Sprinter

Sprinter

Juni 15, 2020 3 Von claudia und jürgen

Übermüdet in den frühen Morgenstunden von einem Vortrag am anderen Ende von Österreich nachhause zu rollen macht keinen Spaß. Deshalb sind wir schnell am Punkt: ein Camper Kastenwagen muss her! Eine Idee, die uns nicht nur gut gefällt, sondern uns zur Zeit auch besonders gut in den Kram passt, kann man doch mit einem Camper viel mehr, als nur von Vorträgen nach Hause fahren…  Wir wollen in den kommenden Jahren zwischen den Segelabenteuern immer wieder mal Österreich besuchen. Und nicht nur Österreich. Es klingt doch spannend, Europa auch Überland besser kennenzulernen. Und da wir nur unmögliche Ideen frühzeitig sterben lassen, haben wir sogleich „Willhaben“ durchsucht.

Ein paar wage Anforderungen haben wir uns dabei ausgedacht:

  • es sollte ein Kastenwagen sein, der uns ermöglicht, nach einem Vortrag auch mal auf einem „normalen“ Parkplatz zu nächtigen und uns nicht sofort als Camper enttarnt
  • natürlich muss er isoliert und beheizt sein – wir ändern uns vermutlich ja nie und werden von Kälte und Schnee immer noch magisch angezogen
  • möglichst hohe Anhängelast, damit wir alles, was uns noch so einfällt, nachziehen können
  • wir möchten ein Bett, in dem man sich ausstrecken kann
  • eine kleine Toilette und eine kleine Campingküche sollten schon möglich sein
  • wir wollen einen Motor, der stark genug ist, uns auch in die Berge zu fahren, ohne dabei fast zu verhungern
  • Anschaffungspreis sollte im unteren dreistelligen Bereich liegen, dafür scheuen wir kein „Projekt“

Es hat nicht lange gedauert, ist uns das richtige Projekt in die Hände gefallen: ein Kastenwagen mit Tischlerausbau. Innen hell, hübsch durchdacht, aussen runtergekommen und rostig.  Ein echter „Möbeltransporter“, sozusagen. Und als wir so auf einem Parkplatz in Salzburg den fleckigen Mercedes Sprinter begutachten – ich im Aufbau stehend und Jürgen unterm Auto liegend – wird schnell klar: der Herr Tischler hat zwei Händchen für einen  Ausbau, und da bleibt offensichtlich kein Händchen mehr fürs Blech übrig. Aber wie kann die Geschichte schon anders gehen: Rost auf und unter einem paar Meter langem Vehikel kann uns kaum aus der Reserve locken. Immerhin besitze ich mehr Winkelschleifer als so manches Mädel Handtasche oder Stöckelschuhe hat. Über den Preis werden wir uns schnell einig und schon zieht ein Kastenwagen nach Oberösterreich.

Und damit erst mal in Jürgens gerade entstehende Werkstätte. Wir schleifen, flehen, schneiden, schweißen. Unter dem Auto, auf Leitern, auf ausgebauten und unbarmherzig verrosteten Türen und Deckeln.

 

Das geniale am Camper-Kastenwagen ist innen zu finden: Um den Platz möglichst gut zu nützen, hat unser Vorbesitzer eine Idee verwirklicht: er hat das Bett auf Fallen befestigt und diese auf eine Seilwinde gewickelt. Das Bett lässt sich also bis unters Dach hochziehen und offenbart Küche und Lebensraum darunter. Mit Kühlschrank und Dusche. Ein Luxus, den wir nicht mal auf unserem Schifferl haben.

 

Isoliert und schön ausgebaut gab es damit für uns innen nicht viel zu tun – wir haben eine Standheizung eingebaut, ein Campingklo gekauft, die Tanks gefüllt und den Mopetanhänger an die neue Anhängerkupplung gekoppelt. Und nachdem endlich wieder Grenzgänge möglich sind, sind wir auch schon am ersten Ausflug nach Ungarn unterwegs…

Wir sind rundum zufrieden mit unserem neuen Gespann: trotz einiger blauer Flecken, einen gebrochenen Bremshebel und ein paar schmerzender Muskeln 😉

 

Und auch wenn wir doch immer geplant haben, einen möglichst unauffälligen Kastenwagen zu fahren, ganz „inkognito“ konnten wir dann doch nicht bleiben: ein paar Aufkleber ziehren ab sofort unseren Kastenwagen!