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[Rhein und Kanäle]

Ein starkes Stück

Probleme am Rhein!

Breit und viel befahren öffnet sich der Rhein vor uns. Geschäftiges Treiben herrscht zu beiden Uferseiten, doch wir haben kaum Zeit zum Schauen, nimmt und doch die Strömung mit.Es ist bereits später Nachmittag und wir wollen noch einen guten Platz finden, an dem wir Ankern oder notfalls auch anlegen können, um uns die berühmt berüchtigte Loreley für morgen aufzusparen. Doch leichter gesagt als getan. Schon der erste Ankerplatz, den im Buch beschrieben wird, endet für uns im Sand und mit knapper Müh und Not schaffen wir es, durch die enge und seichte Einfahrt wider ins tiefe Wasser zu kommen. Diese extreme Strömung hier verlangt Vorsicht. Die Zeit vergeht und langsam steigen in uns die Sorgen hoch, dass wir doch noch vor Einbruch der Dunkelheit einen guten Platz für die Nacht finden.

Immer näher rücken wir der Loreley, immer schlechter wird das Wetter, immer ärger die Strömung. Es ist bereits Abend, wir müssen wo rein! Wir versuchen es in Lohr, hinter der Halbinsel ist ein Hafen und wir entdecken auch größere Yachten. Aber Vorsicht, die Karte zeigt einen unbetonten Felsen, dem wir nicht zu nahe kommen dürfen. Machen wir auch nicht, doch dieser Felsen, der mittlerweile sogar gekennzeichnet worden war, wär das kleinere Übel gewesen. Wir dampfen gegen die Strömung in Richtung Hafen und plötzlich kracht es. Wie ein verletztes Tier torkelt La Belle Epoque über das Felsenfeld, ohne Chance, von selber wieder runter zu kommen. Die Strömung treibt uns immer weiter, weiter auf die Felsen. Es kracht und knirscht und – am aller schlimmsten – die, an Deck verzurrten, Masten schaukeln wie wild umher. Es gibt eine Richtung mehr, in die wir fahren können und endlich bleibt La Belle auf einem der vielen Unterwasserfelsen hängen.

irre Strömung

Die Fähre, die nicht einmal ein Drittel so tief ins Wasser reicht wie unser Schifferl, kommt mit einer dicken Trosse zu uns. Ohne viel Drumrum zieht der starke Dieselmotor der Fähre uns quer über das Felsenfeld zurück ins tiefe Wasser. Nein, für ein Boot mit diesem Tiefgang gibt's her nirgends einen Platz. Ihr müsst draußen im Strom bleiben!

Regen und Hagel in der Loreley

Mir wird schlecht. Draußen im Strom bleiben? Bei Nacht und im trüben Regenwetter durch die Loreley, einem der gefährlichsten Strecken der deutschen Wasserstraßen? Ohne Flussradar und ohne Mondschein durch das nicht beleuchtete Fahrwasser, an dessen Ufern spitze Felsen und gefährliche Untiefen lauern? Dass kann wohl nur ein Scherz sein. Im Halbdunklen sehen wir in Pfalz eine Fähre. Unsere Chance. Über Funk versuche ich, den Fährmann zu erreichen um die Wassertiefe im Hafen zu erfahren. Doch der hört keinen Funk und wir werden nie erfahren, wie Tief das Wasser im Hafen von Pfalz ist. Ein Güterschiff meldet sich. Ruft die Revierzentrale, die wissen, wo ihr hin könnt! Gesagt, getan. Und wirklich, fahrt weiter bis in die Loreley, der Schutzhafen dort ist für die Großschifffahrt, da kann ich garantieren, dass ihr mit euren zwei Metern Tiefgang kein Problem hat.

die Loreley begrüßt uns im Schutzhafen

Es beginnt zu Hageln und La Belle Epoque fliegt – getrieben von der unglaublichen Strömung hier – durch die Loreley. Zerknirscht, unterkühlt und völlig fertig schmeißen wir endlich den Anker in der kleinen sicheren Hafenbucht. Wir werden mindestens einen Tag brauchen, bis wir uns wider in das unbequeme Fahrwasser des Rheins hinaus wagen.

Aussicht von der Loreley

Es ist laut hier. Die Züge fahren zu beiden Uferseiten und wir wundern uns, das dieser wunderschöne Landstrich damit verschandelt wurde. Wir nehmen einen Tag Auszeit. Nachdem Jürgen unters Boot getaucht ist, wissen wir, dass La Belle Epoque den Felsen mit einer Delle und etlichen Kratzern im Lack davon gekommen ist. Wie gut, ein stabiles Schifferl zu haben! Wir wandern auf die Loreley und staunen über den Ausblick. Es ist unbeschreiblich, wie die Talfahrer sich um die enge Kehre drehen. Gut, dass wir gestern keinem von diesen dicken Schiffen im Weg gestanden sind!

gefährliche Manöver

über 400 Stufen, dafür grandiose Aussicht

Dann geht's wieder rund. Schnell lassen wir das Gebirge hinter uns und mit der Landschaft ändert sich auch zunehmend der Schiffsverkehr. Bis zu zehn Schiffe gleichzeitig begegnen wir und irgendwie finden wir auch immer durch das dichte Feld. Ihre Wellen geben das Gefühl, als sei man dem Meer schon ganz nahe! Immer tiefer dringen wir vor in ein Gebiet, das von Industrie, Häfen und Großstädten geprägt ist. Unser geplantes Ziel – Köln – lassen wir hinter uns und weiter geht's bis Düsseldorf. Wahnsinn was man im Rhein alles kann: 188km in zehn Stunden! Und Düsseldorf zeigt sich von seiner besten Seite, finden wir doch einen Liegeplatz bei den sehr netten Damen und Herren der Stadtwerke. Und obendrei wird hier auch noch gefeiert, es ist Vatertag und kurzerhand feiern wir in ihrem tollen Vereinsschiff einfach mit. Mmhh, Altbier – auch sehr lecker!

Begegnung

Schifffahrtszeichen in der Loreley

Hafen und Industrie

am Deutschen Eck

an den Ufern stehen Villen

Schifffahrtszeichen

kostbare Fracht

beeindruckendes Düsseldorf

im Hafen von Düsseldorf

eingemauert und nur noch als Skulptur!

im Hafen von den Stadtwerken

 

Über die Kanäle bis zur Weser

Noch ein halber Tag Fahrt und wir verlassen den Rhein. Ab jetzt gehen wir es wieder ruhiger an. Der Rhein-Herne Kanal lässt unsren Puls wieder runterkommen und wir tuckern gemütlich durch das Land. Schon bald erreichen wir den Dortmund-Ems Kanal und nach den vielen Städten und großen Häfen finden wir uns plötzlich und unverhofft mitten im schönen Land. Ruhig und bei wenig Verkehr geht's vorbei an Kuhweiden und Baumalleen, Bauernhäuser aus roten Backsteinen und kleinen Ortschaften. Immer mehr Sportboote begegnen uns und überall findet man kostenfreie Liegeplätze, extra ausgewiesen für Sportboote. Herrlich!

tolle Kunst!

und viel Natur

Die Schleusenarbeit ist kaum mehr der Rede wert und bald lassen wir auch das „nasse Dreieck“ – die Kreuzung in den Mittellandkanal – hinter uns. Wir haben uns entschieden, doch hier am Dortmund-Ems Kanal zu bleiben und das letzte Stück über den Küstenkanal bis zur Weser zu nehmen. Der Verkehr ist hier schon sehr wenig, zum Glück, denn bei dem Versuch, einen Frachter im engen Fahrwasser zu überholen, geht uns fast das Gas aus. Die Schraube des Frachters zieht derart viel Wasser, dass wir mit Rumpfgeschwindigkeit graden noch so vorbeischlüpfen.

Enge bei der Kanalbrücke

auf der Kanalbrücke

Wir lassen das rotbraune Wasser des DEK hinter uns und biegen in den Küstenkanal ein. Schnurgerade und relativ langweilig geht's weiter. Wenigstens lässt sich mal die Sonne blicken. Die paar Häuser, die zwischendurch an den Uferseiten zu sehen sind, sind willkommene Abwechslung zu den ansonsten eintönigen Bäumen. Eine Letzte Nacht verbringen wir in Oldenburg, denn ab der Hunte morgen befinden wir uns im Tidengewässer!

eine alte Schleuse

weit gekommen!

sind wir denn schon auf den Osterinseln???

viele Strohdächer

und gemütliche Abende

der Kanal ist nicht nur für Schiffe da!

makabre Kunst!

am Nassen Dreieck

Ponys über der Schleuse

hey - ein Segelboot!

schöner Wohnen

wir biegen in den Küstenkanal

hier ists eng!

in der Hunte gibts Tiden!

...und Windmühlen

mit niedrigem Wasser durch die Brücken

Deutschlands Stolz in der Werft

angekommen in Elsfleth

Die stolze La Belle Epoque!

In Elsfleth angekommen, radeln wir erst mal zum Yachthafen. Hier soll es einen Mastenkran geben und wir wollen La Belle Epoque endlich zurück als Segelboot. Überal erfahren wir Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, schnell gewöhnt man sich an den Grüß des Nordens: Moin! Ja, schön ist es hier, doch leider nix für so ein großes Schifferl! Großes Schifferl? Wir hatten doch bisher immer geglaubt, das La Belle ab hier eine von vielen wird! Ne, und mit zwei Meter Tiefgang wird's so und so eng! Also auf zur Elsflether Werft, und die helfen uns dann auch. Gleich hinter der Gorch Fock – dem Stolze Deutschlands, wie wir erfahren – machen wir La Belle fest und nach kompetenter Arbeit wird auch sie wieder zum stolzen Schifferl. Geschafft, Die Masten stehen, wenn auch noch viel Arbeit wartet, bis wir endlich die Segel hissen können. Zurück am Stadtkaje von Elsfleth bekommen wir Besuch. Ralf vom Nordseeseglerforum heißt uns herzlich willkommen und hat auch noch gleich eine besondere Überraschung für uns: ein Stück weiter, an der Steganlage des WSV Motzen, wartet ein Liegeplatz für uns. Dort dürfen wir ein paar Tage kostenlos festmachen! Unglaublich, wir sind platt von so viel Gastfreundschaft! Und so liegen wir ein paar Tage an der Weser, wo wir nach und nach die netten Leute kennenlernen und aus La Belle Epoque die stolze Segelyacht machen, mit der wir noch viel erleben werden!

raus in die Weser

ein Bild, extra für Fiona!

hier beginnt für uns die Weser

La Belle Epoque als stolzes Segelschifferl

Gastfreundschaft in Motzen!

 

 

 

 

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