich war neugierig diese Länder zu erkunden und Jürgen, der schon vor unsrer gemeinsamen Zeit in die USA gereist war, war bereits voller Vorfreude über eine neuerliche Reise.

Und plötzlich ergab Eines das Andere. An statt uns für lange Zeit in Kreditschulden zu stürzen und einen alten Bauernhof zu kaufen, kauften wir ein altes billiges Wohnmobil in Kalifornien. Wir reisten entlang der Westküste bis Alaska, durchquerten halb Kanada und plötzlich war ein halbes Jahr vergangen.

Doch es war nicht genug. Und so fanden wir uns nun mit unserem kleinen Segelboot in Cabo San Lukas. Froh darüber, keinen einzelnen Platz zu unserem Zuhause gemacht zu haben fühlte ich, dass diese Zeit am Schiff sehr wertvoll war und uns in vielen Hinsichten die Augen für unser weiteres Leben öffnete.

Auch unsere Beziehung zueinander hatte einen tiefen Wert bekommen. Gerade da wir den ganzen Tag gemeinsam verbrachten, wuchsen wir zusammen, vertrauten vorbehaltlos einander und kannten uns wie ein altes Ehepaar.

Wir hatten nie den Fehler gemacht, Segeln mit Romantik zu verbinden, wie es so viele Menschen taten. Für uns bedeutete es eine Form zu Leben, mit einkehrenden Alltag, mit ruhigen und faulen Tagen und Tagen voller Arbeit. Ein Leben, in dem wir auf viele Konsumgüter verzichten mussten, dafür aber umso höher mit neuen Erfahrungen belohnt wurden, eine größeres Weltbild erhielten und die Freiheit, unser Leben und unseren Weg selbst zu bestimmen. Hier am Schiff waren wir nicht nur ein Paar, wir waren auch ein Team, in dem sich jeder zu hundert Prozent auf den anderen verlassen konnte und andererseits sein Bestes geben musste.

Die Arbeit am Schiffchen teilten wir ein nach Lust und Fähigkeiten. Die Pantry war ausschließlich mein Reich, denn hier konnte ich mich bei der täglichen Arbeit gut und gerne stundenlang beschäftigen. Das oft langweilige Steuern des Boots tagsüber übernahm Jürgen, der es genoss, stundenlang die Pinne zu führen, den Kurs im Auge zu halten und zum Horizont zu sehen. Er beschäftigte sich gerne mit den Segeln, trimmte immer wieder das Boot und freute sich über neue gute Tagesetmale.

Die Arbeit an den Segeln selbst hatten wir aufgeteilt. Das Vorsegel war mein Segel, da ich bei jedem Wetter vorn am Bug arbeiten konnte, ohne einen üblen Magen zu bekommen. Außerdem bildete ich mir ein, dass mich Jürgen hoffentlich leicht an Bord ziehen könnte, falls ich mal bei der Arbeit am Bug hinuntergespült und ich in meinem Geschirr neben dem Schiff nachgeschleppt werden würde. Das Großsegel gehörte Jürgen, da es mir viel zu schwer war und das Reffen bei stärkeren Wind nicht so einfach klappen wollte und oft etwas lange dauerte. Natürlich konnte jeder einzelne von uns beide Segel bedienen, doch wenn der Wind auffrischte, stellte sich diese Einteilung als goldrichtig heraus.

Obwohl Jürgen die Navigation schneller lernte als ich, legten wir Wert darauf, diese Arbeit beide gewissenhaft zu machen und unsere eingetragenen Bestimmungsorte gerade anfänglich auch gegenseitig zu kontrollieren. Dabei ging es nicht um das Fehlen an Vertrauen aufeinander, sondern viel mehr um die Sicherheit, kleine Fehler rechtzeitig zu entdecken und voneinander zu lernen. Wir liebten die Navigation gleichermaßen.

Die Kursbestimmung war natürlich mittlerweile keine Schwierigkeit mehr, wir hatten schon bei unserem ersten Turn gelernt, wie viel Aufmerksamkeit die Navigation forderte, als wir bei Ensenada vorbei gesegelt waren und zurück kreuzen mussten. Getrieben vom Tatendrang studierten wir bereits am Ankerplatz die Seekarten und hatten so den groben Umriss des Weges im Kopf, bevor IRISH MIST ihren Bug in die offene See richtete. In Gebieten mit Untiefen oder Inseln, in Hafeneinfahrten oder Kanälen, hielten wir gemeinsam Ausschau und gaben stets acht, die Positionsdaten genau und möglichst oft in die Karte einzutragen.

Wir navigierten generell mit dem GPS, wovon wir zwei Handgeräte an Bord mitführten. Natürlich überlegten wir uns auch, die traditionelle Astronavigation zu lernen, da aber Sextanten in guter Qualität sündhaft teuer waren, wir vorläufig hauptsächlich in Küstengebieten segelten und die Ortsbestimmung über Sextant ohnehin nur als Backup ratsam war, erklärten wir die Investition ins zweite GPS-Gerät als die wichtigere.

Auch gab es keine teure Elektronik an Bord. Die beiden Hand-GPS, ordentliche Kompasse, ein uralter Tiefenmesser, Handkompass, Fernglas, Radar und Barometer, schon war die ganze Ausrüstung beisammen. Wozu auch eine Windrichtungsanzeige, solange man die Nase in den Wind halten konnte war ohnehin klar, woher es blies. Wir nutzten das GPS rein zur Standortberechnung, die Routen rechneten wir aus den Seekarten, unser Kurs wurde bestimmt durch Wind und Wetter, Wegpunkte und elektronische Routenberechnungen interessierten uns kaum. Klar blieb: Keep it simple! – das schärft die Sinne.

Der Motor gehörte eindeutig zu Jürgens Aufgabenbereich, mit diesem klapprigen alten Ding musste er sich herumschlagen und, dank der in Österreich gesammelten Erfahrungen mit selbst restaurierten Automotoren, schaffte er es immer wieder, den „Eisernen Judas“ neues Leben in den alten Block ein zu hauchen.

Reparaturarbeiten, Verbesserungen installieren, Einkäufe und Besorgungen, aber auch lästige Arbeiten wie den Bootsputz, wurden als Team getragen.

Natürlich gab es auch Tage, an denen die Stimmung am Boot nicht auf Sonnenschein war. Anfangs war, wie schon erwähnt, manchmal die Ernährung schuld an allgemeinen Unzufriedenheiten. Streit gab es praktisch nie am Schiff, trotzdem hatte wir ein paar Unstimmigkeiten, ein Beispiel dafür war Jürgens Gereiztheit, weil ich nachts nervös auf Deck herumsprang, aufgeschreckt von duzenden Fischerbooten, die um uns ihrer Arbeit nachgingen, während ich einen Weg durch das Netz aus Positionslichtern suchte. Jürgen konnte meine Nervosität spüren und so seine wenigen Ruhestunden nicht richtig nutzen.

Ich wiederum hasste es, wenn er unsere Positionslichter gegen eine Petroleumlampe tauschte, um Strom zu sparen, auch wenn ich wusste, dass unser Windgenerator zu wenig Strom erzeugte, um die ganze Nacht die Lampen zu speisen und nebenbei genug Strom für Notsituationen und den einfachen täglichen Strombedarf zu sichern. Doch während ich in meiner Wache aufmerksam die Lichter einschaltete, sobald ich Schiffsverkehr beobachtete, hielt Jürgen unsere Anwesenheit noch lange vor anderen Schiffen versteckt, bis er endlich auf die ordentliche Beleuchtung wechselte.

Die mangelnde Beleuchtung und das Fehlen einer vertrauenswürdigen Selbststeueranlage, waren die Hauptgründe, weshalb immer einer von uns im Cockpit saß und Wache schob. Auf IRISH MIST gab es nur einen alten Tillerpiloten, der halbe Zeit nicht funktionierte. Die kleine Yacht musste von Hand gesteuert werden, was zwar nicht weiter schlimm war, da Steuern nun mal zum Segeln gehörte, aber dennoch immer wieder mal anstrengend wurde, oder zu Stress führen konnte, falls man zwischendurch mal genauer die Karte studieren musste, oder einfach mal Wasser für etwas Kaffee aufsetzen wollte.

IRISH MIST lief gut getrimmt relativ kursstabil, so konnten wir auch mal das Ruder festlaschen, um kurz im Inneren des Schiffes zu verschwinden, doch gerade hier, wo wir meist bei achterlichen Wind segelten, galt es ständig aufzupassen, dass das Boot keine Halse vollführte. Später, in Gebieten, in denen das Wetter nicht mehr so konstant blieb und wir neue Herausforderungen kennen lernten, waren wir an das Steuer gefesselt und lernten über die Wichtigkeit einer Selbststeueranlage.

Doch bis jetzt zu diesem schönen Abend in Cabo San Lukas war das Segeln stets ein Genuss, keine nennenswerten Wetteränder-ungen und keine gefährlichen Strömungen hatten sich gezeigt, keine Bodenberührungen waren von IRISH MIST gemacht und keine Segel zerfetzt worden, weshalb wir genug Zeit gehabt hatten, einen Schritt nach dem anderen zu tun und aufmerksam zu lernen. Der Pazifik hatte sich von seiner schönsten Seite gezeigt und uns optimale Bedingungen für Einsteiger gewährt. Durch diese schönen Erfahrungen entdeckten wir die Freude am Segeln. Die hohe, angenehme Dünung des Stillen Ozeans hatte uns in seiner Ruhe gefangen und immer bewusster wurde uns klar, kein anderer Lebensweg faszinierte und fesselte uns mehr als das Leben am Boot.

 

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