Social Conjoining auf Reise

Die unkomplizierten Freundschaften unter Blauwassersegler

Wir leben in einer Zeit, die uns an Land in die Einsamkeit zwingt und mit „Social distancing“ prägt. Und so fliegen die Gedanken immer wieder zurück zu den unglaublichen Freundschaften, die Blauwassersegler erleben. Und deshalb schreibe ich heute über das internationale Zusammenrücken auf Blauwasseryachten, das ich kurzerhand „social conjoining – soziales verbinden“ nenne!

Wir hatten Glück. Unsere erste Segelreise, ja unsere ersten Seemeilen unter Segel schlechthin, haben wir in einem Seegebiet begonnen, wo Potlucks alltäglich und die große Gemeinschaft der Fahrtensegler gelebte Normalität sind. Wir segelten von Kalifornien runter in die Baha California – den Golf von Kalifornien in Mexiko. Es ist eine Strecke, die sich hauptsächlich Kanadier und Amerikaner teilen und wo nur einzelne europäische Schiffe anzutreffen sind. Eine Route, die geprägt ist von Ankerplätzen, es gibt nur wenige Yachthäfen. Und sie ist geprägt von dem unverwüstlichen Wunsch der Nordamerikaner, gemeinsam eine gute Zeit zu erleben.

Gemeinsame Landausflüge mit Fahrtensegler

Und so denke ich gerne zurück. Zurück an unseren allerersten Aufbruch, unsere allererste Etappe in ein neues Land. Wir erreichten Ensenada in den Morgenstunden an einem herrlich heißen Wintertag. Etwas gebeutelt, etwas übermüdet, ziemlich seekrank. Mit einem Schifferl, das aussah, als habe eine Bombe eingeschlagen. Aber wir waren überglücklich, denn wir waren aufgebrochen.

Ensenada in Mexiko, es war unsere erste fremde Ankerbucht, unser erstes Land, dass wir unter Segel erreicht haben. Das ist aufregend und etwas verunsichernd. Wir drehten eine Runde am Ankerplatz und noch bevor unser Anker über Bord gehen konnte, löste sich vom Heck einer großen, grünen kanadischen Yacht ein Dingi. „Willkommen – ankert doch einfach neben uns, da ist noch viel Platz und hier ist der Boden anscheinend weniger mit alten Bojen und Ankern verunreinigt!“ 

Jack war unser Empfangskomitee, während Denise und Tochter Ashley bereits frische Brötchen in den Ofen schoben, um uns nach dem Einklarieren zu einem gemeinsamen Bordfrühstück begrüßen zu können.

Unsere erste Begegnung mit Blauwassersegler wuchs augenblicklich zu einer Freundschaft.

Wir segelten Strecken gemeinsam, oder freuten uns, das andere Boot samt Crew irgendwo in einer Ankerbucht wieder zu entdecken. Wir verbrachten unzählige Abende an Bord von KIKIMO und wuchsen in kürzerster Zeit zu einer kleinen Freundesgruppe, die gleich mehrere Bootscrews mit mehreren verschiedenen Nationalitäten stark wurde. 

Und wir halfen uns gegenseitig. Denice – gebürtige Hawaiianerin – zeigte mir, was man mit frischem Fisch alles machen kann und Jack lud uns zu Segeltörns auf seiner Yacht ein.

 Und als mal dicke Luft zwischen ihnen und ihrer Teenage-Tochter herrschte, luden wir Ashley einfach für ein paar Tage zu uns an Bord ein und segelten mit ihr in die entgegengesetzte Richtung von KIKIMO. Der nächste gemeinsame Ankerplatz von KIKIMO und IRISH MIST wurde nicht nur zur glücklichen Familienreunion, sondern gleich zum Festplatz!

Es sind nicht nur das gemeinschaftliche Feiern oder die lockeren Abenden die das Leben in der Seglergemeinschaft zu etwas besonderen machen. Es sind die einzigartigen und spannenden Charaktere, die Mischung aller Altersgruppen, aller sozialen Klassen und vieler Nationalitäten, die die Freundschaften auf den Ankerplätzen so unglaublich bereichern. Und es ist das Zusammenhalten, das gegenseitige Aushelfen, das in dieser Kameradschaft in der Regel groß geschrieben wird.

Gemeinsam in der Einsamkeit: Wir treffen Freunde bei unserem Landgang in der einsamen Arktis von Kanada

Blauwassersegler sind Individuen, die eines gemeinsam haben: Sie sind aufgebrochen.

Und diese kleine Gemeinsamkeit schafft es, die ungewöhnlichsten Freundschaften auf den vielen Ankerplätzen dieser Welt wachsen zu lassen. Es ist eine Gemeinsamkeit, die heimatlose Vagabunden mit reisenden Millionären, und jugendliche Aussteiger mit abenteuerlichen Rentnern verbindet.

Und als österreichische Blauwassersegler, die früher unter amerikanischer Flagge und heute unter französischen Bootsnamen unterwegs sind, genießen wir einen besonderen Vorteil in der Welt der Blauwassersegler: Wir werden stets das Verbindungsglied einer multinationalen Gruppe. Denn unser Boot mitsamt seiner kleinen, verschlissenen Flagge am Heck lässt sich von den wenigsten Seglern einordnen. Und damit ist vorprogrammiert, dass wir nicht einfach nur in der Gruppe der Deutschen, der Holländer, der Englischsprachigen, der Franzosen oder welcher Gruppe auch immer gehören. Und darüber sind wir überglücklich, denn das Kennenlernen von anderen Nationalitäten, von anderen Anschauungen und anderen Kulturen gehört zum spannendsten Kapitel auf Reisen!

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