Selbstbauer und Weltumsegler

oder…mein Senf zu Bobby Schenks „Wie manche Segler ihr einziges Kapital vernichten!“

Ja, jeder, der schon mal länger auf einem Segelboot unterwegs war, oder sich ernsthaft mit der Überlegung, seine eigene Blauwasseryacht zu bauen oder restaurieren geliebäugelt hat, kennt sie. Sie, die Beispiele, die mit einem Schiffsbau begonnen haben und doch nie über die Phase des Baus hinweg gekommen sind. Deren Schifferl heute den Platz im Garten hinterm Haus verstellen, oder in einem Werftgelände vor sich hin gammeln.

vergessene Bootsprojekte findet man überall auf der Welt

Was also leichter, den Bau eines Bootes in Eigenregie zu verteufeln und allen Lesern den gut gemeinten Tipp geben, sich einer Serienyacht anzuvertrauen und die Leinen los zu werfen um mit dem Passat den Sonnenuntergang entgegen zu segeln?

Denn laut Herrn Schenks Beurteilung ist der Beweis, dass hunderte Yachten aus der Serienproduktion bekannter Hersteller heute an allen Küsten schwimmen, Grund genug, deren Konzepte über den Haufen zu werfen und ihnen das Prädikat „Weltumsegleryachten“ zu geben. Ganz sicher ist dabei jedoch nicht, ob es sich bei diesen geplanten Weltumsegelungen um die tausendfach besprochene Barfußroute handelt oder ob mit allen Serienyachten auch Abstecher in andere Teile der Welt empfohlen werden. Was jedoch, das möchte ich hier mal ausdrücklich erwähnen, nicht heißen soll, dass ich eine Weltumsegelung entlang der ausgetretenen Pfade der Barfußroute nicht ebenso als eine großartige Leistung sehe und ich dafür nicht ebenso ein geeignetes Boot fahren würde.

Doch halt, von welchen Konzepten von Serienyachten schreibe ich hier eigentlich und ist es den überhaupt legitim, anzunehmen, dass Yachten ebeso wie Autos, Wohnwagen, Häuser, Computer und viele weitere Dinge, für bestimmte Zielgruppen konzipiert werden und daher auf verschiedene Schwerpunkte entwickelt wurden.

Kann denn der Konsument nicht davon ausgehen, dass zum Beispiel einer 40ft Hutting ein anderes Konzept zugrunde liegt als sagen wir mal einer 40 füßigen Bavaria. Ist es denn nur ein Zufall, dass man nur selten eine Hallberg Rassy im Charterbetrieb großer Anbieter trifft? Ja, soll dass denn am Schluß sogar heißen, dass die verlockende Preisgestaltung vieler Großserienyachten mit der Herzensgüte der dahintersteckenden Aktionäre oder Eigner der Kundschaft gegeüber zu begründen ist? Oder gibts da vielleicht doch auch Unterschiede im Konzept und in der Qualität der Yachten?!

Nein, ich will hier auf keinen Fall sagen, dass vergleichsweise billige Großserienyachten keine Qualität haben und nicht auch auf Langfahrt gehen können (auch wenn mich keine zehn Seepferdchen mit sowas über einen Ozean bringen könnten…). Doch mal dumm gefragt (denn laut Bobby Schenk dürften wir, die auf den reichen Schatz an Erfahrungen der Großserienyacht-Herstellern verzichten, ausgesporchen dumm sein):

Wer hat schon mal ein Serienwohnmobil, welches vielleicht auch noch mit möglichst vielen Schlafplätze für Vermietungsbetriebe ausgestattet ist, auf einer Familienexpedition durch die Wüste gesehen? Würden wir das nicht als blöd, oder sogar unverantwortlich einschätzen? Weshalb leben alle an Land Gebliebenen nicht in großen Gartenhütten vom Baumarkt anstelle sich fürs Leben zu verschulden für ein schönes Einfamilienhaus? Diese Gartenhütten stehen doch auch recht schick herum und es regnet offensichtlich nicht hinein!

Und, stellt eine Aufzählung an gescheiterten Eigenbauprojekten nicht etwa eine fragwürdige Subjektivität dar? Ja, es gibt sie, die gescheiterten Projekte und auch jene Projekte, während derer Lebensdauer sich die Grundlagen und Bedingungen geändert haben.

Andererseits gibt es auch jene (Serien-)Yachten, die den Bedingungen, denen sie auf Langfahrt ausgesetzt sind, nicht standhalten. Die gefährlich überladen und mit maximaler Anstrengung und Überbelastung der kleinen Blauwassercrews um die Welt geschunden werden, um dann, oft schon in der Karibik, von der frustrierten oder gar verängstigten Crew liegen gelassen werden. Da kommt mir ja glatt das Gefühl, dass die Aussage, gebrauchte Chateryachten sind unkaputtbar, doch auch jener subjektiven Anschauung zu Grunde liegen, die auch den Selbstbau als Zeitverschwendung deklariert.

Ausgeträumt

Da muss ich an einem weiteren, sehr interessanten Bericht auf Bobby Schenks homepage denken. Im Bericht „Sturm der Stürme“ erzählt Svante Domizlaff von dem Segler I PUNKT, aus dessen GFK-Balsa-Sandwich Rumpf die Sturmsee handtellergroße Placken herausgerissen hat. Klar, die I PUNKT war sicherlich ein Regattersegler, doch zeigt dieser Bericht ganz schön, dass eben nicht jedes Schiff für jeden Anspruch gebaut wurde?!

Dennoch kann ich Herrn Schenk getrost recht geben: Nicht für jedermann ist der Griff zum Werkzeug, um eine Yacht zu bauen (oder restaurieren), die beste Entscheidung. Ung ganz bestimmt sollte jeder zuserst einmal praktisch herausfinden, welche Yacht am besten zu einem selbst passt, bevor alle Register gezogen werden.

Nicht für jeden ist der Bau einer eigenen Yacht die richtige Lösung

Doch eine Weltumsegelung, oder auch Weltbesegelung, ist eine sehr persönliche Sache und in vielen Fällen gar ein Ausbruch aus der Konsumgesellschaft, weshalb gerade der Kauf von Großserien schon alleine deshalb eine falsche Entscheidung sein kann.

Obendrein kann ich mit ruhigem Gewissen sagen: Nachdem wir bereits 3 Yachten selbst restauriert habe, haben wir den Yachtbau, die Yachtrestauration und auch den Yachtausbau als spannende Erlebnisse entdeckt, welche uns viele Erfahrungen brachten. Genauso wie das Segeln selbst kann der Yachtbau ein interessanter Lebensabschnitt sein.

Trösten kann ich auch alle, die sich nicht über einen Selbstbau stürzen wollen, am Markt sind genügend Alternativen an „Traumyachten“ zu finden, welche – in Serie oder als Einzelbauten – für das Langstreckensegeln mit kleiner Crew konzipiert wurden. So nenne ich hier einmal die viel gelobten Felz-Schiffe, von denen zumindest ich noch keine schlechte Silbe gehört habe. Ganz zu schweigen von der bereits erwähnten Hutting. Oder, wenns denn lieber in GFK sein soll, eine schmucke Hallberg Rassy, die Yachten von Westsail und Island Package, nur um ein paar wenig zu nennen. Und keine Sorge, die Liste an hochseetauglichen Yachten ist lang, weshalb sich „Traumyachten“ für jedes Blauwasserherz finden lassen sollten.

Die Restauration unserer Stahlyacht hat fünf Jahre gedauert und war UNS jede Minute wert!

Du denkst darüber nach, selbst einen Segelreise, eine Weltumsegelung oder gar eine Segelexpedition in Extremreviere zu machen?  Handfeste Infos zu idealen Blauwasseryachten findest du auf der Homepage www.blauwassersegeln.at

 

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