Der ‚Schwarze Fluss‘

Vom Schwarzwald bis ins Schwarze Meer, welchen passenderen Namen sollte die Donau deshalb tragen als der „Schwarze Fluss“. Doch die Donau trägt noch viele Namen, so lässt uns der Binnenwasserführer „Die Donau“ wissen:

Die Rumänen nennen sie Dunarea, auf Bulgarisch, Serbisch und Kroatisch heißt der Fluss Dunav, in Ungarn taufte man ihn Duna, während er in der Slowakei und der Ukraine Dunja genannt wird. Alle diese Namen stammen vom lateinischen Wort Danubius ab, dem Namen eines römischen Flussgottes. Der Name könnte aber auch keltischen Ursprungs sein, weil „Danu“ im Keltischen „Fluss“ bedeutet. Die Donau von Melanie Haselhorst und Kenneth Dittmann

Wie auch immer, wir fühlen uns auf der „Doana“, wie wir sie salopp nennen, richtig wohl.

Die Donau
Der Kanal liegt hinter uns und von nun an schiebt die Donau kräftig mit!

Und auch ANGELA K genießt die leichtfüßige Fahrt im Strom.

Bald schon liegt Regensburg hinter uns. Im Sonnenschein ziehen wir unter Walhalla vorüber. Und auch das Anlegen bereitet keine Kopfschmerzen mehr, haben doch die Schleusen hier schöne Sportbootanleger, auf denen wir auch übernachten dürfen. Nach 60 unbeschwerte Flusskilometer machen wir heute schon früh in Geisling Feierabend.

Walhalla
Eine Besuch von Walhalla lassen wir dieses Mal aus. Es fehlt einfach an einem guten Anleger!

Die Schleuse Straubing lässt uns auf den nächsten Flusskreuzfahrer warten. Und endlich erreichen wir den schönen, nicht ausgebauten Teil der Donau. Bis Vilshofen ist hier die Donau breit und seicht. Sandige Buchten, hübsche Ufervegetation und unzählige Buhnen prägen das Bild.

Und wir sind nicht die Einzigen, die den Fluss genießen. Überall am Ufer tummeln sich Sonnenhungrige. Duft von Gegrilltem zieht übers Wasser, Angler halten neben ihren Ruten auch an Bierflaschen fest und das eine oder andere Sportboot zieht an uns vorüber. 

Ein besonderes Highlight erreichen wir gleich nach Deggendorf.

Die Isa-Mündung ist bekannt für ihre starke Strömung, ihre Untiefen und ihre engen Fahrwasser. Sind wir mit dem Auto in Deutschland unterwegs, gehört der Stopp am Autobahnparkplatz neben der Isamündung stets dazu: Ist es doch immer wieder spannend, die Schiffe bei der Durchquerung dieses gefährlichen Streckenabschnittes zu beobachten.

Nun aber heißt es volle Konzentration, denn wir stehen nicht am Parkplatz, sondern rasen mitten durch die Engstelle. 19 km/h, 20 km/h. ANGELA K ist nicht mehr zu stoppen und ich ziehe meinen Hut vor den Kapitänen der großen Pötte, die hier durchkommen. 

Hinter uns zieht Tom durchs Wasser. Immer noch begleitet er uns, stellt sicher, dass wir auch wirklich nach Österreich zurückdampfen und nicht irgendwo unterwegs unsere Pläne über den Haufen werfen.

Schleusenfahrt
Immer noch begleitet uns Tom mit seinem ROTEN OKTOBER

Aber keine Sorge. Unser Plan, ANGELA K nach Oberösterreich zu bringen, um sie zum neuen Glanz erstrahlen zu lassen, steht immer noch.

Mittlerweile fühlen wir uns mit dem Boot verbunden.

Freuen uns darüber, eine so sympathische „Alte Diva“ als zweites Boot gefunden zu haben. Sind begeistert, nun zwei hochwertige Schifferl unser eigen nennen zu können. Zwei Stahlschifferl, die uns in Kombination kaum noch ein Gewässer verwehrt lassen: Mit der Motoryacht stehen die Flüsse und Wasserstraßen offen, mit der Expeditionssegelyacht der Rest der Wasserwelt!

Klar, manchmal nennen wir ANGELA K unser ‚Flusskisterl‘. Denn wer einmal die Fahrt mit einem gutgebauten Segelrumpf gewöhnt ist, dem ist die Fahrt per Stahlverdränger-Motorboot doch etwas gewöhnungsbedürftig. Immerhin „schneidet“ ANGELA K nicht leichtfüßig durchs Nass, viel mehr schiebt sie sich kraftvoll vorwärts. Ein bisschen wie eine Kiste, eben.

Ankern am Rhein
Wir fühlen uns zuhause auf unserem Binnenkisterl!

Dafür hat so ein Flusskisterl noch andere Qualitäten: Der Platz an Bord ist genial und die alte Mahagonieinrichtung lädt zur Gemütlichkeit ein. 

Ein paar Kleinigkeiten werden wir wohl auch auf diesen Boot umändern, aber auch das ist eben typisch wir. Natürlich wird die vordere, zweite Toilette einer kleinen Werkstätte weichen. Und anstelle der Gästebetten im Bugbereich wird mein bootseigenes Büro entstehen. Anstelle der zweiten Essecke wird Sofa und Holzofen Platz finden und die Isolierung der Fenster müssen wir wohl für den Wintereinsatz nachbessern. 

Auch ein wenig Auffrischung wird ANGELA K von uns bekommen.

Ein bisschen weniger Seefahrts-Schmuck, dafür etwas mehr Farbe. Ein paar Teppiche weniger und neue Vorhänge. Aber die hochwertige originale Einrichtung werden wir im großen und ganzen nur auffrischen und pflegen. Wir werden ein paar hässliche Rosttränen in den Bilgen entfernen und die Tohuwabohu-Verkabelung ausmisten.

Vor allem aber werden wir ihr das kaputte Teakdeck vom Deck reißen, ihr Deck sanieren und der alten Lady ein neues Lackkleid verpassen. Und so wie wir uns kennen, bleibt die stolze Lady spätestens dann nicht mehr traurig weiß. Unsere neue Farbwahl steht auch schon so gut wie fest! Fehlt nur noch die RAL-Nummer für die Bestellung des Lacks. Aber auch dafür haben wir schon eine Lösung: Unsere Freundin Christine wird uns damit versorgen, sobald sie Zeit findet, ihre lackierten Fingernägel an die Farbkarten zu halten!

kaputtes Teakdeck
Das kaputte Teakdeck muss runter. Aber wir wollen ohnehin kein Holzdeck am Stahlschifferl!

Der Schleusenwart von Kachlet sieht kein Problem, wenn wir an seinem Sportbootanleger für die Nacht verbleiben wollen.

Allerdings versteht er nicht ganz, weshalb wir heute noch Schleusen wollen. ‚Bleibt doch am Anleger im Oberwasser‘ – kommt sein gut gemeinter Rat. 

Wir aber wollen noch eine letzte Schleusenfahrt für diesen Tag hinter uns wissen und bitten um den Anleger im Unterwasser. Und so geht´s propt durch die vorletzte deutsche Schleuse.

Spätestens beim Einbiegen zum Sportbootanleger im Währarm des Unterwassers wird uns klar, weshalb der Schleusenwerter das Oberwasser vorgeschlagen hat: Das Kraftwerk läuft auf Hochtouren und die Strömung im Flussbereich des Kraftwerkes ist extrem. Mit aller Kraft und dem Einsatz von beider Motoren schaffen wir es an den Anleger. Tom manövriert schneidig längseits, hat sein kleines Bötchen mittlerweile mehr als im Griff.

Wir bringen doppelte Festmacher aus und bald schon vertreiben uns die vielen Mücken ins Bootsinnere. Feierabend im Wildwasser! Die Sorge, wie wir von hier loskommen, ohne von der enormen Strömung in den Brückenpfeiler hinter uns getrieben zu werden, verschieben wir auf Morgen!

Mit etwas Vorsicht, ein paar extra Leinen und zwei Motoren geht auch das Ablegen am nächsten Morgen glatt, während Tom bereits über alle Berge scheint. In Passau holen wir ihn wieder auf, gleiten durch die sehenswerte Altstadt und erreichen schließlich die letzte Schleuse Deutschlands: Auch in Jochenstein werden wir prompt und ohne Großschifffahrt zu Tal befördert. 

Passau
Die schöne Altstadt von Passau fahren wir nebeneinander!

Wir durchqueren unbeschadet die gefährlichen Gewässer der Nixe Isa.

Weder muss die kleine Schwester der Lorelei uns mit einem Lichtstrahl durch Not und Nebel leiten, noch verfallen wir ihren verführerischen Lockungen und Gesang, um für immer in ihren Felsenschloss unterm Jochenstein gefangen zu werden.

Nixe Isa
Die Nixe Isa lässt uns ungeachtet passieren

Und so erreichen wir den österreichischen Teil des schwarzen Flusses. Wir ziehen entlang der uns wohlbekannten Ufer, durch ein Donautal, das wir schon unzählige Male per Boot, per Fahrrad, zu Fuß, per Auto, Bus und Motorrad abgefahren haben.

Im Yachthafen von Schlögen legen wir eine kurze Mittagsrast ein, bevor wir den traumhaft schönen Fluss durch die Schlögener Schlinge folgen und die Fahrwasser des Donaubusses kreuzen.

Dann erreichen wir unsere vorerst letzte Schleuse.

Aschach liegt einsam und verlassen da, das Schleusentor der rechten Kammer steht offen und wir sehen uns schon endgültig im Zielhafen von Landshaag einlaufen.

Doch wir werden eines Besseren belehrt. ‚Nächste Sportbootzeit ist um 17:00 Uhr‘ raunt uns der Schleusenwärter zu. 

Nanu, nach 56 deutsche Schleusen, die allesamt für uns ihre Tore öffneten, ist das ein wahrlich ernüchternder Empfang im Heimatland.

Auf ein Berufsschiff brauchen wir erst gar nicht hoffen, klärt uns doch das leere Bild auf Marinetraffic auf, dass sich weit und breit nichts regt. 

Aber kein Problem. Von einem schlecht gelaunten Schleusenwärter lassen wir uns unseren letzten herrlichen Donautag nicht vermiesen, besser, einfach zweieinhalb Stunden im Schleusenvorhafen festmachen und die Sonne genießen.

Die lachende Sonne scheint auch die schlechte Laune des Scheusenwärters zu schmelzen. Nach einer Stunde schaltet die Ampel grün und wir bekommen die knappe Weisung, in die offene Schleuse einfahren zu können.

Geht doch! Wenige Kilometer weiter geht damit unser heuriges Flussabenteuer zu Ende. Vor uns liegt das nächste Abenteuer: Die Operation Bootstransport und Stahlbootrestauration! Da dürfen wir nur hoffen, dass auch etwas Zeit fürs Segeln bleibt!

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