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Dirndl, heirat koan Schiffmann,

du heiratst in d´Not,

hast im Summa koan Mann,

und im Winter koan Brot.

(F. Schopfhager)

 

Seglergeschichten und Seemannsgarn - Gedanken, Beiträge und Geschichten rund um Segelboote und Reisefieber!

Blauwassersegeln bedeutet für uns einen faszinierenden Erfahrung, welche uns das Leben eng verbunden mit der Natur und den Ozeanen ermöglicht. Unser Vorankommen bestimmt das Wetter, die Umwelt und die großen Systeme von Wind und Strömung, unsere Energie liefert die Sonne, unser Leben ist einfach und ohne Luxus, die Verantwortung unseres Handelns haben wir ungeteilt zu tragen.

Wir bewegen uns langsam. Der Wind treibt uns weiter und erlaubt uns nicht, schneller als unsere Seelen zu reisen und dabei die Vielfalt der Natur zu übersehen.

Die Zeit entfaltet sich in einer neuen Dimension. Sie ist einfach vorhanden. Sie hat uns gezeigt, dass man sie nicht vertrödeln kann, aber man kann sie übersehen!

 

Skipper und Scheine

Die Geschichte vom Aussteiger
Die liebe Bordfrau Nachtwache
Aufbruchstimmung, die letzen Monate an Land La Belle Epoque geht baden!
Leben auf der Donau Anders als geplant!
Selbstbauer und Weltumsegler Weihnachtsgedanken an Bord

Abschied vom österreichischen Christkindlmarkt, oder, unsere Monsterpunschtour

 

Blau

Wie war das, Schein, Skipper, Wende Hoo und First Mate?

Vorweg gleich einmal zugegeben, die mexikanische Westküste hinunter war im Nachhinein gesehen das ideale Revier für zwei Greenhorns mit Boot und ohne Seefüße! Was natürlich nicht heißen soll, das es sich bei diesem schönen und vielbesegelten Küstenstreifen um ein anspruchsloses Revier für Landratten handelt. Nein, nein, das nun auch wieder nicht. Auch hier gibts Tiden und Strömungen, ungemütliche Ankerplätze , Kaps und Fallwinde, Inseln und Felsen die im Weg rumstehen und sogar Hurrikanes.

Aber genau hier ist auch das Revier, das mit vorzüglichen Küstenhandbüchern aufwarten kann, wo die Seglergemeinschaft zusammenrückt und bei endlosen Potlucks die eigenen Erfahrungen teilt, wo die amerikanische Geschäftstüchtigkeit ihre Finger runterreckt um eventuell vergessene und nun als doch wichtig geltende Teile und Ausrüstungsgegenstände nachschickt. Das Revier, wo die Fischer noch freundlich winken und die Behörden geduldig Nichtwissende einweißen. Wo die Sonne einem Tag für Tag die Haut verbrennt und Durst auf Meer verschaft und als große Belohnung für die geleisteten Seemeilen die Delfine zu singen beginnen.

Genau dieses traumhafte Segelrevier war nun also unser Lehrstück, der Teil der Welt, in dem wir unser Landleben ablegten und unsere Liebe zum Meer und zum Reisen erforschten. Nun kam da die große Frage, was es braucht, um den Schritt zu wagen und unter die Segler zu gehen?

Natürlich, da gibts die Antwort auf meine Frage, die uns richtig und logisch erscheint, deren Richtigkeit wir in unsrem System gelernt haben und worauf wir vertrauen dürfen. Diese Antwort lautet also:

Man braucht den Segelschein so und so, dazu das Funkpatent damit man einen ordentlichen Notruf absetzen kann, die erarbeiteten Seemeilen auf den vielen Chaterschiffen, am Besten noch einige Nachtfahrten auf Schulschiffen und wenn möglich ein wenig Starkwinderfahrung, ja, die wäre nett!

Aber braucht´s die ganzen Zettel wirklich? Kann denn so ein Stück Papier objektive Aussage darüber machen, wie "fähig" man ist, um die Meere zu bereisen? Nein, natürlich nicht. Aber wie würde ich nun die Frage beantworten, wie geht man´s an?

Meine unkonventionelle aber selbsterprobte Antwort darauf soll kein Geheimnis sein!

Zuerst einmal braucht man einen Traum, besser noch, viele Träume, Visionen und einen Funken Phantasie. Ein gesunder Menschenverstand ist ohne Frage eine Grundvoraussetzung, dazu etwas Mut, aber nicht unbedingt Tollkühnheit, da hilft eine große Menge Vorsicht bei weitem mehr.

Schnelle Reaktionsfähigkeit und große Lernfähigkeit bleiben das ganze Seglerdasein unumgänglich und ein offenes Ohr für die Geschichten und Erfahrungen der Segler rundum werden den Weg erleichtern.

Abgerundet wird das ganze Profil mit der Zeit. Denn die Zeit, gelerntes, gelesenen und gesehenes umzusetzen, die Zeit zur Reflexion und die Zeit, die zur Eingewöhnung nötig ist, ist der letzte Schlüssel.

Natürlich wird man nun fragen, wo denn in meiner Ausführung die Segelerfahrung ist. Wo steht der Teil zum Wissen über die Navigation, über das Verhalten bei viel Wind oder die technische Grundlagen und das Verständniss für Segel.

Na, da kann ich ohne Probleme auf den gesunden Menschenverstand verweisen. Natürlich muss man allererst lernen, wie man die Segel bedient, sehen, was sich am Kompass so tut wenn man an der Pinne herumrudert und lernen, was denn die Zahlen und Zeichen auf der Seekarte so in sich verbergen. Natürlich bringts, diese Grundlagen in einer Segelschule zu lernen, keine Fragen. Notfalls geht´s aber auch ohne. Mit ewas Verstand, Respekt vor sich selbst und seiner Umwelt und mit genügend Wissbegierigkeit läst sich das alles auch auf anderen Wegen lernen.

Eins ist sicher: einmal unterwegs, werden sich nicht die Segler mit Scheinen von den Seglern ohne Scheine hervorheben, sondern die Cruiser mit Herz und Hirn, die ihre eingenen Fehler auch eingestehen können und glücklich darüber sind, einen Fuß vor dem anderen zu setzen werden die Nase vorne haben!

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Die liebe Bordfrau

Ein leidiges Thema und schon beim Gedanken, einen Beitrag dazu zu schreiben merke ich, wie komplex und kompliziert das Thema Bordfrauen eigentlich ist.

Denn immer wider trifft man Paare, ob noch zu Land oder schon unterwegs, die ihre Probleme damit haben, ein Leben unter Segel als den gemeinsamen Traum zu finden. Natürlich will gerade ich, als begeisterte Seglerin und Reisende nicht den Eindruck erwecken, als wäre Segeln eine reine Männersache. Klar habe ich unterwegs viele Frauen getroffen, die, so wie ich, ihr zuhause Segelyacht nicht missen möchten und die mit ihrer großen Freiheit unterwegs rundum zufrieden sind.

Etwas entgeistert musste ich feststellen, das in vielen Artikel, die dieses Thema behandeln immer wieder das Bild der "überemanzipierten" Frau projeziert wurde, ja, teilweise sogar die "besonderen Fähigkeiten" von Bordfrauen hervorgehoben werden und manchmal die segelnde Frau den seegängigen Mann als fähiger vorgeschoben wird.

Selbst Reaktionen vieler Menschen mir gegenüber verwundern mich immer wieder, muß ich doch speziell emanzipiert und ja fast ausgesprochen "männlich" sein, wenn man so hört, was ich so erlebe und wo ich mich überall herumtreibe. Gleich vorweggenommen, ich fühle mich durch und durch wohl als Bordfrau und liebe speziell meine Arbeiten in der Pantry, ich nähe gerne und widme mich am liebsten der Kreativität und meiner Phantasie.

Weshalb aber dabei bleiben und nicht mehr ausprobieren. Ich fühle mich mehr als nur lebendig wenn ich im peitschenden Regen und bei überkommender See die Vorsegel wechsle, ölverschmiert im engen Motorraum zu sitzen und an der Maschine herumzubalsteln kann mitunter ganz interessant sein und das Navigieren ist ohnehin das A und O für beide von uns.

Auf meinen Reisen als Seglerin habe ich jedoch zwei riesen Vorteile, die ich bei unzufriedenen Bordfrauen vermisse. Der Erste besteht darin, dass Jürgen und ich unseren gemeinsamen Traum leben. Unser Leben unter Segel ist keine Vision eines einzelnen und der Verzicht des anderen. Der zweite Vorteil war und ist für mich vielleicht sogar noch wichtiger als der gemeinsame Traum. Mein Glück baut auf einem Partner, der mich nie zusehr getrieben hat. Ich konnte Eindrücke und Umstellungen mit eigener Geschwindigkeit bewälitigen ohne dabei unnötigen Druck von Außen zu verspühren, oder gar mit den Unsicherheiten eines Partners belastet zu werden. Nie gab es eine "Skipper - Crew - Situation" an Bord, alle Entscheidungen werden stehts gemeinsam abgewogen, Verantwortung ist für beide gleich zu tragen und auch Bedenken oder Ängste meinerseits werden ernst genommen ohne dabei überbewertet zu werden.

So kommt es, das Segeln für mich kein Verzicht oder keine Belastung darstellen kann, viel mehr erlebe ich Tag für Tag wie schön die Welt sein kann, ich freue mich, wenn ich wieder neue Fähigkeiten in mir entdecke und wenn ich mit jeder Zelle meines Körpers das Leben atmen kann.

Was könnte mich da also ein Pumpklo stöhren oder eine schaukelnde Koje, wo liegt das Problem bei einer Pantry ohne Kühlschrank oder einer Yacht ohne Waschmaschine? Ich werde belohnt mit einer bunten Lebensfreude, mit strotzendem Selbstbewusstsein und mit dem schönen Gefühl, das sich einstellt, wenn man seine Grenzen wieder weiter gesteckt hat, wenn das Adrenalien Leben bis in die kleinste Zelle pumpt oder die Sonne die faulen Knochen wärmt. Ich danke meinem Partner, mir selbst und der Welt dafür, eine Bordfrau sein zu können!

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Nachtwache

Glitzernd rauscht die Bugwelle im roten Licht der Abendsonne entlang des weißen Rumpfes um sich gurgelnd und glucksend im Kielwasser zu verlieren und bald alle Spuren der kleinen Yacht wieder zu verwischen.

Die Welt um uns ist in ein schimmerndes Farbbild getaucht. Blaue, rosa, violette, gelbe und türkise Farben vereinen sich am Horizont. Der Pazifik ist friedlich. Im gleichmässigen Auf und Ab wiegt er das einsame Boot den Abend entgegen. Mit einer frischen Brise Wind gefüllt blähen sich die schmutzigen Segel und ziehen uns immer weiter.

Das gemeinsame Abendessen war längst verspeist und schweigend genießen wir den all-abendlichen Tee um dann wie gewohnt im Rhythmus der Nacht Wache zu halten.

IIch verkrieche mich in die Koje, drehe mich in eine leichte Decke ein und lasse mich von meinem gleichmäßigen Atemzügen so schnell als möglich in das Reich der Schlafenden geleiten während Jürgen die ersten drei Stunden der Nacht das Steuer übernimmt.

Gerade in einem tiefen, erholsamen Schlaf entschlummert werde ich auch schon geweckt. Der Mond läuchtet bereits den Weg, die Position ist in die Seekarte feinsäuberlich eingetragen und die vereinzelten Lichter am Horizont haben uns bereits gekreuzt.

IIm bequemen Jogginganzug und gestrickten Socken, bewaffnet mit einer kuscheligen Wolldecke und einer Thermoskanne Tee sitze ich an der Pinne und lasse meine Gedanken von der Dünung fortwaschen. Das Sternenbild läuchtet mir meinen Kurs, es ist zu ansträngend, die Augen auf das künstliche Licht des Kompasses zu fixieren. Minuten verschmelzen mit Stunden und eine bleierne Schwere legt sich in die Knochen während die Nase und die Ohren von angenehm kühlen Wind errötet sind. In solchen Nächten nistet sich eine tiefe Zufriedenheit und Geborgenheit in meine Gefühle. Die Dunkelheit, die glitzernden Sterne und der wunderschöne Mond, das fluoreszierende Wasser unter mir und die friedlichen Geräusche um mich wirken vertraut und heimelig. Die Zeit spielt keine bedeutende Rolle und die Arbeit am Steuer funktioniert wie von selbst. In meinem Kopf bilden sich neue Ideen, ich träume von den Ländern, die vor uns liegen, ich baue gedanklich an unserem zukünftigen Schifferl und philosophiere über die Welt und was wir aus ihr gemacht haben.

Kein Schiff kreuzt unseren Weg, die neue Position trage ich in die Karte und wecke Jürgen.Erschöpft und hundemüde verkrieche ich mich in das warme Bett um gleich wieder geweckt zu werden. Die drei Stunden Freiwache sind wie im Freiflug in einem traumlosen tiefen Schlaf vergangen.

Die frische Briese im Cockpit bläst den Sand aus meinen Augen und während Jürgen noch einige Minuten am Steuer sitzt knete ich neben ihm in einer Schüssel frischen Teig fürs Frühstücksbrot. Jürgen erzählt vom Tölpler, der ihn seine halbe Wache begleitet hat, indem er auf unserem Rettungsring gedöst hatte.

Mit einem weiteren Blick in die Seekarte macht sich Jürgen schließlich nach unten und überlässt mich der restlichen Nacht. Ich würde nicht mehr lange im Dunkel sitzen müssen, in ungefähr zwei Stunden wird die Sonne die Sterne vertreiben. Der Mond ist bereits verschwunden und die Schwärze der Nacht lastet schwer auf den Augenliedern. Noch immer zieht die kleine Yacht unter dem konstant gefüllten Segel durch die Dünung. Es ist garnicht mehr so einfach, den Kurs zu halten, wach zu bleiben kostet viel Energie. Die Kälte der Nacht ist bis in die Knochen vorgedrungen und immer schwieriger wird es, die Gedanken zu sammeln und weiter nachzudenken.

Doch endlich, fast unmerklich ändert sich das Bild um mich. Vorsichtig, nahezu schüchtern mischt sich in die schwarze Nacht ein leichter Lichtschimmer. Zuerst fast unbemerkt verlieren die Sterne ihre Leuchtkraft und grau mischt sich in die schwarzen Fluten unter mir. Schnell verliert der neue Morgen seine Zurückhaltung. Das Licht erfüllt den letzten Fleck und vertreibt wie durch Zauberkraft die Müdigkeit aus meinem Körper. Endlich verliert sich das taube Gefühl der Schlaflosigkeit und am Horizont leuchtet der wunderschöne Feuerball und gibt mir die Gelegenheit, sein morgentliches Ritual zu bewundern. Die ersten Sonnenstrahlen dringen bis zu mir durch und vertreiben die starre Kälte aus meiner Haut. Fast vorsichtig melden meine Nerven die wärmende Umarmung der Morgenröte und ich werfe die klamme Decke ab. Jeden Morgen muss ich aufs Neue feststellen, dass der gefühlte Sonnenaufgang zu meinen absoluten Highlights gehört.

Es ist Zeit, die Pinne kurz festzulaschen und den Brotteig in den Ofen zu schieben. Nur wenig Minuten später sitze ich wieder am Steuer. Ich will nichts von dieser herrlichen Tageszeit versäumen. Frisch und munter fühle ich mich, im Boot beginnnt sich Leben zu regen und verschlafen setzt Jürgen Wasser für den Frühstückskaffee auf. Wir haben Zeit, viel Zeit für ein langes, genussreiches Frühstück und der neue Tag vor uns lockt mit neuen Erlebnissen und einem herrlichen Wind zum Segeln!

 

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Gedanken zum Aussteigen

Unter uns Seglern und allen, die davon träumen, ist ein Gedanke oft sehr nahe und greifbar: einmal eine Auszeit nehmen und zu segeln. Den Alltag, die Normen, die Gesellschaft, den Arbeitsstress und das taube Gefühl der Routine hinter sich lassen, ein Schiff vollbunkern und sich selbst herauszufordern. Ein schöner Traum, den auch viele in die Realität umsetzen und sich auf den Weg machen. Jeder Aufgebrochene wird diesen Weg auf seine Art und Weise bewältigen. Jeder wird sich individuell Gedanken machen, wie viel er/sie hinter sich lassen muss um die Leichtigkeit der Freiheit zu spühren und herausfinden, wie viel oder wie wenig Sicherheit, Besitz oder Komfort er/sie für dieses Erlebniss braucht.

Dabei ist jede Art der Vorbereitung in Ordnung, ob in jahrelanger Vorarbeit, mit dem Besuch von Kursen, mit dem Anhäufen von Sicherheiten und dem Lernen von "How to do"-Radgebern oder ob es zu kurzfristigen "aus dem Bauch" Entscheidungen kommt, ob das Motto "Learning by doing" praktiziert wird und kein Auffangnetzt vorbereitet wird. Schließlich sind wir alle Individuen, die sich auf ihre ganz persönliche Reise machen und an ihre eigenen Grenzen gehen werden.

Gerade in der Seglerwelt finde ich es deshalb so unglaublich, wie wenig diese individuelle Herangehensweise von der großen Gemeinschaft akzeptiert wird. Welhalb werden von berühmten Seglern Artikel über die kranke Welt der Blauwassersegler veröffentlicht, von Leuten quer über den westeuropäischen Kontinent so wehement Empöhrungen über Aussteiger verlautbart. Wie kann es sein, dass am Seglerstammtisch im Wirtshaus über die Dummheit einzelner Aussteiger diskudiert wird, dass über zerrüttete Paare auf Schiffen erzählt wird obwohl die Betroffenen selbst nichts von ihrem Unglück ahnen.

Es verwundert mich, dass nicht genügend Akzeptanz gegenüber einer Gruppe Segler vorhanden scheint, einer Gruppe, die niemanden etwas angetan hat, niemanden seines Besitzes beraupt hat und im Allgemeinen sogar besonders friedfertig und respektvoll gegenüber der Natur lebt.

Ich haben Aussteiger getroffen, die Gestrandet sind und nicht aufgegeben haben, welche, die trotz ihrer Besitzlosigkeit und ihrer bedrohten Existenz mehr Lebensgeist versprüht haben als ganze Segelclubs zusammen und viele, die erst im Laufe ihrer Reise bemerkt haben, dass sie sich mit vielen ihrer Vorbereitungen unnötig belastet haben. Ich habe aber auch Leute kennengelernt, die über ihre intensive Vorbereitungsphase nie hinausgekommen sind und dennoch immer wissen, was andere alles falsch machen.

Auch wir wissen, wie schwierig es sein kann, die richtige Entscheidung zu treffen und alles auf ein Boot zu setzen. Auch wir sind schon gestrandet und musste uns ohne Sicherheiten und Rettungsleine wieder aus der Tiefe ziehen. Umso mehr können wir Paulo Choelo in dieser Aussage zustimmen: "Nicht derjenige, der unter Wasser taucht ertrinkt, sondern jener, der unter Wasser bleibt."

Damit sprechen wir hier jedem das Recht ab, über die verschiednen Persönlichkeiten der bunten Blauwasserwelt zu urteilen und raten, doch besser zu versuchen, sich über das eigene Leben Gedanken zu machen!

 

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Aufbruchstimmung - Die letzen Monate an Land

Achje und Auweh, wie kam es blos dazu, dass ich einen Termin beim Zahnarzt - trotz der ganzen Vorbereitung zur Langfahrt - zu lange hinaus geschoben habe! Nun sitz ich da mit einer dicken Backe und dem Wissen, dass ich dem netten Herrn mit dem beängstigenden Werkzeugen nicht so leicht davon komme.

Da arbeiten wir schon lange Jahre auf die bevorstehende Reise hin und trotzdem schaffen auch wir es, die letzen Monate vorm Aufbruch noch in richtigen Terminstress zu geraten! Ich hetze vom Hausarzt zum Zahnarzt, von der Versicherung zum Steuerberater und arbeite Stück für Stück die lange Liste ab, die da heißt: Impfungen, Zahnarztbesuch, Hausversicherung nochmal durcharbeiten, Wohnung ausräumen, Flagenzertifikat einholen, die sieben Sachen an Bord verstauen, mit dem Arzt die Bordabotheke zusammenstellen, das letzte Obst aus dem Kühlfach einkochen, die Wohnung um ein paar Zimmer für unsren neuen Mieter vergrößern, Transportangebote für La Belle Epoque einholen, das Flugdach überm Schifferl abbauen, Antifouling streiche (juhu! - endlich kein "Fleckerlteppich" als Schifferl mehr;-), den Hausrat, der nicht mit auf Fahrt kommt in Schachteln verstauen, die Obstbäume ein letztes Mal schneiden, neue und stabile Tore für den Wirtschaftstrakt unsres Bauernhauses bauen, ein Auto verkaufen, La Belle Epoque fertigstellen, ein Transportgestell für den Tieflader schweißen, Magazine abbestellen, Gerümpel, dass sich über die Jahre angesammelt hat zum Sperrmüll bringen, intakte Dinge, die nicht mehr gebraucht werden in ebay verkaufen, das Rigg fürs Schifferl zusammenstellen, einige Segel umändern, ein Bimini bauen und nähen, und noch tausend Kleinigkeiten, die hartnäckig daran arbeiten, die "To-Do-Liste" zu verlängern.

Die Zeit vergeht wie im Flug und fast scheint es, dass die Frühlingsmonate die Uhr schneller laufen lassen als gewöhnt, und während unsere Körper Tag für Tag für den Ablegezeitpunkt entgegenarbeiten, haben sich unser Köpfe noch garnicht so richtig darauf eingestellt, dass wir schon bald wieder die Nase in den Wind strecken werden.

Schon vor geraumer Zeit mussten wir uns eingestehen, dass unser ursprünglicher Plan, noch im Frühling diese Jahres abzulegen, einfach nicht haltbar ist und im gegenseitigen Einverständnis haben wir uns ein knappes halbes Jahr länger Zeit eingeräumt. Wozu auch die Eile, auch im Herbst noch wird die Donau genügend Wasser führen, um uns eine sichere Überfahrt bis in den Mainkanal zu ermöglichen. Immer öfter schon sieht man uns abends, bewaffnet mit Flusskarten, Atlas und Handbücher, bei einem Gläschen burgenländischem Wein auf der Terrasse sitzen und Fahrpläne aushecken. Unumstritten eine der schönsten Vorbereitungsarbeiten. Und so kommt es, dass sich unsre Fahrpläne kreuz und quer durch Deutschland langsam aber sicher erweitern und abzeichnen. Aus dem anfänglichen Bedürfniss, unser schwimmendes Zuhause kostengünstig in den Norden zu bringen hat sich mittlerweile ein eigener und sehr reizvoller erster Abschnitt der geplanten Reise entwickelt. Frühere Überlegungen, zum Vergleich Angebote für einen Transport auf der Strasse bis in die Ostsee einzuholen, sind nun endgültig Schnee von gestern.

Auch die Menschen um uns merken langsam aber sicher unser "Frühlingserwachen". Immer öfter zieht La Belle Epoque die Aufmerksamkeit auf sich und lockt den einen oder anderen Passanten von der Straße zu ihrem Landliegepatz. Auch Freunde und Verwandte kommen immer häufiger vorbei um zu sehen, wie die Arbeiten vorangehen und es ist schön, hin und wieder mal aus den Arbeiten gerissen zu werden, um noch etwas Zeit mit Freunden zu verbringen und ganz nebenbei kann ich so mein kleines Adressenbüchlein auf neuesen Stand bringen.

Jetzt muss ich es nur noch schaffen, alle Termine beim Zahnarzt rechtzeitig einzuteilen und die Attacken mit dem Bohrer zu überstehen, und schon kann fast nichts mehr die Vorfreude auf unsere kommende Zeit anbord La Belle Epoques trüben!

 

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La Belle Epoque geht baden!

Nach jahrelanger Arbeit ist es nun soweit: Schon lange bevor der Wecker zu klingeln beginnt sind wir munter und vergessen die letzte Schlaftrunkenheit beim Frühstückskaffee. Obwohl wir die letzten Tage mit Vorbeireitungsarbeiten zum Bootstransport verbracht haben, sind plötzlich tausend Handgriffe zu erledigen, während wir immer wieder aus den Bullaugen auf die Straße spähen. Da! Auf einmal herrscht geschäftiges Treiben. Wie besprochen rollt kurz vor acht Uhr morgens der blaue Kranwagen die Sraße hoch. Dahinter sperren schon die Begleitfahrzeuge die Straße, damit der Tieflader rücklings die letzten zweihundert Meter bis zu unserer Einfahrt heraufschieben kann. Und schon im Anschluss kommt das nächte Auto der Transportfirma die Zufahrt hoch, gefolgt von den ersten Freunden, die zur physischen und mentalen Unterstützung anrollen.

Während der freundliche Kranführer sein Gefährt neben La Belle Epoque plaziert, bemühen sich zwei seiner Kollengen, den Tieflader um die Kurfen rund ums Haus zu bringen. Auweh, wenns hier ohne Schifferl schon so eng ist, wie wollen die jemals unser gutes Stück auf die Straße bringen?!

Doch die beiden mit dem Tieflader sind bester Stimmung. Nicht jeden Tag gibts ein Schifferl zu transportieren, hier, mitten im Eferdinger Becken.

Bereits am Vortag hat sich der Chef der Truppe unsere Vorbereitungen angesehen und die von uns gebauten Stützen als gut genug erklährt, ein gutes Gefühl!

Schon arbeitet das Team am Aufbau des Krans, während weitere Freunde und Nachbarn eintrudeln und endlich gehts los. Wir positionieren zu jeder Stütze von La Belle Epoque einen Freund und klettern zu viert aufs Boot um die Gurten zu richten und Hölzer beizulegen, damit das Schanzkleid keine Schramme abbekommt. Bald wird La Belle ihren Rastplatz der letzten Jahre verlassen, doch so einfach solls nicht gehen. Der Kran fährt in die Höhe und die Gurten spannen sich. Die Holzstützen knirschen und schon stehen wir kurz vor der Katastrophe. La Belle Epoque hängt schief und während ein Mittarbeiter mit aller Gewalt La Belles Bug davon abhält, sich in die Hausmauer zu bohren stemmt sich Axel zwischen Ruderblatt und Kranstütze. Mein Herz bleibt beinahe stehen und am Patz bricht Hektik aus. Schnell, schnell, das Boot muss neu abgestützt werden und die Gurten gehören neu gesetzt. Wir haben Profis bei der Arbeit, jeder Handgriff sitzt und schon steht La Belle wieder auf festen Boden.

Ich laufe mit frischem Antifouling um den Rumpf und Jürgen bespricht mit den Arbeitern, wo die Gurten angesetzt werden müssen. Ja, ja, hier wird nun mal nicht jeden Tag ein Segelboot herumgekrant!

Also nochmal von vorne. Vier Mann hoch an die Gurten und ale Mann zu den Stützen. Schon schwebt La Belle Epoque in der Luft und der Tieflader schiebt sich unter ihren Kiel. Vorsichtig setzt der Kranführer das Boot auf die Ladefläche und alle arbeiten daran, die Yacht sicher zu verzurren. Keile werden eingeschlagen und zusätzliche Stützen werden angebracht. Auf Holztragen schleppen wir die beiden Masten zum Schaulatz damit sie aufs Deck gehoben werden können.

Schon mache ich mich auf den Weg. Mit Auto und Anänger fahre ich große Stahlplatten zur Donau, damit sich der Kran auf der Uferkante sicher aufstellen kann. Schnell noch einen Stopp beim Fleischer um Leberkäse und Semmerl zu besorgen und schon stelle ich klar, dass die Strecke zum Hafen frei von parkenden Autos ist. Meine Nerven können die Verschnaufpause gebrauchen, während ich im Verkehrsdienst höre, dass unweit von mir mit Behinderungen durch einen Schwertransport zu rechnen ist.

Während erneut Freunde im Hafen eintrudeln baut sich der Kran, der schon angekommen ist, an der Uferkante auf und wir blicken angespannt Richtung Donaubrücke. Es dauert nicht lange und schon kommt der orange blinkende Fahrzeugkonvoy einher. Was seh ich da, ich glaub ich träume! Jürgen steht am Ruder! Jetzt hat er also seinen ersten "Überstellungstörn" gefahren!

Lachend und zitternd vor Kälte erklährt er später, dass er mit der Motorsäge aufs Boot musste um einige Äste von den Bäuen zu schneiden und da gleich oben blieb!

Nun geht alles zügig! Schon fast in Rouine werden die Gurten angebracht und La Belle Epoque wird aus ihrem Gestell gehoben. Als der Kiel die Wasseroberfläche berührt ertönt von rundum Applaus. Es herrscht Hochstimmung im Haven von Landshaag während La Belles Seele lacht und das Schifferl wie selbstverständlich in ihr nasses Element zurückgleitet.

Frei von den Gurten lasse ich ihre Leinen los und Jürgen wirft die Maschine an, um das Boot an ihren vorläufigen Platz zu motoren.

Am Ufer werden die ersten Biere geöffnet und die Leberkässemmeln ausgeteilt. Ein Meilenstein ist g eschafft. La Belle Epoque schwimmt und die Tür zur Welt steht für uns offen. Die Arbeit der letzten Yachte hat sich gelont und wir beziehen zufrieden unser schwimmendes Zuhause.

Für die tolle Arbeit an diesem, für uns denkwürdigen, Tag möchten wir einerseits der proffesionellen Arbeit der Felbermair-Crew danken und andererseits speziell unsren Freunden Hubert, Minion, Herbert, Günter, Patricia, Axel, Willi und Reini, die sich den Tag für uns frei gehalten haben und uns tatkräftig zur Seite gestanden sind. Danke!

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Leben auf der Donau

 

Die Tage vergehen und die Aufregung hat sich gelegt. Schon beinahe Alltagsstimmung herrscht an Bord La Belle Epoques, denn die Zeit des Landlebens und Restaurierens ist nun fast vorbei für uns. Und es ist schön, schön auf dem Fluss unsrer Heimat zu sein. Kaum an Bord, schien es, dass die Uhren anders laufen und das Leben einen neuen Rythmus annimmt. Jeden Morgen wecken uns die Enten, denn die kleine Familie schnattert ums Boot, um uns daran zu erinnern, dass die Brotkrümel, die vom Frühstück im Cockpit übrigbleiben, erwartet werden. Fast erstaunt bin ich über die Umwelt um uns, lebe ich doch schon den Großteil meines Lebens hier am Land in Oberösterreich, und doch war mir nicht bewusst, dass auch hier die Natur vor Vielfälltigkeit strotzt und die Tier- und Pflanzenwelt um uns in einen unwahrscheinlichen Reichtum blüht.

Die Sonne brennt auf den geschützten Hafen und die Entenfamilie hat sich bereits wieder in den kühlen Schatten unterm Steg versteckt, doch auf den Steinen der Uferböschung genießt ein Salamander die Hitze und eine Wassernatter bahnt sich ihren Weg über die Granitsteine. Das Ufer bietet einen Reichtum an Wildkräuter, und ich sammle Tymian für die Küche. Die Wildrosen strecken ihre Blüten der Sonne entgegen und die Stille an Land lässt den Überlebenskampf im Wasser nicht erahnen. Doch der Hecht, der sich schon seit Tagen im Hafenbecken tummelt hat Hunger und die kleinen Fische springen und fliehen, während er seine Kreise zieht. Auch die fette Biesamratte, die ihre Gänge unter die kleine Halbinsel am Ende der Hafenbucht gekraben hat, hat Nachwuchs bekommen und die Kleinen genießen das frische Gras, das die Alte ihnen gepflückt hat. Nur die Schwäne, die jeden Abend die Ruhe der Bucht genießen, sind tagsüber verschwunden. Von den scheuen Biber sind nur die gefällten Bäume zu sehen, denn sie arbeiten erst bei nächtlicher Ruhe weiter an ihrem Damm.

Noch sind unzähliche Kleinigkeiten am Boot zu erledigen, bevor die Reise in den Norden beginnen kann und während Jürgen weiter an der Schiffstechnik feilt, sitze ich bei der Nähmaschine im Cockpit und produziere Polster und Bezüge fürs Cockpit, Segelcover und Persenninge. Die Hitze ohne Bimini ist nur noch teilweise auszuhalten und so springen wir hin und wieder ins kühle Nass. Das Leben auf der Donau ist herrlich! Und wir sind nicht die einzigen Menschen, die hier einen schönen Platz gefunden haben. Fast täglich schlagen Fischer ihr Lager am Wegesrand auf, um die Ruhe beim geduldigen Angeln zu erleben. Die Feuerwehrjugend übt sich fleißig mit der Zille, wie´s aussieht werden sie sich bald in einem Wettbewerb messen. Doch nicht nur Zillen und Pletten liegen neben La Belle Epoque im Hafen, neben uns ist die Siebnerin vertäufelt, ein Neubau, der den traditionellen Salzschiffen nachempfunden wurde und welcher bald als kleiner Höhepunkt von Aschach Freunde der Schiffahrt auf ihren Blanken willkommen heißt.

 

Doch es gibt noch mehr sonderbare und eigenwillige Schiffe hier in unsrer Bucht. Neben unsrer Hochseeyacht mit ihren gelegten Masten und dem neuen Traditionsschiff wiegt sich ein mächtiger Kriegsfischkutter im Wasser. Für die Hochsee gebaut liegt Rana schon viele Jahre im Donauwasser, denn ihr Eigner hat sie m Ufer der Donau gebaut und lebt und arbeitet schon vierzig Jahre auf seinen Schiffen. Das "Technische Biotop", das sich um das extravagante Holzschiff gesammelt hat, passt zu seinem Eigner und verbirgt viele alte Weißheiten und Ideen. Und im Laufe der Zeit wurde das schwimmende Heim vergrößert und zu Rana kamen noch drei weitere Schiffe dazu. Darunter ein schöner alter Schlepper, gebaut im Jahre 1928 und immer noch bereit, um jederzeit seine Arbeit zu verrichten.

Doch auch der schmucke Katamaran, der in jahrelanger Handarbeit aus Sperrholz entstanden ist, zieht die Blicke auf sich, auch wenn die Bewohner beider Uferseiten schon nichts Kurrioses mehr daran finden, diese doppelrümpfige Yacht hier in der Donau zu sehen. Denn der weiße Kat wurde hier gebaut und liegt schon lange Jahre in dem stillen Hafen. Er teilt sich den Platz an der Lende mit dem Kunstlabor, einem stählernen Flussboot, welches die Kuriosen Auf- und Anbauten seines Eigners trägt.

 

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Das Leben kommt immer anders als geplant!

Seit wir die Entscheidung getroffen haben, nach Österreich zurück zu kommen, war klar: wir bauen uns eine Existenz, richten uns ein geeignetes Schifferl nach unsren Geschmack und brechen auf um die Welt zu besegeln. Nun sollte der Zeitraum für diese ganze Arbeit nicht länger als 10 Jahre dauern, ein Zeitraum, der nicht zu großzügig bemessen ist um all diese Ziele zu erreichen. So weit, so gut, und wir schaffen den Zeitraum, wir sind 2001 nach Österreich zurückgekehrt und leben nun seit Frühling 2009 anbord unsres kleinen feinen Segelschifferls, das wir in jahrelanger Knochenarbeit zu unsrem Heim restauriert haben.

Zehn Jahre, eigentlich ein verdamt langer Zeitraum, gerade, wenn einem das Fernweh so drückt wie uns. Verdamt lange, wenn die eigene Lebensanschauung sich so weit vom Alltag des zivilisierten Westens entfernt, wenn das eigene Verständnis für das hier gelebte System fehlt und wenn man der Anschauung ist, das Zeit das höchste aller Güter ist, das man besitzt. Zeit, die man dazu nützen könnte, die Welt zu erleben und Natur und Kulturen zu entdecken.

Wen wunderts also, dass wir die geplanten zehn Jahre nicht hier verbringen wollen. Und wir haben uns beeilt. Wie die Wahnsinnigen haben wir an unsrem Schifferl, am Haus und in der Arbeit gewerkelt. Es gab sogut wie keinen Tag, an dem wir nicht nach der Vollzeitarbeit noch auf einer Baustelle anzutreffen waren, am Schifferl, am Haus, an einem unsrer alten Autos oder irrgendwo am Hof. Fast stehlen musste ich mir die Zeit, in der ich am Buch gearbeitet habe oder in der wir eines unsrer Hobbies nachgegangen sind.

Und das Schaffen hat sich gelohnt. La Belle Epoque ging endlich ins Wasser und mit ihr haben auch wir den Hof hinter uns gelassen. Wir haben das Schifferl bezogen und leben nun schon seit Mai an Bord, die Uhren sind wieder etwas langsamer geworden und das Leben ist zu seiner geliebten Einfachheit zurückgekehrt. Das tägliche Bad in der Donau härtet mittlerweile ab, das Leben ohne Kühlschrank ist einfach und gut und kein E-Werk der Welt könnte uns aus unsrer Ruhe bringen, denn seit Mai versorgen uns unsre Solarpaneelen mit Strom.

Doch das Leben an Bord hat nicht nur seine schönen Seiten. Denn mit der Einfachheit wächst auch wieder das Fernweh. Es zieht uns raus und jede Segelyacht, die mit gelegten Masten an uns vorbei zieht und ihren Weg in eines der Meere bestreitet, macht uns nervös und voller Sehnsucht, auch endlich unsre Leinen zu lösen und uns auf den Weg zu machen. Schon im Frühling hofften wir, endlich los zu kommen, doch das war noch Utopie. Wir mussten einsehen, dass unser Schifferl noch nicht soweit war, dass wir noch einiges an Arbeit zu erledigen hatten und verschoben so unsren Abreisetermin. Auf Herbst, so wie wir hofften.

Doch das Leben spiehlt oft anders als erhofft. Nun, im September, mussten wir einsehen, dass wir es noch immer nicht geschafft haben. Einiges ist dazwischen gekommen, einiges hat sich anders entwickelt als gedacht. Und ein letztes mal verschieben wir unsren Abreisetermin! Ein allerletztes Mal. Im Frühling, sobald das Wasser es uns erlaubt, werden wir die Stricke lösen, doch uns steht noch ein Winter auf der Donau bevor. Ob wir wollen oder nicht. Wir werden uns hier einfrieren lassen und hoffen, einen kurzen Winter zu haben, um bald aufbrechen zu können, nachdem wir unsre Arbeiten endgültig geschafft haben.

Und unterm Strich, nachdem wir 2001 zurückgekommen sind und nun im Frühling 2010 ablegen, mit neuen Jahren liegen wir ja im Zeitplan. Und so freuen wir uns auf den Winter, auf die neue Herausvorderung auf einem Schiff im Winter zu leben und auf das viele Eisstockschiessen, das wir direkt neben unsrem eingefrorenen Booterl machen werden, sobald das Eis trägt ;-)

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Selbstbauer und Weltumsegler

oder

Mein Senf zu Bobby Schenks "Wie manche Segler ihr einziges Kapital vernichten!"

Ja, jeder, der schon mal länger auf einem Segelboot unterwegs war, oder sich ernsthaft mit der Überlegung, seine eigene Blauwasseryacht zu bauen oder restaurieren geliebäugelt hat, kennt sie. Sie, die Beispiele, die mit einem Schiffsbau begonnen haben und doch nie über die Phase des Baus hinweg gekommen sind. Deren Schifferl heute den Platz im Garten hinterm Haus verstellen, oder in einem Werftgelände vor sich hin gammeln. Was also leichter, den Bau eines Bootes in Eigenregie zu vertäufeln und allen Lesern den gut gemeinten Tipp geben, sich einer Serienyacht anzuvertrauen und die Leinen los zu werfen um mit dem Passat den Sonnenuntergang entgegen zu segeln. Denn laut Herrn Schenks Beurteilung ist der Beweis, dass hunderte Yachten aus der Serienproduktion nahmhafter Hersteller um den Globus (oder vielleicht auch nur aus dem europäischem Raum, dass geht aus seinem Artikel leider nicht hervor) heute schwimmen, Grund genug, deren Konzepte über den Haufen zu werfen und ihnen das Prädikat "Weltumsegleryachten" zu geben. Ganz sicher ist dabei jedoch nicht, ob es sich bei diesen geplanten Weltumsegelungen um die tausendfach besprochene Barfußroute handelt oder ob mit allen Serienyachten auch Abstecher in andere Teile der Welt empfohlen werden. Was jedoch, das möchte ich hier mal ausdrücklich erwähnen, nicht heißen soll, dass ich eine Weltumsegelung entlang der ausgetretenen Pfade der Barfußroute nicht ebenso als eine großartige Leistung sehe und ich dafür nicht ebenso ein geeignetes Boot fahren würde.

Doch halt, von welchen Konzepten von Serienyachten schreibe ich hier eigentlich und ist es den überhaupt legitim, anzunehmen, dass Yachten ebeso wie Autos, Wohnwagen, Häuser, Computer und viele weitere Dinge, für bestimmte Zielgruppen konzipiert werden und daher auf verschiedene Schwerpunkte hin entwickelt wurden. Kann denn der Konsument nicht davon ausgehen, dass zum Beispiel einer 40ft Hutting ein anderes Konzept zugrunde liegt als sagen wir mal einer 40 füßigen Bavaria. Ist es denn nur ein Zufall, dass man nur selten eine Hallberg Rassy im Charterbetrieb großer Anbieter trifft? Ja, soll dass denn am Schluß sogar heißen, dass die verlockende Preisgestaltung vieler Großserienyachten mit der Herzensgüte der dahintersteckenden Aktionäre oder Eigner der Kundschaft gegeüber zu begründen ist? Oder gibts da vielleicht doch auch Unterschiede im Konzept und in der Qualität der Yachten?!

Nein, ich will hier auf keinen Fall sagen, dass vergleichsweise billige Großserienyachten keine Qualität haben und nicht auch auf Langfahrt gehen können (auch wenn mich keine zehn Seepferdchen mit sowas über einen Ozean bringen könnten...). Doch mal dumm gefragt (denn laut Bobby Schenk dürften wir, die auf den reichen Schatz an Erfahrungen der Großserienyacht-Herstellern verzichten, ausgesporchen dumm sein): Wer hat schon mal ein Serienwohnmobil, welches vielleicht auch noch mit möglichst vielen Schlafplätze für Vermietungsbetriebe ausgestattet ist, auf einer Familienexpedition durch die Wüste gesehen? Würden wir das nicht als blöd, oder sogar unverantwortlich einschätzen? Weshalb leben alle an Land Gebliebenen nicht in großen Gartenhütten vom Baumarkt anstelle sich fürs Leben zu verschulden für ein schönes Einfamilienhaus? Diese Gartenhütten stehen doch auch recht schick herum und es regnet offensichtlich nicht hinein! Kann es sein, dass hier dem Leser Birnen für Äpfel verkauft werden???

Und, stellt eine Aufzählung an gescheiterten Eigenbauprojekten nicht etwa eine fragwürdige Subjektivität dar? Ja, es gibt sie, die gescheiterten Projekte und auch jene Projekte, während derer Lebensdauer sich die Grundlagen und Bedingungen geändert haben. Doch gibt es auch jene Yachten, die mit vielen der Bedingungen, denen sie auf Langfahrt ausgesetzt sind, nicht standhalten können. Die gefährlich überladen und mit maximaler Anstrengung und Überbelastung der kleinen Blauwassercrews um die Welt geschunden werden, um dann, oft schon in der Karibik, von der frustrierten oder gar verängstigten Crew liegen gelassen werden. Da kommt mir ja glatt das Gefühl hoch, dass die Aussage, gebrauchte Chateryachten sind unkaputtbar, doch auch jener subjektiven Anschauung zu Grunde liegen, die auch den Selbstbau als Zeitverschwändung deklariert. (Eine Aussage die ich doch fast als lächerlich einstufen möchte...)

Da muss ich an einem weiteren, sehr interessanten Bericht auf Bobby Schenks homepage denken. Im Bericht "Sturm der Stürme" erzählt Svante Domizlaff von dem Segler I PUNKT, aus dessen GFK-Balsa-Sandwich Rumpf die Sturmsee handtellergroße Placken herausgerissen hat. Klar, die I PUNKT war sicherlich ein Regattersegler, doch zeigt dieser Bericht ganz schön, dass eben nicht jedes Schiff für jeden Anspruch gebaut wurde?!

In einem kann ich Herrn Schenk jedoch getrost recht geben: Nicht für jedermann ist der Griff zum Werkzeug, um eine Yacht zu bauen (oder restaurieren), die beste Entscheidung. Ung ganz bestimmt sollte jeder zuserst einmal praktisch herausfinden, welche Yacht am besten zu einem selbst passt, bevor alle Register gezogen werden. Doch eine Weltumsegelung, oder auch Weltbesegelung, ist eine sehr persönliche Sache und in vielen Fällen gar ein Ausbruch aus der Konsumgesellschaft, weshalb gerade der Kauf von Großserien schon alleine deshalb eine falsche Entscheidung sein kann.

Obendrein kann ich mit ruhigem Gewissen sagen: Nachdem wir bereits 3 Yachten selbst restauriert habe (und jeder kann sich hier auf unserer homepage selbst vom Restaurationsaufwand LA BELLE EPOQUES überzeugen), haben wir in Yachtbau, Yachtrestauration oder auch Yachtausbau als eine spannende Geschichte entdeckt, die uns viele Erfahrungen bringt und genauso wie Segeln ein interessanter Lebensabschnitt sein kann.

Trösten kann ich auch alle, die sich nicht über einen Selbstbau stürzen wollen, am Markt sind genügend Alternativen an "Traumyachten" zu finden, welche, in Serie oder nicht, für das Langstreckensegeln mit kleiner Crew konzipiert wurden. So nenne ich hier einmal die viel gelobten Felz-Schiffe, von denen zumindest ich noch keine schlechte Silbe gehört habe. Ganz zu schweigen von der bereits erwähnten Hutting. Oder, wenns denn lieber in GFK sein soll, eine schmucke Hallberg Rassy, die Yachten von Westsail und Island Package, oder die schönen, klassischen Formosas, die rund um den Globus anzutreffen sind. Und keine Sorge, die Liste an blauwassertauglichen Yachten ist lang, weshalb sich "Traumyachten" für jedes Blauwasserherz finden lassen sollten.

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Eine stille Zeit, Weihnachtsgedanken an Bord

Leise knistert das Feuer im Ölofen und erfüllt die Kabine mit wolliger Wärme. Bald schon ist es wieder dunkel draußen und die vielen Lichter an Bäumen und Häusern entlang beider Uferseiten verbreiten ihren vorweihnachtlichen Glanz. Ruhig ist es hier an Bord, Sonderangeboten und Weihnachtsstress schaffen es nicht bis in unsere kleine Hafenbucht und fast scheint es, als ticken die Uhren an Bord ein wenig langsamer. Man könnte meinen, dass wir es doch noch einmal schaffen, die Weihnachtszeit ohne "Last Christmas" und hysterischen Weichnachtswerbungen zu erleben. Wir verbringen nicht zum ersten Mal die Weihnachtszeit an Bord und schöne Erinnerungen steigen mir in den Kopf, wenn ich an unser erstes Weihnachten unterwegs auf IRIHS MIST denke.

Schon einige Monate unterwegs, hatten wir bereits Freundschaften unter den Fahrtenseglern geschlossen, und weit weg von unseren Familien rückten die Fahrtensegler ein klein wenig zusammen, um gemeinsam ein erinnerungswürdiges Fest zu feiern. In La Paz, dem Fahrtenseglertreffpunkt in Mexico schlecht hin, sollte die Feierlichkeit stattfinden, eine kleine Halbinsel unweit vom Ankerplatz wurde auserkohren, für die Crews von über zwanzig Segelyachten Platz zum Feiern zu bieten.

Schon Tage vorm heiligen Abend wurde organisiert und gearbeitet, Müll auf der Halbinsel musste weggeräumt und Feuerholz gesammelt werden, ein Truthahn wurde organisiert. Und schließlich kam der 25. Dezember, schon früh am Morgen ging es geschäftig zu am Ankerplatz. Der riesige Truthahn musste gebraten werden und jede Yacht sollte einen, mit leckeren Weihnachtsspeisen gefüllten Topf bereiten, der zum grandiosen Pot-Luck am Abend beitragen würde. Kekse und Weihnachtskuchen wurden gebacken, Geschenke für die Cruisingkids verpackt und Weihnachtsschmuck und Girlanden auf die Insel gerudert. Bis schließlich die Dämmerung einsetzte und das große Lagerfeuer auf der Halbinsel den vielen Seglern verkündete, dass alles bereit sei und das Fest beginnen konnte. Schon bewegte sich eine wahre Prozession an vollbesetzten Dinghies auf die Halbinsel zu, viele Segler kamen gekleidet in ihren schönsten Kleidern aus der Heimat oder von unterwegs, auch wenn es bei unserer kleinen großen Weihnachtsfeier keinen Dresscode gab, eines verband uns alle samt: unser Schuhwerk beschrenkte sich maximal auf leichte Sommersandalen, welche die meisten jedoch für spätere Stunden im Dinghy liegen ließen.

Und so genossen wir unseren Weihnachtsabend, die Füße in den warmen Sand gesteckt, einen Becher Eggnog in der einen Hand und ein kunterbunt gefülltes Teller in der anderen, saßen über fünfzig Segler rund ums große Lagerfeuer und die mit Weihnachtsschmuck verziehrte Palme verteilt und schwatzten und aßen, während die Kinder ungeduldig auf ihren großen Auftritt an den Pinatas warten mussten. Ihre Geschenke hatten die meisten ja bereits am Morgen gefunden, auch wenn der Santa Claus nur bei den wenigsten Yachten durch den Schornstein gepasst haben konnte. So bunt wie unser Weihnachtsbuffet waren auch die Geschenke ausgefallen, besonders hoch im Kurs dieses Weihnachtsjahr aber lagen offensichtlich selbst gebastelte Muschelketten, welche von den Beschenkten nun stolz um die Hälse getragen wurden. Jetzt wurden unter den segelnden Kindern Geschenke ausgetauscht, Andenken an Freundschaften, die so kurz und intensiv sein sollten, wie sie nur wenige Kinder erleben werden. Doch nicht nur untereinander hatten sich die Cruisingkids in diesem Jahr beschenkt, schon Tage vor Weihnachten wurden die Schiffe bis in die kleinsten Schapps auf alte Spielsachen und schöne Geschenke durchsucht, geliebte Teddybären, Zeichenstifte und Spiele wurden fünf mal zur Hand genommen und abgewogen, ob sie für die Weiterfahrt noch gebraucht wurden oder doch besser hier in La Paz Freude bringen sollten. Denn die Kids hatten zur Spielzeugsammlung aufgerufen, die auserwählten Geschenke hatten sie bereits am Morgen des Weihnachtstags an die Kinder von La Paz verteilt. Und endlich sollte auch der mexikanische Teil unserer Feierlichkeiten stattfinden und die Kids hüpften voll Vorfreude um die, mit Süßigkeiten gefüllten und aus Pappmaschee hergestellten Pinatas, auf die sogleich auch mit Stöcken eingeschlagen wurde, damit sie ihr süßes Inneres in den Sand verstreuten, unter viel Gelächter konnte sich auch der eine oder andere Erwachsene nicht davon aufhalten lassen, auch mit verbundenen Augen der begehrten Pappmascheefigur an den Leib zu rücken und hin und wieder musste ein herumstehender Segler den tollwütig um sich Schlagenden ausweichen.

Bis spät in die Nacht saßen wir um das immer kleiner werdende Lagerfeuer, lauschten den Musikern unter uns und genossen das süße Aroma der vielen Kekse und Weihnachtsbäckereien, die unseren großen Pot-Luck abschlossen.

Schon Jahre sind seit dieser schönen Zeit an Bord IRISH MISTs vergangen, und wenn ich an die vielen Erlebnisse und Eindrücke dieser Reise zurück denke, so freue ich mich umso mehr, wieder an Bord einer Segelyacht zu leben und schon bald wieder die Leinen lösen zu können. Doch diese Weihnachten werden wir noch einmal im Kreis der Familie feiern, wenn auch nur der halben Familie, die hier in Österreich lebt. Wir werden mit Freunden Abende an Punschstände verbringen und uns dabei auf den warmen Salon unserer LA BELLE freuen, werden Bratwürste grillen und Kekse verschlingen und Hektik und Einkaufstress weit weg von uns vorrüberziehen lassen.

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Abschied vom österreichischen Christkindlmarkt, oder, unsere Monsterpunschtour!

Ja,ja, manchmal ist die Adventzeit die Zeit der Gedanken. Und unsere Gedanken drehen sich doch wirklich ständig ums Ablegen. Wen wudert´s da noch, wenn mir da so einfällt, dass ich vielleicht für längere Zeit das letzte Weihnachten in Österreich verbringen werden. Und da ich Abschiedsfeste liebe - denn Abschiedsfeste schmecke großartig nach neuen Erlebnissen und nach Abschied vom Alltag - muss ich glatt drüber nachdenken, wie man sich denn eigentlich von Weihnachten in Österreich gebührend verabschieden kann!

Aber halt, eigentlich kam ja alles ganz anders! Denn letzte Woche, als das verhasste Händy wieder mal klingelte, ging - Pech für ihn - Jürgen drann. Und schon kam er nicht mehr aus, vorm Treffen beim Punschstand in Eferding. Zu meiner Freude, denn, noch nie, seit ich die Wirren der Teenagetage erreicht hatte - hatte ich einen vorweihnachtlichen Besuch am Punschstand ausgelassen, ja, noch nie, bis...bis wann eigentlich? Ach ja, sieh sich das einer an, noch nie, bis ich schließlich mein Leben mit Jürgen teilte. Jürgen, dem Punschstandmuffel!

Und da standen wir also, bewaffnet mit Glühmost und Bratwurst und in der Gesellschaft von Manu und Hannes, und dachten über die vielen schönen Punschstandln in Österreich nach. Was soll man sagen, ein Wort ergibt das andere und der Plan wächst.
Schon ist es klar, wie man sich gebührig von Weihnachten in meinem Geburtsland verabschieden kann! Heute kann ich sagen, wir haben uns verabschiedet! So verabschiedet, dass ich sicherlich wieder Jahre ohne österreichischen Christkindlmarkt und Punschstandln auskommen kann, ja, ich bin jetzt fast überzeugt, dass ich Jahre benötigen werde, bis ich mir jemals wieder an einer Holzhütte, ohne Revolte in der Magengegend, einen Jagatee oder einen Glühmost bestellen kann, nach unserer Monsterpunschtour!

Monsterpunschtour?!

Ja, Monsterpunschtour! Denn am Freitag bestaunten wir, mit warmen, klebrig-gezuckerten, billigen Alkohol im Becher die vielen Mozartkugeln am Salzburger Christkindlmarkt, spühlten unsere Kehlen im Irish Pub wieder halbwegs zuckerfrei, um eine "erholsame" Nacht im Sechsbettzimmer in der salzburger Jugendherberge zu verbringen. Weiter gings nach Wien, wo wir gleich eine ganze Auswahl von Christkindlmärkte bestaunen durften, unter den glitzernden Vordächern der Standeln regelrecht durchgeschoben wurden und uns beinahe ins finanzielle Verderben an ihren Punschständen warfen. Nach einer Besuch von echter Wiener Hüttengaudi :-( in einem wiener Beisl, war ich dann schon beinah froh, ins Hotelbett fallen zu können.

Und das Highlight: in unserer Kulturhauptstadt und am von Jugendjahren bekannten Punschstand am Linzer Hauptplatz schlossen wir am Sonntag unsere Punschtour mit einem heimatlichen Glühmost.

So kann ich heute sagen, ich hab mich von Weihnachten in Österreich gebührend verabschiedet... und...es war echt toll.
Noch die gemütliche Feier im Kreis von Jürgens Familie und schon kann von mir aus der Frühling kommen, damit wir endlich ablegen können!!

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Blau

Frischer, salziger Wind streicht mir übers Gesicht und füllt meine Lungen mit kaltem Sauerstoff. Das Rauschen der Bugwelle mischt sich mit der leisen Musik von Xavier Rudd, die aus den Lautsprechern im Schiffsinneren summt.

Ich schwimme in einer Welt aus blau. Die Nordsee unter uns reicht bis an den Horizont und glitzert im Sonnenschein herrlicher als alles Gold der Welt. Der Himmel ist tiefblau und einzelne Wolkenfetzen weit über mir geben ein Gefühl der endlosen Weite. Nur dort, wo der Himmel das Meer küsst, ändert er seine Farbe in ein dunstiges Weiß. Kein Land ist in Sicht, ich habe den Kurs weit raus gewählt, denn wir wollen die Nacht am Meer verbringen.

Ich sitze am Steuer von La Belle Epoque und halte sie mit einer Hand auf 10 Grad Nord. Mit der kleinen Kreuzfock und dem Großsegel läuft sie ausgeglichen den Wellen entgegen und verlangt nur hie und da eine kleine Kurskorrektur. Neben mir schläft – in zwei Decken eingewickelt – meine zweite Seele. Der Stress und die Anstrengung der letzten Jahre in Österreich sind endgültig von uns gefallen und meine, vom Staub der letzten Jahre, angeschlagene Lungen atmen langsam wieder frei.

Ich könnte schreien vor Glück, denn ich habe alles auf der Welt, wovon man träumen kann und bin unheimlich glücklich und dankbar darüber. Ich muss an die Worte denken, die Seenomadin Doris ( www.seenomaden.at ) gesagt hat, dass sie manchmal schon Angst vor der ungesicherten Zukunft hat. Ich habe viel darüber nachgedacht. Und möchte ihr am liebsten so laut und fröhlich ich kann zuflüstern: Nein, du gehörst nicht zu den Menschen, die Angst vor ihrer Zukunft haben brauchen. Denn du gehörst zu den Glückskindern, die ihr Leben so geleitet haben, dass sie alles haben, was man sich für eine schöne Zukunft wünschen kann. Eine Beziehung, von welcher manche Menschen wahrscheinlich nicht einmal wissen, dass es sie in dieser Intensität überhabt gibt, die Zeit, die man braucht, damit der eigene Herzschlag mit dem Takt der Natur in Gleichklang schlägt, die Freiheit, die jedes Individuum braucht, um sich richtig entfalten zu können, die Lust und den Mut, diese Freiheit auch mit beiden Händen zu packen und das Privileg, für die eigenen Entscheidungen auch Verantwortung übernehmen zu können.

Du hast nicht nur ein trockenes Dach über den Kopf, sondern auch einen dichten Rumpf unter den Füßen! Du hast den Horizont in den Augen und den Wind im Gesicht. Es gibt viele Menschen, welche Grund zur Angst haben können, wenn sie an ihre Zukunft denken. Und selbst die Vorstellung, auf alle Eventualitäten gut vorbereitet und abgesichert zu sein, kann daran nichts rütteln. Denn was hilft die ganze Vorsorge – die bei manchen so weit geht dass sogar die eigenen Begräbniskosten abgedeckt sind – wenn man dabei vergessen hat, seinen Träumen zuzuhören und die eigene Natur zu leben, wenn man dabei einsam ist oder wenn man seine eigenen Gefühle hinter einer hohen Mauer an Missmut und Unverständnis gesperrt hat.

Ich bin mir sicher, dass Menschen, die es gewagt haben, sich auf ihren Instinkt und ihre Gefühle einzulassen, eine schöne Zukunft vor sich haben und dass das Leben in fast allen Situationen eine positive Wendung nehmen kann, auch wenn man mal harte Zeiten erlebt. Und die schöne Nordsee unter mir wiegt mich – fast als sei es eine Bestätigung meiner Gedanken – sanft und immer weiter den Horizont entgegen, während Xavier Rudd mir eine schöne Reise wünscht „I know you are strong, may your jorney be long and I wish you the best of luck“

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