Schweden ganz anders

Schweden ganz anders. Das ist wohl die einfachste Beschreibung der Insel Öland. Eine Abwechslung, die uns unverzüglich aus dem Trott des Schärensegelns herausholt. 

Keine enge Wasserstraße, kein rundum geschützter Ankerplatz, keine rundgeschliffenen Felsbuckeln, keine bewaldeten Ufer, kein Schilf. Dafür eine langgezogene, schmale und flache Insel. Mit kleinen, liebenswerten Yachthäfen, hübschen Leuchttürmen, untiefen Kalksteinküsten, weißen Sandstränden, tiefen Kiefernwäldern, unzähligen Steinhäuschen und Campingplätzen an jedem Hafen.

Die Insel Öland, 137 km lang, aber nur maximal 16 km breit, deren höchster Berg mit geringen 57 m über Seehöhe sich nur wenige Meter höher als die Leuchttürme der Insel in den Himmel streckt. 

Meerjungfrau in Oskarshamn
Die kleine Meerjungfrau am Fähranleger von Oskarshamn wartet auf die Fähre nach Öland. Wir wollen nicht warten und segeln von hier aus selbst zur Insel.

Wir laufen Sandvik an.

Einen kleinen Yachthafen an der Nordwestküste der Insel Öland. Nach vielen Nächten vor Anker in den schwedischen Schären wollen wir endlich wieder einmal unsere Motorräder an Land heben und eine kleine Insel-Spritztour fahren. Wie sich herausstellt, keine schlechte Idee.

Die Ferien in Schweden sind längst vorbei – der Sommer in Schweden ist offiziell beendet. Wo vor wenigen Wochen unzählige Yachten entlangfuhren, herrscht nun gähnende Leere. Anstelle mit Heckbojen Bordwand an Bordwand im Hafen zu liegen, ist nun Platz genug, um längsseits zu gehen.

Auch der Hafenmeister ist bereits in Winterschlaf gegangen, wir bezahlen unsere Hafengebühren beim Fischhändler und freuen uns um die billigen 15 Euro, die er uns per Nacht im Hafen verrechnet – Wasser, warme Duschen und freie Benützung der Waschmaschine inbegriffen. 

Dann heben wir die Mopeds aus der Buggarage.

Rucksäcke schultern – ich mit der Fotoausrüstung, Jürgen mit Wasserflasche und Zweitaktöl. Helme auf und schon spüren wir den Fahrtwind um die Nase.

Direkt vor Sandvik biegen wir auf der Uferstraße in den Norden. Zu unserer Freude ist es keine wirkliche Straße, sondern ein Schotterweg. Ein Weg, der ursprünglich für den Abbau von Kalkstein gebaut wurde und heute eine der beliebtesten Touristenstraßen von Öland ist. 

Sobald der Steinbruch mit seinen Radladern, Baggern und LKW´s hinter uns liegt, tauchen wir in die Schönheit dieser Küste ein. Rechts liegt die Ostsee in der Flaute. Unbewegt, ohne einen einzigen Rippel auf ihrer Oberfläche, spiegelt sie einen grenzenlosen Himmel. Verliert sich regelrecht in der Farbe der Wolken, die mit malerischen Formen alles blau verschleiern.

Jungfrauinsel

Davon eine Steinküste, die aus achtlos aufeinandergehäuften Kalkschieferplatten von hellgrau bis weiß schimmert. Übergehend in ein grünes, flaches Land. Rotbrauner Torfboden, der mit spärlichen Weidegras bewachsen ist, hin und wieder von Buschwerk und einzelnen Felsbrocken unterbrochen.

Unterbrochen von altertümlichen, kleinen Fischerhütten aus Steinplatten und Erinnerungen an die harte Arbeit, die die Bewohner dieser Hütten einst an der Küste geleistet haben. Sie bauten den Kalkstein der Küste nicht nur ab, sondern schliffen ihn auch ab, sodass er fertig für das Verlegen war.

Fischerhütten Öland
Die Fischerhütten an Öland´s Westküste

Wir kommen an zwei Steinschleifmühle vorbei. Die erste Mühle besteht aus einem, langen Baumstamm, der an einem Ende festgelascht ist, sodass das zweite Ende von einem Ochsen im Kreis gezogen werden konnte. In der Mitte ist der Baumstamm bestückt mit einem groben Schleifstein. Am Boden unter dem Schleifstein wurden die Kalkplatten im Kreis aufgelegt und während der Ochse den Schleifstein über die aufgelegten Platten zog, wurden diese Platten von Arbeiterinnen laufend mit Sand beworfen. Nach einer Woche Arbeit waren die Platten glattgeschliffen.

Die zweite Mühle ist „moderner“ – auch wenn sie nicht unbedingt so anmutet. Anstelle eines Ochsen wurde sie von Wind betrieben. Und anstelle von einer Woche benötigte sie nur einen Tag für dieselbe Arbeit.

Steinmühle
Zeichen des Fortschrittes: die „modernere“ Steinmühle arbeitete bereits mit Windkraft.

Wir verlassen den Steinstrand, tauchen in Kiefernwald ein. 

Und bewundern den feinen Sandstrand, der von hier an das Ufer ziert. Bis wir schließlich den „Langen Erik“ erreichen, den hübschen Leuchtturm an Ödlands Nordspitze.

In seinem Schatten packen wir unser eingekauftes Picknick aus: frisches Brot mit schwedischen Käse. Auf das landestypische Knäckebrot und die Lakritze hinterher verzichten wir gerne.

Langer Erik
Der „Lange Erik“ an Öland Nordspitze.

Zurück am Boot verbringen wir den Abend vor den Seekarten. Betrachten die Häfen an Ödlands Südküste und schmieden Pläne, noch mehr von dieser wundersamen Insel zu sehen.

Doch schon am nächsten Morgen fallen unsere Öland-Reisepläne dem Wetter zu Opfer. Bleiben wir an Ölands Küste, werden wir die kommende Woche nicht mehr loskommen. Anhaltender Westwind wird uns den Törn zur Südküste Schwedens verwehren. 

Doch so viel Zeit auf Öland wollen wir uns nicht gönnen. Schon am kommenden Morgen lösen wir die Trossen und setzten die Segel. Hart am Wind nehmen wir Kurs auf Südschweden. 

Bugwelle
Mit rauschender Bugwelle zu Schwedens Südküste

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