Leuchttürme haben uns schon immer angezogen, wie der Speck die Maden. Und hier, auf der französischen Île d’Ouessant, steht ein ganz besonderer Leuchtturm: den
Phare du Créac’h
Ein Leuchtturm, der genau genommen für ganz Europa bedeutsam ist – signalisiert er doch gemeinsam mit dem Bishop Rock Lighthouse in England den Eingang zum Ärmelkanal. Jener Wasserstraße also, durch die Europa versorgt wird und die Abschnittsweise den dichtesten Schiffsverkehr der Welt verzeichnet.
Ein Leuchtturm, der heute nicht nur als „Monument historique“ in Frankreich unter Denkmalschutz steht, sondern der auch seit 1888 der lichtstärkste Leuchtturm Europas ist und zu den leuchtstärksten der Welt zählt. Sage und schreibe bis zu 32 Seemeilen – und damit knapp 60 Kilometer – weit leuchtet er aufs Meer hinaus.

Ganz klar, der Phare du Créac’h ist ein Leuchtturm, den wir unbedingt genauer kennenlernen müssen. Und von dem wir unser ganz persönliches Souvenir – in Form eines gelungenen Fotos – haben wollen.
Und wir haben Glück: der Wetterbericht verspricht uns einen fast wolkenlosen Abend und der ohnehin kaum spürbare Wind sollte noch komplett einschlafen.
Wir packen zwei Rücksäcke mit Kamera und Fotoequipment ein, stecken eine Flasche Wein und zwei Becher ins Seitenfach und marschieren los.
Auf der Inselstraße ist kaum Verkehr. Ein paar Touristen sind mit gemieteten Fahrrädern unterwegs, der Bus fährt einmal an uns vorüber. Die Autos lassen sich an diesem Nachmittag mit einer Hand abzählen. Die sandige Erde ist trocken und heiß, immer wieder bleiben wir an wilden Brombeeren stehen, um einige in den Mund zu pflücken.

Dann haben wir die Küste erreicht, schlendern entlang der Felsen und lassen uns von der Weite verzaubern. Ruhig liegt das Meer voraus, wie tausende Diamanten glitzert das Sonnenlicht an seiner dunkelblauen Oberfläche.
Das Museum am Leuchtturm ist wegen Bauarbeiten geschlossen, der Leuchtturm fasziniert auch so.
Die Fundamente der einstigen Unterwasser-Nebelglocke lassen erahnen, wie gefährlich dieses Gebiet für die Schifffahrt war.
Um die Navigation von Schiffen zu erleichtern und sie auch bei Schlechtwetter und Nebel rechtzeitig vor den Felsen der Insel zu warnen, wurde hier einst eine luftdruckgesteuerte Glocke an einem dreißig Meter langen Metallausleger sieben Meter tief ins Meer gesenkt. Mit speziellen Hydrofonen an Bord ließ sich dieses Signal klar empfangen und auswerten. Eine Konstruktion, die zwar effektiv arbeitete, allerdings auch extrem wartungsintensiv war und gleichzeitig nur jenen nutzte, die ein Empfangsgerät – das Hydrofon – mitführten.

Wir lassen das Nebelglocken-Fundament hinter uns.
Ziehen Kreise um den Leuchtturm auf der Suche nach dem schönsten Fotospot.
Und der ist schnell gefunden. Nun müssen wir nur noch Stativ und Kamera aufbauen und warten, bis die Sonne untergeht und der Leuchtturm seine tägliche Arbeit aufnimmt.

Das Warten fällt nicht schwer. Wir sippen hin und wieder an einem Gläschen Wein, betrachten eine langsam vorbeiziehende Segelyacht, genießen die Sonnenstrahlen. Dann färbt sich der Himmel langsam im warmen Licht der Abendsonne. Das Bild vor uns wird mit jedem Augenblick schöner, während die Sonne sich langsam hinter den Horizont neigt.

Die Weinflasche ist leer, unzählige Bilder sind im Kasten.
Ich will trotzdem noch nicht von meinem Felsenplätzchen aufstehen und gehen. Zu schön, zu lau ist der Abend. Da plötzlich beginnt das Lichtspiel. Leise, fast schüchtern kommt die erste Lampe des Leuchtturms zum Vorschein. Minuten vergehen, bis es seine endgültige Helligkeit angenommen hat. Dann wird das zweite Licht zugeschaltet. Kein Feuerwerk könnte uns jetzt mehr begeistern. Wir jubeln, als der Leuchtturm stolz sein volles Licht über unseren Köpfen dreht. Noch einmal wird darauf los geknipst.

Zufrieden spazieren wir zurück über die Insel. Zufrieden, und vielleicht auch ein klein wenig beschwipst. Ein Meer aus Sternen leuchtet über uns, während wir die menschenleere Inselstraße zurückwandern. Im Dorf selbst herrscht Partystimmung. Die Fenster von Bars und Cafés stehen offen, drinnen und draußen wird der laue Sommerabend gefeiert. Wir bleiben nicht stehen, schlendern gemütlich zurück zum kleinen Hafen, wo unser Dingi wartet.
Die Flut ist zurück, wir müssen das Beiboot nicht erst ins Wasser heben, um zurück zum ruhigen Ankerplatz zu rudern. Während Millionen Sterne über uns funkeln und die vielen Ankerlichter rund um uns glitzern, erleuchtet das Meer unter uns mit jedem Ruderschlag, als wäre es selbst gefüllt mit Sternen!










