Never Summer

Never Summer

Juni 4, 2021 0 Von claudia und jürgen

Was machen wir eigentlich an Land, wenn der Sommer nicht so richtig loslegen will und die Boot-Pläne verschoben sind? Wenn plötzlich Zeit übrig geblieben ist?

Wir verschieben den Sommer und machen einen auf Winter! So richtig Winter – mit allem was dazugehört, von Weihnachtsgeschenken und Schneegestöber bis zum Hüttenzauber!

Ich könnte den DPD-Mann umarmen, als er das heiß erwartete Paket pünktlich vor die Haustüre stellt. Unsere neuen Snowboards sind da! Und damit ist es Zeit, dem regnerischen Frühsommer für ein paar Tage den Rücken zu kehren.

Schon rollt unser knallroter Kastenwagen die Autobahnauffahrt hoch. Der Heizungstank ist gefüllt, die Boards liegen im Laderaum. Das Bettzeug ist frisch bezogen und die Schapps sind mit Skihosen, Handschuhen und dicken Socken gefüllt. In der Kühlbox warten ein paar Bratwürstel und eine Flasche Most auf den Abend am Parkplatz.

Wir sind auf der Suche nach viel Schnee und dünner Luft. Und genau das hat uns die Internet-Seite von Hintertux auch versprochen: über vier Meter Schnee, um genau zu sein!

In Salzburg verlassen wir gespannt die Autobahn. Wir wollen übers deutsche Eck fahren und haben notfalls dafür sogar ein paar Schnelltests im Gepäck. Nur für den Fall, dass die Bayern uns nicht ungetestet durchreisen lassen. Doch an der Grenze interessiert sich niemand für uns. Ein gelangweilter österreichischer Polizist winkt uns durch. Wir ziehen durch, erreichen erneut Österreich und… der nächste österreichische Polizist winkt uns durch.

Die Sonne brennt vom Himmel und hat alle Wolken vertrieben. Wir tauchen immer weiter in die Alpentäler und rollen gemütlich dem Zillertal entgegen. Dann werden die Straßen enger, die Steigungen steil. Es geht vorbei an Familien, die mit dem Heurechen auf der Schulter zum nächsten Wiesenhang spazieren. Vorbei an glitzernden Gebirgsbächen und beglockten Kühen.

Das Ziel ist nahe, instinktiv halte ich Ausschau nach möglichen Parkplätzen fürs Wildcampen. Dort, am Rand des Schotterplatzes könnten wir stehen, oder da, neben dem Bach. Aber nein, fahren wir erst einmal bis zum Parkplatz am Hintertuxer. Wer weiß, vielleicht können wir ja auch nahe der Gondel parken. 

Und Tatsache. Nach einem kleinen Dorf voller großen Hotels liegt vor uns ein großer Parkplatz. Ein Parkplatz voller Camper, Kastenwägen, Wohnmobile und sogar einem Expeditions-Feuerwehr-LKW. Kein Problem, hier darf in bester Lage direkt an der Gondel in ruhe geschlafen werden! Was für ein Luxus. Wir reihen uns ein zwischen Deutsche, Holländer und Tiroler. Zwischen Globetrotter, die wie wir den Winter noch nicht verabschieden wollen.

 

Morgens pünktlich um 8 Uhr gehts die Gondel hoch. Und hoch. Um den Schnee zu erreichen müssen zwei lange Bergbahnen genommen werden. Dann ist es soweit: Das neue Brett unter den Füßen kann uns nichts mehr aufhalten und die Tage vergehen wie im Flug.

Tage später lassen wir den Winter endgültig hinter uns. Die Knie sind blau, die Muskel ziehen. Und die Gletschersonne hat unsere Gesichter verbrannt. Aber wir sind glücklich.

Nun sind auch wir bereit für den Sommer. Und am Heimweg freuen wir uns schon auf das nächste Abenteuer: kommende Woche gehts zum Boot. Zum Abenteuer Werft. Dann werden wir uns erst einmal ordentlich um La Belle Epoque kümmern. Sie erneut in besten Zustand bringen und für ihre kommenden Abenteuer vorbereiten. Denn „Nach der Reise“ kann für uns nur eines heißen: „Vor der Reise“!